Blick in die sog. Aula, den größten Hörsaal am Standort Schweinfurt

Erster Fachtag „Ethik in der Sozialen Arbeit“ an der FHWS mit rund neunzig Teilnehmern

21.10.2015 | Pressemeldung, FAS
Das Ziel: das Wissen zu erweitern und die Urteilskraft zu stärken im Umgang mit Menschenrechten in der Praxis

Die Einhaltung von Menschenrechten ist zwar ein verpflichtendes Ziel für die Soziale Arbeit, muss aber im Alltag auf verschiedenen Ebenen immer wieder neu errungen werden. Dies wurde beim 1. Fachtag Ethik in der Sozialen Arbeit deutlich. Grundlage einer Menschenrechtsorientierung ist dabei immer die Sensibilisierung für fremdes Leid.

„Ethische Kompetenz als ein wesentlicher Bestandteil sozialprofessionellen Handelns umfasst neben dem Erwerb von ethischem Wissen insbesondere die Entwicklung von Urteilskraft.“, so die Initiatoren der Tagung, Professorin Dr. Theresia Wintergerst an der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften der FHWS, und Professor Dr. Michael Leupold, Honorarprofessor an der Berufsakademie Sachsen. Letztere könne nur in beständiger Auseinandersetzung mit Fällen aus der Praxis geschult und gestärkt werden.

Der Fachtag möchte deshalb zum einen durch Vorträge den Wissenshorizont erweitern, zum anderen solle in den Workshops durch ethische Fallbesprechungen aus verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit die Urteilskraft und das Gespür von Sozialprofessionellen gestärkt werden.

In ihrem Vortrag „Menschenrechte als normative Grundlage der Sozialen Arbeit: Was bringen sie uns in der Praxis?“ ging Wintergerst auf die Historie der Menschenrechte ein sowie auf die große Aufgabe sozialer Institutionen, diesen gerecht zu werden. Am Beispiel der Jugendhilfeeinrichtung Haasenburg GmbH, die aufgrund von Ermittlungsverfahren über freizeitsentziehende Maßnahmen und Erniedrigungen durch Mitarbeiter an Kindern und Jugendlichen jüngst geschlossen wurde, zeigte sie auf, wie weit Theorie und Realität auseinanderdriften können. Wie kann sozialprofessionelles Handeln die Würde des stützen und sicherstellen? Viele schwerkranken Menschen geben als Grund für suizidale Ansichten Angst vor Würdeverlust an. Dagegen geht die „Dignity Therapy“ des Palliativmediziners Harvey Max Chochinov vor. Durch Biografiearbeit die Weitergabe von Wichtigem im Leben des jeweiligen Menschen zu stärken, die Stärkung der Personalität in allen Phasen der Krankheit sowie der „tone of care“, die wertschätzende Kommunikation zwischen Pflegenden und Patienten sind hier ganz wichtig.

Leupold thematisierte in seinem anschließenden Vortrag den „Berufsethos – ein Kompass für die sozialprofessionelle Praxis“. Die Workshops luden die Teilnehmer ein, ethische Fallbesprechungen anhand anonymisierter, konkreter Beispiele durchzuführen in den Bereichen der Alten-, Kinder- und Jugend- sowie der Behindertenhilfe und der Sozialpsychiatrie.