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17. Shell Jugendstudie: Mitautor Professor Dr. Mathias Albert stellte Ergebnisse an der FHWS vor

06.04.2016 | Pressemeldung, FAS
Die Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren sei eine „pragmatische Generation im Aufbruch“, so die drei Autoren

Der Referent und Mitautor Professor Dr. Mathias Albert von der Universität Bielefeld stellte die Ergebnisse der aktuellen 17. Shell-Studie vor. Diese Studie wird seit den 50er Jahren durchgeführt und informiert in regelmäßigen Abständen über die Lebenssituation junger Menschen von 12 bis 25 Jahren in Deutschland: Was denken sie über Politik, Heimat, Familie, Beruf, Werte? Welche Ereignisse prägen, welches Sozialverhalten leben sie? Albert folgte mit seinem Vortrag einer Einladung der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt sowie des Bezirksjugendrings Unterfranken.

Das Autoren-Trio mit den Professoren Dr. Mathias Albert, Dr. Klaus Hurrelmann sowie Dr. Gudrun Quenzel befragte 2.558 junge Menschen und führte 21 vertiefende Interviews durch. Die Befragten sind die erste Generation, die nach 1989 im wiedervereinigten Deutschland aufwächst. Zusammenfassend könne man die jungen Menschen als eine „pragmatische Generation im Aufbruch“ bezeichnen, die dem Motto „Wir schaffen das!“ folgen. Sie zeichne sich durch eine pragmatische Haltung gegenüber den Herausforderungen aus, die Alltag, Beruf und Gesellschaft mit sich bringen: „Hierzu gehört sowohl die Bereitschaft, sich an Leistungsnormen zu orientieren, als auch der Wunsch nach stabilen sozialen Beziehungen im persönlichen Nahbereich. Die Jugendlichen versuchen, sich den Gegebenheiten so anzupassen, dass sie Chancen, die sich auftun, ergreifen können. Prägend sind das Bedürfnis nach Sicherheit sowie der Wunsch nach positiven sozialen Beziehungen, was ebenfalls die Bereitschaft einschließt, sich im persönlichen Umfeld für die Belange von anderen oder für das Gemeinwesen zu engagieren.“

Ganz entscheidend sei in allen Bereichen die „Schichtzugehörigkeit“, wobei hier nicht das verfügbare Einkommen die Messlatte sei, sondern der Bildungsstatus der Eltern, die Zahl der Bücher zuhause sowie die Zufriedenheit mit dem zur Verfügung stehenden Einkommen. Familie stehe in der Werteskala ganz oben, wobei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie entscheidend sei und eine Erfüllung in der Ausübung der Arbeit über einer möglichen Karriere stehe. Der eigene Kinderwunsch gehe zunehmend zurück, ein Viertel der Jugendlichen gebe an, auch künftig allein glücklich leben zu können.

Es sei ein mehrheitlich großer Optimismus festzustellen, den Jugendliche bei weltweiten Herausforderungen und Krisen aufbringen. Das politische Interesse steige wieder – von 34 Prozent im Jahr 2002 auf 46 Prozent 2015. Es sind, so Albert, vor allem „weiche“ Erfahrungen der politischen Teilhabe und Erfahrungen mit politischen Aktionen: Zu 34 Prozent wurden aus politischen Gründen keine Waren gekauft, zu 27 Prozent unterzeichneten Jugendliche Online-Petitionen oder unterschrieben zu 26 Prozent Unterschriftenlisten. Hausbesetzungen, das Engagement in einer Gruppe oder Partei oder die Teilnahme an Demonstrationen (mit Ausnahme derjenigen gegen Studiengebühren) liegen im unteren Prozentbereich.

Jugendliche, so die Autoren, haben heute sowohl höhere Bildungs- und Berufsbestrebungen, als auch höhere Ansprüche an ihre Arbeitgeber: Sie wünschten sich Berufe mit interessantem und erfüllendem Tätigkeitsprofil, Flexibilität und die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Sie seien mehrheitlich stolz, Deutsche zu sein, da sie ihr Land als Vorbild sehen, die soziale Absicherung schätzten und aus dem historischen Erbe gelernt worden sei. Dem Thema Zuwanderung stehen 29 Prozent der Jugendlichen kritisch gegenüber, 48 Prozent haben Angst vor Ausländerfeindlichkeit. „Fürchteten sich 2010 nur 44 Prozent der Jugendlichen vor Krieg in Europa, ist die Zahl bis 2015 sprunghaft auf 62 Prozent angestiegen. Für Deutschland“, so die Studie, „wünschen sich die Jugendlichen in der internationalen Politik eine wichtige vermittelnde, aber keine eingreifende Rolle.“

Weitere Informationen unter 17. Shell-Studie.