Zwei Master-Studenten der FHWS entwickeln Verfahren zum Einsatz mobiler medizinischer Versorgung
Ziel ist eine „10-Cent-Untersuchung“, um diese in Entwicklungsländern und entlegenen Gebieten realisieren zu können

Die Master-Studenten Stefan Gehring und Alexander Strauß (von li.) haben im Rahmen ihres Auslandssemesters in Kalifornien ein System zur Erfassung, Übertragung und Auswertung von medizinischen Messdaten durch mobile Geräte entwickelt für den kostengünstigen Einsatz in Entwicklungsländern. (Foto FHWS / Gehring und Strauß)

Die studentische Forschergruppe hat u.a. ein mobil einsetzbares Stethoskop (oben) sowie ein Othoskop (unten) entwickelt, mit dem instruierte Mitarbeiter auch ohne medizinische Vorkenntnisse Patienten-Werte erfassen und diese vía Handy, Laptop oder Tablet weiterleiten können an Ärzte zur Diagnose-Stellung. (Fotos FHWS / Gehring und Strauß)

Das Ziel ist ehrgeizig: Auf Basis eines mobilen Versorgungsangebotes soll eine medizinische Grunduntersuchung für maximal 10 US-Cent realisierbar werden. Stefan Gehring und Alexander Strauß, zwei Master-Studenten des Studiengangs „Informationssysteme“ an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, haben während ihres Auslandssemesters verschiedene Verfahren zum Einsatz mobiler medizinischer Versorgung erforscht sowie ein System zur Erfassung, Übertragung und Auswertung von medizinischen Messdaten durch mobile Geräte entwickelt.
Als „Visiting Student Researcher“ im Department for Computer and Information Science am California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena, Kalifornien haben sie als Mitglieder einer international zusammengesetzten sowie interdisziplinär tätigen Forschungsgruppe kostengünstige medizinische Untersuchungen für Entwicklungsländer entwickelt. Die Kosten-Ersparnis wird vor allem dadurch erreicht, dass Erst-Untersuchungen und Aufnahmen von medizinischen Messwerten nicht durch ärztliches Personal, sondern vorab durch instruierte Mitarbeiter durchgeführt werden können.
Die Forschungsgruppe hat ein Otoskop, ein Stethoskop sowie ein mobiles EKG (Elektrokardiogramm) entwickelt, die an Mobilfunkgeräte gekoppelt werden. Das digitale Otoskop beispielsweise ermöglicht es Mitarbeitern, auch ohne medizinische Vorkenntnisse Bilder aus dem Ohrinneren sowie dem Mund und Rachenraum aufzunehmen und die Aufnahmen anschließend über ein Mobilfunknetz an eine Internetplattform zu senden, um diese dann von Ärzten begutachten zu lassen. Darüber hinaus hat das studentische Team eine Software für ein Blutzuckermessgerät entwickelt, die es ermöglicht, die erhobenen Blutzuckerwerte an Experten zu senden zur weiteren Analyse. Das Ergebnis der sich anschließenden Diagnose ist die Empfehlung an die Patienten, ob ein Arzt- oder Krankenhausbesuch für notwendig erachtet wird, um dort eine weitere Behandlung zu erhalten.
Grundgedanke dieser Forschungsaktivitäten ist die teure und oft durch zu weit von medizinischer Versorgung entfernt gelegenen Ortschaften in Entwicklungsländern. Für viele Menschen gerade aus ländlichen Bereichen ist eine Gesundheitskontrolle oder ärztliche Behandlung nicht oder nur mit erheblichen Anstrengungen möglich, Krankheiten können sich dann bereits in einem nicht mehr therapierbaren Stadium befinden. Die neu entwickelten Verfahren und mobilen Geräte auf Basis sowie Nutzung von Handys, Laptops sowie Tablets haben kooperierende Medizinstudierende der kalifornischen Universität in Irvine in Peru und Indien verwendet und ausführlich getestet mit einem sehr positiven Feedback. Wichtig, so die Würzburger Studenten, sei zudem gewesen, dass die verwendeten Geräte stabil sowie benutzerfreundlich sein müssen. Eine Netzabdeckung stelle mit über 90 Prozent in den eingesetzten Gebieten fast optimale Arbeitsbedingungen dar.
Stefan Gehring und Alexander Strauß, deren Team am California Institute of Technology gefördert wurde im Rahmen des Summer Undergraduate Research Fellowships-Programm (SURF), hatten zum Abschluss ihres Aufenthaltes in Kalifornien die Möglichkeit, die Caltech als eine der Top-Ten-Universitäten der Welt zu vertreten und diese mit ihrer Präsentation der Ergebnisse vor High-School-Schülern zu präsentieren. (Weitere Informationen unter www.caltech.edu.)





