Bibliothek Symbolbild

120 Teilnehmer besuchten an der FHWS in Würzburg den Fachtag „Inklusion und Teilhabe“

10.10.2016 | Pressemeldung, FAS
„Schlimmer, als blind zu sein, ist nicht sehen zu wollen“ – Inklusion zwischen Wunsch und Wirklichkeit

An der Hochschule Würzburg-Schweinfurt fand unter dem Motto „Inklusion und Teilhabe – Würzburg ist auf dem Weg“ der erste Fachtag des Forums Inklusion des Campus Community Dialogue mit 120 Teilnehmern statt. Der Campus Community Dialogue wurde an der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften eingerichtet, um den Austausch mit der Gemeinde, staatlichen Organisationen und der Öffentlichkeit zu fördern.

Vorbereitet wurde er von einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Professor Dr. Dieter Kulke und Christina-Maria Wismath mit Vera Gehlen, der Integrationsbeauftragten der Stadt Würzburg, Madeleine Leube von Inklusiv! Gemeinsam arbeiten, Wolfgang Trosbach von der Lebenshilfe Würzburg sowie Michael Weis von der Blindeninstitutsstiftung. Diese Arbeitsgruppe organisierte ein Programm mit 15 Workshops, die einen Einblick geben in Angebote, an denen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen teilhaben können in Würzburg.

Nach der Begrüßung durch die Dekanin Professorin Dr. Dagmar Unz und den Leiter des Forums Inklusion, Professor Dr. Dieter Kulke stellte Professor Dr. Markus Dederich von der Universität zu Köln in seinem Vortrag ‚Inklusion zwischen Wunsch und Wirklichkeit‘ die aktuelle Diskussion über Inklusion vor. Er machte deutlich, welche unterschiedlichen Lesarten der Begriff der Inklusion zulässt. Bei einer wertorientierten Betrachtung werde deutlich, dass hinter der Inklusion die Idee von einem guten Leben und Zusammenleben der Menschen stehe. In seinen Thesen zum Schluss verwies er darauf, dass Inklusion ein Ideal sei, das vielleicht nie ganz erreicht werde, das aber eine Annäherung erlaube, an der immer weiter gearbeitet werden müsse.

Um die Barrierefreiheit zu gewährleisten, wurden Begrüßung und Vortrag erstmals an der FAS mit einer Online-Schaltung in Gebärdensprache übersetzt und in Schriftsprache übertragen.

Anschließend fanden 15 Workshops statt: Diese gaben einen Überblick über inklusive Angebote in Würzburg und Umgebung und führten anhand einiger dargestellter Praktiken in den Umgang mit Behinderung ein. So konnten sich z.B. in einem Selbsterfahrungsworkshop unter der Leitung von Thomas Kandert und Sabine Kremer von der Blindeninstitutsstiftung die Teilnehmer in die Rolle blinder Menschen hineinversetzen und erfahren, mit welchen Barrieren sie mit dieser Beeinträchtigung im Alltag konfrontiert werden. Ein weiterer Workshop führte in den Bereich der Hörbehinderung ein: Uta Schmitgen vom Sozialdienst für Hörgeschädigte des Paritätischen in Unterfranken übte mit den Teilnehmern an einfachen Beispielen die Gebärdensprache. Michael Stetz und Veronika Lechner von der Lebenshilfe Donau-Ries e. V. stellten in ihrem Workshop zusammen mit Heike Harich das Projekt ‚Wir für Menschen‘ vor: Hier wurde über verbindliche Vereinbarungen mit der Stadt, mit Firmen und mit Vereinen eine Vielzahl inklusiver Veranstaltungen durchgeführt, ein Kochkurs an der Volkshochschule, erlebnispädagogische Freizeitangebote mit Auszubildenden eines großen Unternehmens, die Erarbeitung eines inklusiven Stadtführers gemeinsam mit dem P-Seminar des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Nördlingen und viele andere.

Professor Kulke hatte mit Studierenden die Begleitforschung zu dem Projekt durchgeführt und wies in seiner Präsentation auf die Ergebnisse des Projekts hin: Es habe eine große Breitenwirkung in Nördlingen entfaltet und geholfen, Vorurteile und soziale Distanz gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung abzubauen. Diese Ergebnisse aus einer Bürgerbefragung in Nördlingen belegen, wie wichtig inklusive Projekte sind und wie wirkungsvoll es ist, mit diesem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen. Berichte zu den einzelnen Workshops werden in Kürze auf der Fachtags-Homepage Fachtag_Inklusion gestellt. Im Anschluss an den Fachtag Inklusion und Teilhabe wurde in den Räumen der FHWS eine Feier anlässlich des 50. Jahrestages der Gründung der Lebenshilfe Würzburg e.V. begangen.