Blick vom Vorplatz auf den FHWS Standort Sanderheinrichsleitenweg in Würzburg

2. Würzburger Wirtschaftsdialog zum Thema „Digitalisierung und Wirtschaft 4.0“ mit Vortrag und Gründern

24.03.2017 | Pressemeldung
Staatsministerin Ilse Aigner übergab den Förderbescheid für das ZDI, zu deren Kooperationspartnern u.a. die FHWS zählt

Im Rahmen des „2. Würzburger Wirtschaftsdialogs“ übergab die Staatsministerin Ilse Aigner den Förderbescheid über 5,23 Millionen Euro für das neue Zentrum für Digitale Innovationen (ZDI) an Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer und Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Zu den Kooperationspartnern des ZDI gehört auch die Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Der Abend stand unter dem Motto „Digitalisierung und Wirtschaft 4.0“, ergänzt durch einen Keynote-Vortrag von Professor Dr. Erich Schöls sowie der Vorstellung von drei erfolgreichen Gründer-Teams.

Zum Auftakt der Vortragsreihe konnte das Publikum an einer interaktiven Befragung teilnehmen. Möglich wurde das Echtzeit-Erlebnis durch das cloudbasierte Präsentations- und Voting-System „Teddy“, das von Tim Korros und Markus Bessler vorgestellt wurde.

Erich Schöls, Professor an der Fakultät Gestaltung der Hochschule Würzburg-Schweinfurt sowie Institutsleiter des Forschungszentrums Design und Systeme, hielt im Anschluss einen Vortrag zum Thema „Herausforderungen und Potenziale der digitalen Transformation“. Die Digitalisierung greife in alle industriellen Prozesse ein und finde schwerpunktmäßig in der Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik, dem Ausbau der Robotik und Sensorik sowie der Vernetzung von Mensch und Maschine statt. Dies vollziehe sich in einem atemberaubenden Tempo, lasse kaum noch Zeit für kritische Reflektionen und überfordere deshalb viele Menschen in zunehmendem Maße. Neue digitale Technologien nähmen einen immer größer werdenden Einfluss auf die Lebens- und Arbeitswelt des Menschen, so Schöls. Es stelle sich darum immer mehr die notwendige Frage, welche Werte die Menschen für sich definieren und wie sie leben wollen – was digital entwickelt werde, sollte sich primär am Menschen orientieren und nicht vorrangig an der technologischen Machbarkeit. Die an der FHWS geplante Professur Sozio-Informatik wird sich künftig ebenfalls mit dieser Fragestellung beschäftigen.

Die Architektur der Arbeitswelt, so Schöls weiter, werde sich dramatisch verändern und könnte mit einem Verlust von Arbeitsplätzen einhergehen, wenn Mitarbeiter nicht rechtzeitig auf die neuen Herausforderungen vorbereitet würden. Unternehmen stünden vor der Aufgabe, jetzt notwendige Entscheidung für die digitale Zukunft zu treffen. So müssen zum einen Strategien für die innovative Entwicklungen neuer Business-Modelle angestoßen und zum anderen kluge Konzepte für die Transformation bestehender Produktbereiche in die „digitale Welt“ ausgearbeitet werden.

Anhand einiger Beispiele aus seinem Institut versuchte Professor Schöls, seine Forderung zu verdeutlichen. Für ein Unternehmen aus dem Bereich des Anlagenbaus wurden Anwendungen erstellt, die auf Basis erweiterter und virtueller Realität nicht nur komplexe Sachverhalte transparenter vermitteln, sondern für bestehende Zielgruppen ganz neue Produktwerte entstehen lassen. Auch im Umfeld der Medizin oder der Kultur verbinden sich digitale Tools immer intelligenter mit den beruflichen Tätigkeiten, dem Interesse oder der Neugier von Menschen (digital spine oder Interaktive Vitrine).

Die Automobilbranche, so Schöls, stehe aktuell am Beginn eines signifikanten Wandels. Neben den zunehmenden Mobilitätsproblemen, andauernden Diskussionen um künftige Antriebstechniken, neuen Wettbewerbern und dem anstehenden Einfluss der Digitalisierung werde vor allem das autonome Fahren deutliche Spuren hinterlassen. Das Auto der Zukunft wird große Teile seines ursprünglichen Reizes verlieren, und dafür müssen neue „Begehrenswerte“ geschaffen werden. Auch diese müssen sich an den Bedürfnissen, den Wünschen und den Leidenschaften von Menschen orientieren. So könne er sich gut vorstellen, dass künftig selbstfahrende Autos neuartige Informationsräume sind, in denen man Zeitreisen erleben, neue Perspektiven nachvollziehen und Geschichte „erfahren“ kann.

Anschließend stellten sich zwei Start-up-Unternehmer vor: Clemens Launer zeigte mit „iNDTact“ die Möglichkeiten von Sensorsystemen zur Zustandsüberwachung auf; Toni Wagner präsentierte mit „Vaudience“ ein Konzept für Fans und Fandoms, das eine Feierstimmung auch im heimischen Wohnzimmer ermöglicht.

Zum Hintergrund des ZDI:

Die Kooperationspartner des ZDI sind die Universität Würzburg, die Hochschule Würzburg-Schweinfurt, die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt (IHK), das Rhön-Saale Gründer- und Innovationszentrum (RSG Bad Kissingen), das Technologie- und Gründerzentrum Würzburg (TGZ), das Innovations- und Gründerzentrum (IGZ) Würzburg und das Gründer-, Innovations- und Beratungszentrum Schweinfurt (GRIBS) und die Region Mainfranken GmbH. Die zwei bereits bestehenden Gründerzentren, das TGZ sowie das IGZ, seien nach Angaben von Klaus Walther, Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft und Standortmarketing, zu über neunzig Prozent ausgelastet, es bestehe daher Bedarf an einem dritten Zentrum. Auch für Schweinfurt und Bad Kissingen seien regionale Standorte dieses Gründer-Netzwerkes vorgesehen.

 

Weitere Informationen unter ZDI Mainfranken, Design and Systems, Teddytool, indtact, Vaudience.