Studierende vor dem Haupteingang der FHWS in Schweinfurt

Auf dem Weg zum autonomen Fahren

23.11.2017 | Pressemeldung, FKV
Herausforderungen und Möglichkeiten für das Vermessungswesen: Studiengang Geo lud ein zum Geodätischen Kolloquium an der FHWS

Der Studienbereich Geo der Hochschule Würzburg-Schweinfurt lud ein zum Geodätischen Kolloquium mit dem Schwerpunktthema „Auf dem Weg zum autonomen Fahren - Neue Herausforderungen und Möglichkeiten für das Vermessungswesen“.

Reiner Scharrer, Abteilungsleiter bei der Autobahndirektion Südbayern, berichtete in seinem Vortrag über „Aktuelles zum Digitalen Testfeld Bundesautobahn A9“: Der Traum vom automatisierten Fahrten sei kein neues Phänomen und entwickle sich vom assistierten über das teil-, hoch- und vollautomatisierte bis hin zum autonomen Fahren. Da Menschen zu über 90 Prozent Verursacher der Unfälle seien, habe man bundesweit über digitale Testfelder begonnen, Standards für „intelligente“ Straßen zu entwickeln. In Bayern verfolge das Projekt „Digitales Testfeld BAB 9“ vier Schwerpunkte: Falschfahrer-Warnsysteme, ein LKW-Parkleitsystem, eine „intelligente“ Brücke sowie einen Untersuchungsabschnitt für automatisiertes Fahren.

Das automatisierte und vernetzte Fahren erfordert auf verschiedenen Handlungsfeldern entsprechende Anpassungen: im Bereich der Infrastruktur, der Gesetzgebung, der technischen Neuerungen, der Vernetzung, der IT-Sicherheit und des Datenschutzes. Auch ein gesellschaftlicher Dialog über die Akzeptanz dieser Maßnahmen sei erforderlich, so Scharrer.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat im Juli 2016 ein Förderprogramm zum automatisierten und vernetzten Fahren aufgelegt, bis 2020 stehen insgesamt 80 Millionen Euro für die Förderung von Forschungsvorhaben zur Verfügung. Auch das Straßenverkehrsgesetz musste modifiziert werden, jetzt heißt es z.B. „Der Betrieb eines Kraftfahrzeugs mittels hoch- oder vollautomatisierter Fahrfunktion ist zulässig, wenn die Funktion bestimmungsgemäß verwendet wird“ (§1a) und „Der Fahrzeugführer darf sich vom Verkehrsgeschehen der Fahrzeugführung abwenden. Er muss aber so wahrnehmungsbereit sein, dass er die Steuerung unverzüglich wieder übernehmen kann, wenn er vom System dazu aufgefordert wird“ (§1b).

Im zweiten Vortrag beleuchtete Dr. Gunnar Gräfe von der 3D Mapping Solutions GmbH Möglichkeiten und Herausforderungen, die diese Thematik für das Vermessungswesen mit sich bringt: In allen Anwendungen gibt es einen Bezug zu Geodaten. Und: Die Anforderungen an Datenqualität, Datenumfang und Detailreichtum sind um ein vielfaches höher als beim „Navi“ – der Weg geht von der digitalen Kartennavigation hin zu hochgenauen 3D Bestandsmodellen.

Solche Modelle werden schon heute in vielen Bereichen eingesetzt, z.B. im Motorsport: Der Fahrsimulator – gefüttert mit fotorealistischen Straßenmodellen – ersetzt in der Vorbereitungsphase den kostenintensiven Einsatz echter Boliden.

Dr. Gräfe diskutierte Ansätze in Bezug auf Aktualisierung und Fortführung der Bestandsdaten: Treten bei einem Verkehrsteilnehmer Diskrepanzen zwischen dem Datenbestand (Modell) und den mit Hilfe der On-Board-Sensorik erkannten Objekten auf, so kann dies z.B. zu einer Rückmeldung führen. Häufen sich die Rückmeldungen für ein Objekt, ist offensichtlich der Datenbestand veraltet und muss fortgeführt werden.

Ein fester Bestandteil des Geodätischen Kolloquiums ist die Prämierung herausragender Abschlussarbeiten. In diesem Jahr wurden von der Bayerischen Vermessungsverwaltung prämiert: Tobias Radler und Anna Wehr („Entwicklung eines Verfahrens zur Vereinfachung der Schallschutzwandabsteckung“) sowie Nils Kummert („Entwicklung einer Methodik zur Aufnahme und Auswertung von Laserscanner-Aufnahmen während der Bewegung“). Der Verein Deutscher Vermessungsingenieure würdigte die Bachelorarbeit von Lukas Hart („Realisierung einer autonomen Baumaschinensteuerung mit C#“). Der Harbert Buchpreis des Deutschen Vereins für Vermessungswesen geht traditionsgemäß an den Jahrgangsbesten, ausgezeichnet wurde erneut Lukas Hart.

Weitere Informationen unter Geodätisches Kolloquium und Flyer sowie MDM, Förderrichtlinie, Digitales Testfeld Autobahn