C - Agieren


C 1 - Der Bewerbungsprozess

Informationen über die geforderten Bewerbungsdokumente werden von allen Begabtenförderungswerken und unabhängigen Studienstiftungen im Internet veröffentlicht. Stipendien, die von Stiftungen und Unternehmen in Kooperation mit einem Lehrstuhl vergeben werden, teilen diese Informationen auch über Aushänge oder Flyer mit.

Einige der nachfolgenden Unterlagen sind laut Borreck und Bruckmann (2011, S. 45–57) im Zuge der Bewerbung einzureichen:

  • An- bzw. Motivationsschreiben
  • Tabellarischer oder ausführlicher Lebenslauf
  • Exposé
  • Gutachten von Lehrern bzw. Professoren
  • Abiturzeugnis, akademische Zeugnisse bzw. Notenauszüge

Das An- und Motivationsschreiben

Stilistisch und formell ähneln die Bewerbungsunterlagen für ein Stipendium der Bewerbung um ein Praktikum bzw. für den Berufseinstieg. Inhaltlich unterscheiden sich diese jedoch stark.

  • Alle Elemente der Stipendienbewerbung sollten ein stimmiges Gesamtbild vermitteln, d. h. sie sollten sowohl inhaltlich als auch formal aufeinander abgestimmt sein. Wiederholungen in An- bzw. Motivationsschreiben sowie im Lebenslauf sollten möglichst vermieden werden!
  • Das Motivationsschreiben kann in das Anschreiben integriert oder als selbstständiger Teil verfasst sein. Achten Sie unbedingt darauf, welches Format Ihr Förderer wünscht. (Manche Stiftungen verlangen anstelle eines Motivationsschreibens das Verfassen einer Argumentation. In diesem Fall gilt es, die Beweggründe für die Bewerbung unmittelbar durch Beispiele zu belegen.)


Eine bewährte Vorgehensweise, um Wiederholungen zu vermeiden:

  1. Lebenslauf (max. zwei Seiten) niederschreiben und drucken.
  2. Im tabellarischen oder ausführlichen Lebenslauf diejenigen Stationen markieren, die den Beweggrund für Ihre Bewerbung verdeutlichen und im Weiteren in das Motivationsschreiben aufgenommen werden können.
  3. Motivationsschreiben auf Grundlage des ausführlichen Lebenslaufes verfassen (max. zwei Seiten, außer es wird explizit ein anderer Umfang gefordert).

Im Rahmen des Motivationsschreibens ist ein Blick in die Zukunft (Zukunftsvision bzw. -pläne) oder der Hinweis auf persönliche Anschauungen möglich. Den begrenzten Raum unbedingt auch
für die Beschreibung der eigenen Person nutzen.


Die erstellten Bewerbungsunterlagen sollen den Stipendiengebern die nachfolgenden Fragen beantworten können:

  • Aus welchem Anlass bewerben Sie sich für das Stipendium?
  • Warum passen genau Sie zu diesem Stipendienprogramm?
  • Stimmen die Ziele, die Sie sich als Studentin/Student gesetzt haben mit denen des Förderers überein?
  • Sind Sie in der Lage, Ihre Ziele zu verwirklichen?


Förderer sollten nach dem Lesen des Motivationsschreibens zudem überzeugt sein, dass

  • Sie wissen, welche Vorteile Ihnen das ausgewählte Stipendium bietet und wie Sie diese Möglichkeit der Förderung für Ihre Zukunft nutzen können,
  • Sie und die Stiftung gut zueinander passen, sich gegenseitig unterstützen und Sie Ihre Fähigkeiten/Stärken im Sinne der Stiftung einbringen können,
  • Sie sich realistische und im Sinne der ausgewählten Institution förderungswürdige Ziele gesteckt haben.

Um die Antworten auf die zentralen Fragen der Stipendienbewerbung zu ordnen, ist das Mind-Mapping eine geeignete Methode.

Die Mind-Map hilft Ihnen, Ihre Gedanken und Beweggründe zur Bewerbung visuell darzustellen, Anknüpfungspunkte zum Fördererprofil zu verdeutlichen und eine klare Strukturierung der Bewerbungsunterlagen vorzunehmen, damit ein stimmiger Gesamttext entsteht.

Ein weiterer Ansatz der Strukturierung ist die Aufteilung nach dem „You, Me, We“-Prinzip. Es verdeutlicht, warum Sie zum ausgewählten Stipendium und dem entsprechenden Förderer passen. Dementsprechend wird das Motivationsschreiben in drei Teile gegliedert (vgl. Borreck/Bruckmann 2011, S. 45–57):

  1. Der „You“-Abschnitt
    Hier legen Sie dar, warum Sie sich um ein Stipendium bewerben und weshalb Sie die Bewerbung gerade an den jeweiligen Studienförderer richten. Veranschaulichen Sie durch konkrete Beispiele Ihre Bezugspunkte zum Leitbild und Engagement der jeweiligen Stiftung.
  2. Der „Me“-Abschnitt
    An dieser Stelle erzählen Sie von sich persönlich. Führen Sie auf, was Sie bisher erreicht haben und was Sie zukünftig erreichen möchten. Auch sollten Sie darlegen, weshalb Sie den Erhalt eines Stipendiums verdienen.
    Berichten Sie gleichermaßen mit Beispielen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und behalten Sie auch hier das Leitbild Ihres Förderers im Hinterkopf.
  3. Der „We“-Abschnitt
    Hier haben Sie die Gelegenheit aufzuzeigen, was Sie in Zusammenarbeit mit Ihrem Förderer oder weiteren Stipendiaten während des Förderzeitraumes umsetzen möchten. Verdeutlichen Sie, an welcher Stelle Sie sich in die Stiftung einbringen könnten, indem Sie die Berührungspunkte zwischen Ihnen und der Stiftung darlegen.

Hinweis: Derzeit stellen die meisten Förderer auf online-Bewerbungen um. Dennoch können Sie die aufgeführten Fragen zur Begründung Ihrer Motivation oder Bewerbung heranziehen.

Der tabellarische bzw. ausführliche Lebenslauf

Für den Lebenslauf im Rahmen einer Stipendienbewerbung ist die persönliche Akzentuierung besonders wichtig. Aktivitäten und Leistungen, die für den Studienförderer interessant sind, können Sie hier auch dann darstellen, wenn sie in einem Standartlebenslauf nicht typisch wären z. B. eine Messdiener-Tätigkeit, insofern Sie sich bei einem Förderwerk mit christlicher Glaubensausrichtung bewerben (vgl. ebd.).

Die nachfolgende Gegenüberstellung soll die Unterschiede zwischen tabellarischem und ausführlichem Lebenslauf verdeutlichen:

Tabellarischer Lebenslauf Ausführlicher Lebenslauf
  • Aufzählung
  • kurz & prägnant
  • Beschreibung
  • ausführlich
Wichtige Hintergrundinformationen bleiben unberücksichtig Beantwortet die Aufführungen und Reihenfolge des tabellarischen Lebenslaufes
Gibt keine Gelegenheit, Brüche im Lebenslauf zu begründen Offenbart u. a. die Motive/das Engagement/die Schwächen der Bewerber und lässt Rückschlüsse auf den Umgang mit Herausforderungen zu

Der ausführliche Lebenslauf liefert oftmals die Belege für die im Motivationsschreiben formulierten Ansprüche (vgl. ebd.).

Tipp: Behalten Sie einige Überpunkte des tabellarischen Lebenslaufes – Persönliche Daten, Schul- und Hochschullaufbahn, berufspraktische Erfahrung und Auslandserfahrung, ehrenamtliches Engagement, EDV- und Sprachkenntnisse sowie Hobbys – auch im ausführlichen Lebenslauf bei.

Das Exposé

Einige Förderer verlangen ein einseitiges Exposé über Ihre Studien- und Berufsziele. Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Sie zielgerichtet vorgehen – d. h. Ihre Entscheidungen bewusst treffen.
Die nachfolgenden Punkte können im Rahmen eines Exposés zur Begründung Ihrer Entscheidungen bzw. als Motivation zum Studium aufgeführt werden:

  • besondere Schul- oder Studienfächer (EDV- und Sprachkenntnisse, Exkursionen, ggf. Kenntnisse aus der Berufsausbildung)
  • berufspraktische und studienrelevante Vorkenntnisse (Nebenjobs, Praktika, Hobbys)
  • Interessen und Motive (Kontakte knüpfen, Fähigkeiten ausbauen, den eigenen Horizont erweitern, Träume verwirklichen, etwas erforschen)

Das Gutachten

Das Gutachten ist laut Borreck und Bruckmann (2011) der einzige Teil Ihrer schriftlichen Bewerbung, den Sie wenig beeinflussen können.

  • Finden Sie eine Professorin/einen Professor, die/der Erfahrung im Verfassen von Gutachten hat und mit den Auswahlkriterien von Studienstiftungen vertraut ist.
  • Wählen Sie eine Gutachterin/einen Gutachter, die/der Sie kennt, damit sie/er Ihre persönlichen Stärken gut beschreiben kann. (Fragen Sie hierzu Studienkolleginnen oder -kollegen, die bereits Stipendiatinnen oder Stipendiaten sind oder suchen Sie Kontakt zu Hochschulgruppen – über Homepages oder Facebook.)
  • Überprüfen Sie, ob Ihre Gutachterin/Ihr Gutachter ausreichend über Sie, den Förderer und den Zweck der Bewerbung informiert ist. (Lassen Sie der Gutachterin/dem Gutachter ggf. einige Informationen über sich – Lebenslauf, Notenübersicht, Zweck der Bewerbung etc. – und über den Stipendiengeber – Anforderungsprofil, Weltanschauung, Gemeinsamkeiten etc. – zukommen.)

In einem Gutachten sollte immer ein gesellschaftliches Engagement, das dem Leitbild des jeweiligen Förderers entspricht, betont werden. In Bezug auf die Förderer sollte das resultierende Votum des Gutachtens stets „besonders förderungswürdig“ lauten. Bei Gutachten für Promotionsstipendien sollte aufgezeigt werden, dass die Gutachterin/der Gutachter Ihre Qualifikationen in Bezug auf das zu fördernde Ziel (die fachliche Expertise) darstellen kann (vgl. ebd., S. 58f.).

Die Zeugnisse

In Bezug auf Ihre Zeugnisse gilt:

  • Vollständigkeit (Alle wichtigen Stationen des Lebenslaufes, die bewertbar sind, müssen durch ein Zeugnis belegbar sein. Soziales Engagement oder private Aktivitäten ggf. mit einem Empfehlungsschreiben abdecken.)
  • Ordnung (Ordnen Sie Ihre Dokumente thematisch oder chronologisch!)
  • Äußere Erscheinung (Achten Sie darauf, dass Ihre Dokumente ordentlich und sauber eingescannt sind. Stellen Sie Ihre Daten elektronisch als eine PDF-Datei zusammen – max. Größe ein bis drei Megabyte.)

Achtung: Einige Förderer geben Formatvorlagen (siehe Übersicht Formatvorlagen) zum Verfassen eines Gutachtens vor.

Auch bei Online-Bewerbungen sollten Sie die Unterlagen unbedingt vor dem Absenden auf Fehler überprüfen und auf die Vollständigkeit der Unterlagen sowie die unterschiedlichen Bewerbungsfristen achten (vgl. ebd., S. 60ff.).
Für detailliertere Informationen zum Bewerbungsprozess nutzen Sie bitte die angegebenen Quellen. Diese sind in der Hochschulbibliothek zu finden.


C 1.1 - Bewerbungsmuster

Als Beispiel für Motivationsschreiben, Lebenslauf und ausführlichen Lebenslauf werden in fogelndem Abschnitt Bewerbungsmuster angegeben.

Literaturtipps zum Erstellen von Bewerbungsunterlagen mit weiteren Bewerbungsmustern finden Sie im Literaturverzeichnis (vgl. Hesse/Schrader 2017, Püttjer/Schnierda 2011 u. a.).

Wichtige Stellen werden dabei farblich und mit Sternchen im Text markiert und anschließend erläutert:

Motivationsschreiben

Marta Musterfrau | Musterstraße X | XXXXX Musterstadt | marta.musterfrau@student.fhws.de

 

Musterstiftung
Musterstraße X
XXXXX Musterstadt

 

Musterstadt, den 12. Mai 2018


Motivationsschreiben / Begründung der Studien- und Berufsziele

Sehr geehrte/r Frau/Herr Mustername,

ein Blick in meinen Lebenslauf und Sie wissen, ich möchte im Bereich der sozialen Arbeit Fuß fassen. Warum? Die christliche Sicht auf Welt und Mensch* begeistert mich sehr, da es mir ein besonderes Anliegen ist, Menschen unterschiedlicher Kulturen in diesem Sinne zu vereinen. Wie bereichernd der interkulturelle Dialog* und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung ist, habe ich durch meine Freiwilligenarbeit in Asien erfahren. Hier habe ich auch gelernt, bedürfnisorientiert zu handeln* und meine Herausforderung, Theorie und Praxis zu vereinen, gemeistert.

An meinem Studium der Sozialen Arbeit fasziniert mich**, dass ich Methoden erlerne mit denen ich maßgeblich dazu beitragen kann, Menschen in herausfordernden Lebenslagen zu unterstützen, ihre Bedürfnisse sowie Fähigkeiten wahrzunehmen und Probleme zu lösen. Zu einer Verbesserung der Lebensumstände und Bildungschancen von Menschen in Entwicklungsländern möchte ich** außerdem aktiv beitragen**. Dabei endet mein Interesse für das Studium nicht mit der Vorlesung, ich beschäftige mich** auch in meiner Freizeit mit dem Thema Entwicklungsarbeit, indem ich beispielsweise nachhaltige Umweltprojekte (Fair Trade) unterstütze und mich in Fachbüchern über neue Lehr- und Lernmethoden informiere. Konsequent habe ich in den vergangenen Jahren auf mein Berufsziel hingearbeitet, mein Studium danach ausgerichtet und entsprechende Praktika absolviert.

Die Möglichkeit an einer Auslandsakademie teilzunehmen***, würde mir den erneuten Austausch mit Studierenden und einer Gastfamilie in einer anderen Kultur ermöglichen. Insbesondere ein Aufenthalt in einem weiteren Entwicklungsland wie Afrika motiviert mich sehr. Außerdem bin ich überzeugt, dass ich mich durch meine Erfahrungen, die ich in meinem Studium und durch mein gesellschaftliches Engagement bisher gesammelt habe, erfolgreich in die Stiftung einbringen kann. Zudem möchte ich mich im Rahmen einer Förderung noch intensiver mit den Fragen, wo und wie ich eine sinnstiftende und gemeinwohlorientierte berufliche Tätigkeit finde, auseinandersetzen. Ich kann mir zwar gut vorstellen, später als Entwicklungshelferin im Ausland zu arbeiten, allerdings benötige ich hierzu nach dem Entwicklungshelfer-Gesetz zwei Jahre Berufserfahrung. Diese würde ich gerne in meinem Heimatland sammeln. Ich bin mir sicher, dass mich beim Aufspüren einer geeigneten Stelle ebenfalls der fächerübergreifende Austausch mit Stipendiaten und Stipendiatinnen Ihres Förderwerks*** unterstützen kann.

Gerne würde ich die Synergien, die mit dem Erhalt eines Stipendiums einhergehen, für meine berufliche Zukunft nutzen und freue mich darauf, Sie in einem persönlichen Gespräch kennen zu lernen.


Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift]
Marta Musterfrau

 

* = „You“: Bezugspunkt zum Förderer (in diesem Beispiel zum Cusanuswerk)

** = „Me“: Förderungswürdigkeit mit konkreten Beispielen darlegen

*** = „We“: Gemeinsamkeiten verdeutlichen!

Lebenslauf (tabellarisch)

Marta Musterfrau | Musterstraße X | XXXXX Musterstadt | marta.musterfrau@student.fhws.de

LEBENSLAUF

Persönliche Angaben

Name Marta Musterfrau
Geburtstag/-ort 30. April 1998 / Musterstadt
Anschrift Musterstraße X, XXXX Musterstadt
E-Mail-Adresse marta.musterfrau@student.fhws.de
Eltern (Beruf)* Monika Musterfrau (Erzieherin)*
Mike Musterfrau (Kaufmann) *
Geschwister (Bildungsphase)* Max Musterfrau (Schüler)*
Religion katholisch
Nationalität deutsch
Platzhalter für Profil- bzw. Bewerbungsfoto

Schul- und Hochschulausbildung

seit 10/2017** Bachelorstudium Soziale Arbeit (B.A.)
an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
Note des 1. Semesters: 1,5
Schwerpunkt: verhaltensorientierte Sozialarbeit
09/2014-07/2016 Fachabitur, Fach- und Berufsoberschule, Kitzingen
Fachabiturnote: 1,5, Fachrichtung: Sozialwesen
09/2008-07/2014 Staatliche Realschule, Kitzingen
09/2004-06/2008 Grundschule, Kitzinger Siedlung

Berufspraktische- und Auslandserfahrung

10/2016-08/2017 Freiwilligenarbeit HelpAsia, Katmandu, Nepal
  • Englischunterricht von Kindern- und Jugendlichen***
  • Schulung von Frauen (Gesundheit, Hygiene und Ernährung)***
08/2016 Betreuerin erlebnispädagogische Ferienfreizeit, Fernweh, Bamberg
Ausbildung zur Jugendleiterin (Juleica)
03/2015-07/2015 10-wöchiges Praktikum, Blindeninstitutsstiftung, Heilpädagogische Tagesstätte, Würzburg
  • Kommunikationsförderung***
  • Unterstützung beim Erwerb lebenspraktischer Fähigkeiten***

Ehrenamtliches Engagement****

seit 10/2017 Mitglied der Initiative Zelle, JVA Würzburg
seit 07/2015 Mitglied im Ferienpass-OrgaTeam, Gemeinde Musterstadt

Sprach- und IT-Kenntnisse

Englisch fließend in Wort und Schrift
Office-Anwendungen Grundkenntnisse

Hobbys

Yoga, Aquarell-Malerei

[Unterschrift]

Musterstadt, den 12. Mai 2018

 

* = Beruf der Eltern und Bildungsstand von Geschwistern nur anführen, wenn Sie darauf Hinweisen möchten, dass Sie Erstakademiker sind!

** = Mit dem aktuellsten beginnen!

*** = Wenn Aufzählungen, dann mindestens zwei Punkte anführen!

**** = Ehrenamtliches Engagament ist für die meisten Förderer besonders wichtig!

Ausführlicher Lebenslauf

Marta Musterfrau | Musterstraße X | XXXXX Musterstadt | marta.musterfrau@student.fhws.de

AUSFÜHRLICHER LEBENSLAUF

Persönliche Angaben

Mein Name ist Marta Musterfrau. Ich wurde am 30. April 1998 als einzige Tochter von Maria und Mike Musterfrau in dem sehr ländlichen Ort Musterstadt geboren. Mein Vater Mike hat eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und arbeitet als kaufmännischer Leiter im Finanz- und Rechnungswesen einer Personalberatung. Meine Mutter ist Erzieherin in unserem Nachbarort. Mein Bruder Max (15 Jahre) ist in der 10. Klasse der Richard-Rother-Realschule in Kitzingen. Der christliche Glaube und seine Werte wie Nächstenliebe spielen in meiner Familie eine wichtige Rolle. Schon in früher Kindheit haben uns meine Eltern gelehrt, wie wichtig es ist, Verantwortung für andere und unser eigenes Handeln zu übernehmen.* Aufgrund der sozialen Aktivitäten meiner Mutter waren wir zudem aktiv in die örtliche Gemeinschaft eingebunden, insbesondere bei der Organisation von Gemeindefesten und dem Ausbau der lokalen Angebote für Kinder und Jugendliche. Im Umgang mit Kindern ist ...

Schul- und Hochschulausbildung & Berufspraktische- und Auslandserfahrung

Nachdem ich die Grundschule in Kitzingen besucht habe, wechselte ich im Jahr 2008 auf die Staatliche Realschule und anschließend im Jahr 2014 auf die Fach- und Berufsoberschule in Kitzingen, um dort den Sozialen Zweig zu belegen. Hier konnte ich mir zum ersten Mal Fachwissen wie z. B. Kommunikationsmethoden für meine spätere Wunschtätigkeit im sozialen Bereich aneignen. Außerdem konnte ich die Zeit an der Fachoberschule nutzen, um durch Praktika Einblicke in unterschiedliche Bereiche der sozialen Arbeit zu erhalten. Mein erstes Praktikum absolvierte ich an einem sonderpädagogischen Förderzentrum. Hier unterstützte ich die Lehrer während der Unterrichtszeit, indem ich den Kindern vorlas oder ihnen beim Schrifterwerb half. Auch hatte ich die Möglichkeit, bei Psychologen und Logopäden vor Ort zu hospitieren. Gerade das interdisziplinäre und vernetzte Arbeiten im Team hat mich angesprochen.** Ein weiteres besonderes Highlight war das Praktikum in der Heilpädagogischen Tagesstätte der Blindeninstitutsstiftung im Jahr 2008. Der Umgang mit teils sehbehinderten, teils völlig erblindeten Kindern stellte mich vor neue Herausforderungen ...

Nachdem ich am 24. Juni 2016 mein Fachabitur mit der Note 1,5 erhalten hatte, setzte ich mir das Ziel, alleine eine andere Kultur kennen zu lernen. Um mir dieses Vorhaben finanziell ermöglichen zu können, habe ich im Sommer 2017 als Betreuerin für erlebnispädagogische Ferienfreizeiten für Kinder von 9 bis 12 Jahren in Bamberg gearbeitet. Hier wurde ich zudem zur Jugendleiterin ausgebildet und habe viel über das Kinder- und Jugendhilferecht (KHJG) gelernt. Das gemeinsame Übernachten in Blockhütten (Nachtwache), das Trösten bei Heimweh, die Planung und Gestaltung der Tagesaktivitäten in der Natur sowie die Verpflegung gehörten zu meinen Hauptaufgaben. Ab Oktober 2016 reiste ich ...

So kam es**, dass ich mich erst im darauffolgenden Oktober (2017) für das Bachelorstudium der Sozialen Arbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt eingeschrieben habe. Bei der Wahl meiner Ausbildungsstätte war es mir besonders wichtig, dass** diese die neuesten gesellschaftlichen Problemlagen und wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt. Außerdem habe ich gezielt nach einer Hochschule für angewandte Wissenschaften gesucht, da hier der Praxisanteil höher ist und aufgrund der geringeren Anzahl an Studierenden stets der direkte Austausch zu Kommilitonen und Lehrenden besteht. Auch der Schwerpunkt verhaltensorientierte Problemlösung hat mich sehr angesprochen. Meine Erwartungen an** den Studiengang wurden ...

Ehrenamtliches Engagement

Bereits in meiner Schulzeit habe ich mich als Betreuerin von Ferienpassaktionen in unserem Ort engagiert. Seit Beginn des Studiums begleite ich zudem eine Freundin zu den Veranstaltungen der katholischen Hochschulgemeinde in Würzburg. Hier wurde ich auf die „Initiative Zelle“ aufmerksam. Dieser habe ich mich sofort angeschlossen und seitdem betreue ich ...

Hobbys

In meiner Freizeit finde ich mit Yoga einen super Ausgleich zu meinem Alltag. Erste Einblicke in die Praktiken des Yogas habe ich in meinem Aufenthalt in Nepal erhalten. Auch die Aquarell-Malerei lässt mich zur Ruhe kommen und meine Kreativität ausdrücken.

 

[Unterschrift]

Musterstadt, den 12. Mai 2018

 

* = Hinweis, wie/wodurch das eigene Weltbild/die eigene Person geprägt wurde

** = Motive & Handlungen verdeutlichen


C 1.2 - Die Gutachten

Informationen für Professorinnen und Professoren zur Erstellung eines Stipendien-Gutachtens

Allgemeine Informationen:

  • Treffen Sie sich mit der/dem Studierenden und erfahren Sie mehr über diese/diesen, damit Sie beim Verfassen des Gutachtens nicht auf allgemeine Beurteilungen ausweichen müssen, sondern deren/dessen persönliche Stärken beschreiben können. Lassen Sie sich hierzu einige der nachfolgenden Informationen der Bewerberin oder des Bewerbers zukommen:
    Lebenslauf
    Notenübersicht
    Informationen zum Stipendienprogramm
    Zweck der Bewerbung
    Grund für die Auswahl des jeweiligen Förderers
  • Machen Sie sich mit den individuellen Auswahlkriteriender jeweiligen Stiftung vertraut.
  • Heben Sie ein gesellschaftliches Engagement der/des Studierenden, das zum Leitbild der jeweiligen Stiftung passt, hervor.
  • Bei Gutachten für Promotionsstipendien gilt es, Nachfolgendes zu beachten:
    Im Gutachten sollten die Qualifikationen des Bewerbers in Bezug auf das zu fördernde Ziel herausgestellt werden („die Betonung der fachlichen Expertise“ (Borreck/Bruckmann 22011, S. 59) steht im Vordergrund).

Aufbau eines Gutachtens

Das Gutachten gliedert sich laut Borreck und Bruckmann (2011) zwischen Überschrift und Abschlussfloskel in vier aufeinanderfolgende thematische Absätze:


ÜBERSCHRIFT

Zum Beispiel: „Gutachten zur Aufnahme in die Förderung der Beispiel-Stiftung“


STUDIENLEISTUNGEN

  • Vorstellung der Bewerberin/des Bewerbers
  • Beurteilung der Studienleistungen

ENGAGEMENT UND PERSÖNLICHER EINDRUCK

  • Diskussion von Engagement außerhalb des Studiums
  • Persönlicher Eindruck des Gutachters

INDIVIDUELLE VERBINDUNG ZUR FÖRDERUNG

BEWERTUNG

  • Resümee des Gutachtens

ABSCHLUSSFLOSKEL

Formatvorlagen für Gutachten

Achtung: Bitte stets noch einmal auf der Homepage des Förderers überprüfen, welche Gutachten gefordert werden und ob es eine Formatvorlage gibt, die es zu verwenden gilt.

Stipendiengeber: Formatvorlage:
Avicenna
  • Zugriff auf Formatvorlagen erst nach Registrierung
Cusanuswerk
  • Gutachten für eine Bewerbung um Aufnahme in die FH-Förderung
Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk
  • Gutachten für eine Bewerbung um Aufnahme in die Grundförderung
Evangelisches Studienwerk Villigst
  • Fachliches Gutachten für die Bewerbung um ein Stipendium
  • Gutachten über das gesellschaftliche Engagement für die Bewerbung um ein Stipendium
  • Die englischen Formatvorlagen für die beiden Gutachten finden Sie auf der Seite des Förderers
Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Benötigte Unterlagen und Hinweise für Gutachten für Studienanfänger
  • Benötigte Unterlagen und Hinweise für Gutachten für Studierende (Grundförderung)
Friedrich Naumann Stiftung
  • Gutachten deutsche Studienförderung für Abiturienten oder Studierende im 1. Fachsemester
  • Gutachten deutsche Studienförderung für Studierende ab dem 2. Semester
  • Gutachtenvorlage ausländische Studierende
Hanns-Seidel-Stiftung
  • Fachgutachten Studierendenförderung
  • Fachgutachten Promovierendenförderung
  • Persönlichkeitsgutachten Studierendenförderung
Hans-Böckler-Stiftung
  • Hinweise für die Erstellung eines Referenzschreibens im Rahmen der Böckler-Aktion Bildung
Heinrich-Böll-Stiftung
  • Fachgutachten zur Bewerbung um ein Studienstipendium
  • Fachgutachten Bewerbung Promotionsstipendium
  • Die englische Formatvorlage finden Sie auf der Homepage des Förderers
Konrad Adenauer Stiftung
  • Hochschullehrergutachten/Fachlehrergutachten zur Bewerbung um Aufnahme in die Journalistische Nachwuchsförderung
  • Persönlichkeitsgutachten zur Bewerbung um Aufnahme in die Studienförderung/Journalistische Nachwuchsförderung
  • Die englischen Formatvorlagen finden Sie online
Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Keine Formatvorlagen für die Gutachten im Rahmen der Bewerbung von Studierenden und Promovierenden, jedoch Formatvorlage für die Gutachten im Rahmen der Bewerbung Studieninteressierter (Lux Like Studium)
Stiftung der deutschen Wirtschaft
  • Nur Formatvorlagen für Promotionsgutachten
Studienstiftung des dt. Volkes
  • Nur Formatvorlagen für Promotionsgutachten
  • Die deutsche und englische Formatvorlage hierzu finden Sie im Word-Format auf der Seite des Förderers
Aufstiegsstipendium (SBB)
  • Begründeter Arbeitgebervorschlag (siehe Kapitel 4.4.4) sowie Hinweispapier zum begründeten Arbeitgebervorschlag

C 2 - Das Auswahlverfahren

Informationen zu Auswahlgesprächen

Folgend werden gängige Methoden präsentiert, die in ähnlicher Art und Weise im Rahmen einer persönlichen Vorstellung – im Anschluss an die erfolgreiche schriftliche Bewerbung – angewandt werden. Dabei sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die persönliche Auswahl nicht bei allen Förderern Teil der Stipendienbewerbung ist und jeder Förderer die Auswahl anders handhabt. Eine Einladung in die zweite Bewerbungsrunde (das persönliche Auswahlverfahren) erhalten in der Regel die aussichtsreichsten Bewerber um ein Stipendium der 13 Begabtenförderungswerke sowie für das Deutschlandstipendium (dort gilt nur das Einzelinterview). Hierzu werden Sie von den Förderern rechtzeitig kontaktiert, in der Regel per E-Mail.


Das Einzelinterview

Mögliche Fragen in Bezug auf den Lebenslauf/das Fachwissen:

  • Stellen Sie sich kurz vor bzw. führen Sie uns durch Ihren Lebenslauf.
    Behalten Sie im Hintergrund, dass die Förderer Sie als Person – Grundsätze, Argumente und soziale Kompetenzen – kennen lernen möchten („Personal-Fit“).
    Nehmen Sie sich bei offenen Fragen ausreichend Zeit Ihre Gutachter durch den Lebenslauf zu führen und gehen Sie strukturiert vor.

  • Welche Dinge, die Sie in Ihrem Lebenslauf nicht erwähnt haben, sollten wir noch über Sie wissen? (vgl. Borreck/Bruckmann 2011, S. 92)
    Hinter welchen Werten stehen Sie?

  • Welche Verbindungen bestehen zwischen den einzelnen Phasen Ihres Lebenslaufes? (vgl. ebd.)
    Erzählen Sie, warum und weshalb Sie bestimmte Entscheidungen getroffen haben. Werfen Sie einen Blick auf die Herausforderungen, die Sie bisher bewältigen mussten und was Sie aus diesen (in Bezug auf Zukünftiges) lernen konnten.

  • Welche Stationen in Ihrem Lebenslauf sind Ihnen besonders wichtig und warum?
    Was waren prägende Erfahrungen, die Ihren Charakter gebildet haben?

  • Warum passen genau Sie zu unserer Stiftung?
    Stiftungsprofile (sowie Leitbilder und Namensgeber) anschauen und Anknüpfungspunkte zu Ihrem Lebenslauf aufzeigen. Nehmen Sie Bezug auf die Geschichte oder das Engagement der Institution, die Bedeutung des Namensgebers bzw. Gründers, die Geschichte und Einstellung der nahestehenden Partei bzw. Religion.
    Warum passen Sie gut zu den anderen Stipendiaten?
    Warum haben Sie sich das jeweilige Stipendium ausgesucht?

  • Benennen Sie fünf persönliche Stärken, mit denen Sie einen Beitrag in unserer Stiftung leisten können? bzw. Wie unterstützen Sie die Ziele unserer Stiftung?
    Belegen Sie die Stärken durch Beispiele.
    Zeigen Sie auf, an welcher Stelle Sie Ihre Talente einbringen können und dass Sie über den Tellerrand schauen bzw. über breites Wissen verfügen.

  • Was sind die Vorteile unserer Stiftung im Vergleich zu anderen Stipendiengebern?
    Gibt es eine besondere ideelle Förderung oder ein Engagement der Stiftung, die/das Sie bei Ihrer Auswahl angesprochen hat?
    Kann Ihnen die immaterielle Förderung bei der Erreichung Ihrer Studien- und Berufsziele helfen?

  • Was bringt Ihnen das Stipendium (die ideelle Förderung sowie die materielle Förderung)?
    Hier evtl. eine Zukunftsvision anführen oder beispielsweise berichten, welche Erleichterungen mit einer materiellen Förderung einhergehen (z. B. „mehr“ Zeit, um sich ehrenamtlich zu engagieren, auf das Studium zu konzentrieren etc.)

  • Warum haben Sie sich für das Studienfach XY entschieden?
    Was genau begeistert Sie daran (werden Sie konkret)? Warum möchten Sie sich im Bereich XY spezialisieren? (Was sind die zentralen Theorien, aktuellen Debatten, bedeutende Denker?)

  • Warum haben Sie sich für den Studienstandort Würzburg-Schweinfurt und diese Hochschule entschieden?
    Zeigen Sie die Vorteile der FHWS für Ihre berufliche Zukunft auf (z. B. starke, anwendungsbezogene Vernetzung mit der Region und ihren Unternehmen sowie Institutionen; unmittelbare persönliche Betreuung der Studierenden durch die Hochschullehrerinnen und -lehrer).
    Bei Studienfach- oder Standortwechsel müssen Sie durchaus auch begründen können, warum Ihr erstes Studium nicht zu Ihnen gepasst hat. Verdeutlichen Sie warum und veranschaulichen Sie, was Sie aus diesem Teil Ihres Lebens gelernt haben (z. B. selbstkritischer und reflektierter zu sein, das große Ganze im Blick zu haben bzw. Entscheidungen bewusster und im Hinblick auf Ihre Zukunftspläne zu treffen. Seien Sie authentisch – die Förderer möchten Sie kennenlernen, auch kleine Schwächen können sympathisch wirken).

  • Was möchten Sie mit Ihrem Studium erreichen?
    Diese Frage zielt auf das Erfassen von Schlüsselqualifikationen (wie Selbstmotivation, logisches Denkvermögen, Eigenständigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Führungsqualitäten, Integrität oder Teamfähigkeit) ab.

  • Wo sehen Sie sich in X Jahren (beruflich und privat)? bzw. Was möchten Sie beruflich und persönlich erreichen?
  • Warum werden Sie die Ziele, die Sie sich gesteckt haben, erreichen?
  • Was bedeutet XY (z. B. der Begriff Freiheit oder Demokratie) für Sie?
    Suchen Sie nach wichtigen Schlagwörtern beim jeweiligen Stipendiengeber.

  • Was hat Ihnen Anstoß für Ihr politisches/gesellschaftliches/kirchliches Engagement gegeben?
  • Warum engagieren Sie sich immer noch im Bereich XY?
  • Warum engagieren Sie sich gerade in dieser/m Partei/Verein/Kirche?
  • Möchten Sie sich auch noch in Zukunft in diesem Bereich engagieren?
  • Haben Sie sich noch bei einem anderen Stipendiengeber beworben (Mehrfachbewerbung)?
    Sie sollten gut begründen können, insofern Sie sich bei mehreren Begabtenförderungswerken beworben haben (z. B. das Bestehen persönlicher Anknüpfungspunkte zu mehr als einer Institution). Das bedeutet aber auch, dass sich die ausgewählten Werke in ihren Werten nicht gänzlich widersprechen sollten. Warum passen die beiden Stiftungen zueinander?


Bei Bewerbungen für Auslandsstipendien:

  • Warum möchten Sie ein Auslandssemester/Auslandspraktikum absolvieren?
  • Warum haben Sie sich für das Land XY entschieden?

Generell gilt:

Negativ Positiv
Lügen, Überheblichkeit, rein finanzielles Interesse. ehrliche Gespräche, Offenheit, Sympathie, Persönlichkeit
Schwächen und Stärken.

Nutzen auch Sie im Rahmen des persönlichen Gesprächs die Chance nachzufragen. Auf diese Weise können Sie ebenso einen ersten Eindruck von der Institution und Ihrer Interviewpartnerin bzw. Ihrem Interviewpartner erhalten (vgl. Borreck/Bruckmann 2011, S. 89-99).

Fragen zur Allgemeinbildung:

In der Regel geht es in den Fragen um tagesaktuelle Themen. Recherchieren Sie hierzu in Zeitungen. Auch der Lebenslauf bietet oftmals Anknüpfungspunkte für weitergehende Fragen zur Allgemeinbildung. Gutachter können u. a. Zeitungsartikel vorlegen und die Bewerberin oder den Bewerber bitten, den Artikel zu lesen und danach eine eigene Beurteilung des Sachverhalts vorzunehmen. Themen der letzten Jahre waren beispielsweise:

  • „Warum ist eine Bildungsreform notwendig? Was müsste sich aus Ihrer Sicht an Schule und Hochschulen verändern?“ (ebd., S. 95)
  • „Hat die soziale Marktwirtschaft noch eine Zukunft?“ (ebd., S. 95)
  • „Wie sinnvoll ist Entwicklungspolitik? In was für einem Projekt würden Sie sich engagieren?“ (ebd., S. 95)
  • „Finden Sie es richtig, dass die Bundeswehr im Ausland eingesetzt wird?“ (ebd., S. 95)
  • Welche Auswirkungen hat Donald Trumps Amtsantritt für die USA?
  • Welche Konsequenzen hat die Bundestagswahl 2017?

Die Präsentation und Moderation

Einige Stiftungen nutzen für ihr Auswahlverfahren die Präsentation und Moderation. Dabei sollen Bewerberihren Mitbewerbern und Gutachtern einen Sachverhalt präsentieren und im Anschluss eine Diskussion dazu moderieren. Als Bewerber müssen Sie sich dabei in verschiedene Rollen einfinden (Dozent, Moderator, Zuhörer, Diskussionsteilnehmer). Den Gutachtern bietet sich dadurch die Möglichkeit,Sie in verschiedenen Situationen zu beobachten und Rückschlüsse auf Ihre Persönlichkeit zu ziehen. Es wird ersichtlich, wie begeisterungsfähig Sie sind, ob Sie ein Thema verständlich aufbereiten können und wie Sie auf Fragen oder Kritik Ihrer Mitmenschen reagieren.

Folgende Überlegungen helfen bei der Vorbereitung:

  • Wählen Sie ein Thema, das auch die Zuhörer begeistern kann (vgl. Borreck/Bruckmann 2011, Lange 2016).
    Zur grundlegenden Themenfindung können Sie sich selbst die Frage stellen, welche Ereignisse/Themen/Entwicklungen Sie besonders zum Nachdenken anregen. Berücksichtigen Sie bei der Themenwahl auch den Hintergrund Ihrer Hörerschaft und beginnen Sie Ihre Präsentation mit einem Aufhänger (z. B. einem Zitat, einer Zahl).

  • Wählen Sie ein verständliches Thema.
    Berücksichtigen Sie die Kürze der Präsentation und wählen Sie kein zu komplexes Thema. Die Zuhörer müssen die Chance haben, die Kernaussagen ohne die Vermittlung von allzu viel Hintergrundwissen zu erfassen um anschließend diskutieren zu können. Grenzen Sie das Thema ein und strukturieren Sie Ihren Vortrag.

  • Wählen Sie ein „nicht eindeutiges“ Thema.
    Um nach Ihrem Vortrag eine Debatte einzuleiten, sollte Ihr Thema diskutierbar sein. Achten Sie darauf, dass der von Ihnen vorgestellte Sachverhalt unterschiedliche Beiträge provoziert und nicht durch „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten ist.

Ein gelungener Übergang von Präsentation zu Diskussion kann durch das Zusammenfassen der Kernaussagen Ihres Vortrages entstehen. Stellen Sie anschließend die vorbereitete diskutierbare Frage in den Raum. Bereiten Sie im Vorfeld Argumente vor, die Sie einbringen können, falls sich die Zuhörer zu schnell auf eine Lösung einigen. Als Moderator sollten Sie versuchen, alle Teilnehmer in die Diskussion zu integrieren (z. B. durch direkte Ansprache) um einem zu einseitigen Argumentationsverlauf entgegen zu wirken, dabei jedoch möglichst im Hintergrund agieren. Als Abschluss der Diskussionsrunde bietet sich ebenfalls eine kurze Zusammenfassung der Argumente oder Ergebnisse an (vgl. Borreck/Bruckmann 2011, Jäckel 2017).

Klausuren und Essay

Bei diesem Format soll der Bewerber sein Allgemeinwissen unter Beweis stellen und erkennen lassen, dass er eine eigene Meinung zu unterschiedlichen Themen hat und diese auch nachvollziehbar darlegen kann.

Einige Beispielfragen der letzten Jahre:

  • „Welcher Organisation würden Sie Geld spenden und warum?“ (ebd., S. 101)
  • „Sollte die Türkei der Europäischen Union beitreten dürfen?“ (ebd., S. 101)
  • „Sollte Deutschland aus der Atomkraft aussteigen?“ (ebd., S. 101)

Auch Fragen zur Geschichte sowie Werten und Weltanschauung des Stipendiengebers sind an dieser Stelle möglich, besonders bei parteinahen Stiftungen ist mit Fragen zu politischen Themen zu rechnen. Machen Sie sich zur Vorbereitung ggf. noch einmal mit gängigen Methoden zum Verfassen eines Aufsatzes bzw. mit der Struktur eines Essays vertraut.

Diskussionsrunden/Gruppendiskussionen

Bei diesem Auswahlverfahren wird das zu diskutierende Thema von den Gutachtern vorgegeben. Die Diskussionsrunde dauert in der Regel eine Stunde und bietet dem Förderer die Möglichkeit, den Bewerber auf persönlicher und fachlicher Ebene zu bewerten.

Während einer Gruppendiskussion sollten Sie:

  • Die eigene Meinung auch gegen die Meinung anderer vertreten können.
  • Die Meinung anderer berücksichtigen können.
  • Einen Konsens zwischen unterschiedlichen Meinungen bilden können (vgl. Borreck/Bruckmann 2011, Jäckel 2017).

Tipp: Recherchieren Sie zur Vorbereitung auf eine Gruppendiskussion das Harvard-Konzept!
Für detailliertere Informationen zum Auswahlverfahren nutzen Sie bitte die angegebenen Quellen. Diese sind in der Hochschulbibliothek zu finden. Außerdem können Sie auf der Homepage Ihres Förderers zum Ablauf des Auswahlverfahrens und zum Leitbild oder aktuellen Debatten/Themenschwerpunkten recherchieren.