Blended-Learning-Kurs lädt zum Mit- und Nachmachen ein

Viele Hochschul-Dozierende sahen sich im Frühjahr 2020 mit Beginn der Corona-Pandemie mit der Schwierigkeit konfrontiert, ihre Lehre von heute auf morgen von einer reinen Präsenz-Veranstaltung zu einem adäquaten Online-Format umzuwandeln. Nicht so Prof. Dr. Harald Bolsinger von der Fakultät Wirtschaftswissenschaften an der FHWS. Bereits seit dem Wintersemester 2017/18 bietet er seinen Unternehmensethik-Kurs im „Blended-Learning“-Format an. In dieser Lehrform findet ein Teil der Wissensvermittlung online statt. „Ich wollte die Studierenden motivieren, sich aktiver und selbstgesteuert mit dem Thema ´Werte´ auseinanderzusetzen. Digitale Lehre bietet uns hierfür inzwischen tolle didaktische Möglichkeiten, die in einer klassischen Vor-Ort-Veranstaltung nicht umzusetzen sind“. Zusammen mit Matthias Karl vom Zentrum Digitale Lehre (ZDL) entwickelte Prof. Dr. Bolsinger ein Konzept, das genau auf den erwünschten Kompetenzerwerb seiner Studierenden abgestimmt wurde. „Entscheidend für Blended- oder Online-Lehre ist wie bei klassischen Lehr-Formaten der didaktische Fahrplan“, sagt der gelernte Medienpädagoge, „Die besten Tools helfen nicht weiter, wenn sie nicht zu den Kompetenzzielen des Kurses passen.“

Im Falle des Werte-Kurses entschied man sich beispielsweise dafür, die Studierenden online kooperativ Wertewikis erstellen und diskutieren zu lassen, bevor sie eine eigene „werteorientierte Argumentation“ zu einem Fallbespiel ausformulierten. Diese wurde dann – ebenfalls online über die E-Learning-Plattform der FHWS – mittels „Peer Review“-Verfahren von den Kommilitonen kommentiert und bewertet. „Das hat den Studierenden schon einiges an Umgewöhnung abverlangt“, resümiert Prof. Dr. Bolsinger, „Aber letztendlich hat es sich für alle gelohnt, denn der Kompetenzzuwachs ist in diesem neuen Format deutlich größer als in einer klassischen Vorlesung mit Standardprüfung in Form einer Klausur.“ Für den Erfolg von Blended- oder Online-Lernformaten spielt auch das Thema Evaluation eine wichtige Rolle, wie ZDL-Mitarbeiter Matthias Karl betont: „Wir haben den Kurs von Anfang an konsequent evaluiert und tatsächlich gab es nach dem ersten Durchlauf auch noch zahlreiche kritische Stimmen. Diese haben wir sehr ernst genommen und den Kurs entsprechend weiterentwickelt.“ Inzwischen ist der Blended-Learning-Kurs laufend evaluiert und regelmäßig optimiert worden. So umfasst er nun z.B. auch Gamification-Elemente und ist auch wesentlich barriereärmer gestaltet. Auf Basis der Pandemie-Erfahrungen der letzten beiden Semester wurde der Kurs nun grundlegend erneuert und für reine Online-Lehre umgestaltet. Prof. Dr. Bolsinger dazu: „Auch ohne Vor-Ort-Präsenz lassen sich Kompetenzen passgenau entwickeln. Die Disruption der Lehre durch die Pandemie hat dafür einen Turbo gezündet – nicht nur in diesem Kurs sondern im gesamten Kollegium!“. Die Erfahrungen damit werden sicher auch nach reinen Onlinesemestern die Präsenzlehre bereichern. Zurück in die alten Formate allein würden die wenigsten akzeptieren.

Als „Good-Practice“ steht der Ethik-Kurs auch anderen interessierten Dozierenden offen. Sie können sich Inspiration für ihre eigene digitale Lehre holen oder aber auch den Kurs (oder Teile daraus) als „Open Educational Ressource“ verwenden. „Ich möchte die Kolleginnen und Kollegen mit diesem Angebot animieren, sich selbst mit den Möglichkeiten kompetenzorientierter digitaler Lehre zu beschäftigen und vor allem auch ihre Kurse zu teilen“, begründet Prof. Dr. Bolsinger die Öffnung seines Kurses. Dozierende können sich bei Interesse gerne bei ihm oder beim ZDL melden.