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4. Kolloquium zur Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit: Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften lud ein

29.06.2016 | Pressemeldung, FAS
Zweihundert Teilnehmer besuchten das Kolloquium und diskutierten im Anschluss an die drei Vorträge

Die Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften lud Hochschulangehörige sowie Interessierte ein zum 4. Kolloquium zur Verhaltensorientierten Sozialen Arbeit - auf dem Programm standen drei Vorträge.

Zunächst sprach Karola Dillenburger, die vom 6. Juni bis 19. Juni als Gastprofessorin an der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt lehrte, über die Theorie und Anwendung der Verhaltensanalyse in der Praxis der Sozialen Arbeit. Die Verhaltensanalyse (Behavior Analysis) ist ein in Deutschland kaum beachteter, international bedeutsamer wissenschaftlicher Zugang zum Verhalten des Menschen. Ihre Anwendung (Applied Behavior Analysis) hat zahlreiche erfolgreiche Methoden und Programme hervorgebracht, darunter die verhaltensanalytisch fundierte Therapie bei frühkindlichem Autismus.

Peter Pohl, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut aus Garmisch, berichtete über den Einsatz mobiler Endgeräte (Smartphones und Tablet-Computer) zur Förderung des Gesundheitsverhaltens von Kindern mit psychischen Problemen. Kinder wachsen mit dieser Technik auf, Programmentwickler nutzen die Gesetze des Verhaltens zu ihrem Vorteil – dies kann zu einer suchtartigen Nutzung dieser Apps führen. Die Prinzipien der Verhaltensanalyse lassen sich ebenso einsetzen, um ein erwünschtes Verhalten (z. B. in den Bereichen Ernährung und Fitness) zu fördern.

Martin Wallroth, Professor für Ethik an der Fachhochschule Münster sprach „Zum ethischen Profil verhaltensorientierter Sozialarbeit“. Obschon selbst Verhaltenstherapeut, bemängelte Wallroth eine noch unzureichende Auseinandersetzung der verhaltensorientierten Sozialen Arbeit mit den Fragen der Ethik. Zwar bemühen sich die Verhaltenswissenschaftler mehr und intensiver als die Vertreter anderer Ansätze um die Berücksichtigung der Rechte ihrer Klienten und die Verträglichkeit ihrer Maßnahmen. Doch geht Ethik darüber hinaus. Insbesondere bemängelte er den „wohlmeinenden Paternalismus“, der nach seiner Wahrnehmung in der verhaltensorientierten Sozialen Arbeit vorherrsche. Zweihundert Studierende und Praktiker der Sozialen Arbeit besuchten die Vorträge - sowohl im Plenum, als auch im Anschluss an das Kolloquium wurde mit den Referenten rege diskutiert.