Studierende der FHWS, c Jonas Kron

Das Vertiefungsmodul Musiktherapie an der FHWS führt Gruppeninterventionen erstmals digital durch

02.03.2021 | fhws.de, Pressemeldung, FAS
Bachelorstudium Angewandte Sozialwissenschaften: Kleingruppen und Kreativität im Erasmus-Austausch sind gefragt in Zeiten der Pandemie

Neue Lehrformate während der Pandemie sind gefragt – so z.B. im Vertiefungsmodul Musiktherapie in der Sozialen Arbeit. Im Bachelorstudiengang an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt sind - neben den Herausforderungen der Online-Lehre seit April 2020 - Lösungen zur notwendigen Umstellung der Lehre gefragt. Als letzten Schritt des vollständigen Kompetenzerwerbs in diesem Vertiefungsmodul planen Studierende Gruppenintervention für Personen der Sozialen Arbeit und führen diese durch.

Aufgrund der notwendigen Hygieneregeln konnten jedoch im Wintersemester 2020/2021 viele Menschen nicht durch externe studentische Projekte erreicht werden. Eine Lösung boten Gruppeninterventionen via Zoom, die erstmals neu im Bachelor-Studium entwickelt wurden.

Digitale Gruppenintervention: Alten- und Demenzhilfe

Das erste Beispiel ist eine Gruppenintervention im Bereich der Alten- und Demenzhilfe: Im Rahmen des Netzwerks „Kultur für Menschen mit und ohne Demenz“, koordiniert von HALMA e.V. Würzburg mit vielen Netzwerkinstitutionen u.a. der FHWS, wird jährlich eine Adventsaktion vom Vertiefungsmodul Musiktherapie in der Sozialen Arbeit für Menschen mit Demenz und ihre häuslich pflegenden Angehörigen angeboten. Diese fand im Dezember 2020 erstmal via Zoom statt und war zugleich das erste Online-Angebot des Netzwerks. Die Studierenden entwickelten viele Anpassungen zusammen mit ihren Lehrenden, um diese Online-Gruppenintervention erfolgreich durchführen zu können. Die Lehre wurde vom Forschungsprojekt "Homeside" der FHWS unterstützt: hier wird die Wirkung von durch Musiktherapeut*innen angebotenen Online-Trainings zum Einsatz von Musik in Alltagssituationen untersucht (www.fhws.de/homeside). Einzige Änderung: Das Projekt konnte nur als Kleingruppe mit drei Paaren stattfinden, während es als Live-Format der Vorjahre mit bis zu fünfzehn Paaren durchgeführt werden konnte. Dennoch wurden alle Ziele dieser Gruppenintervention vollständig erreicht. Von den teilnehmenden Paaren, so Prof. Dr. Thomas Wosch von der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften, gab es zusätzlich sehr positive Rückmeldungen.

Digitale Gruppenintervention: Resozialisierung

Das zweite Beispiel ist eine Gruppenintervention im Bereich der Resozialisierung: Hier wurden an drei Terminen für ehemalige Inhaftierte der Sozialtherapeutischen Abteilung der Justizvollzugsanstalt Würzburg eine Online-Intervention entwickelt und durchgeführt. Unterstützt wurde die Lehre fachlich durch Hubert Holzapfel, der sowohl Sozialpädagoge und Musiktherapeut in der JVA Würzburg ist, als auch selbst vor Jahrzehnten Absolvent des Vertiefungsmoduls war. In dem Resozialisierungsangebot wurden aktuelle Herausforderungen der Gruppenmitglieder in der Pandemie bearbeitet. Dies geschah mit zwei Methoden, die mit Songs arbeiten – zum einen ging es um die persönliche Bedeutung von Songs für jeden Teilnehmer, zum anderen gestalteten diese einen Song zusammen neu. Es wurde ein breites Spektrum an aktuellen Belastungen zum Ausdruck gebracht und Hilfen zum Umgang mit ihnen erarbeitet. Erstmalig konnte dieses Projekt online angeboten und entwickelt werden. Vorteil: Die Teilnehmenden konnten aus ganz Deutschland räumlich und zeitlich flexibel an den Angeboten teilnehmen.

Digitale internationale Lehre

Die internationale Lehre im Vertiefungsmodul fand in den Vorjahren v.a. durch Erasmus-Incoming-Lehre und Exkursionen an die Erasmus-Partnerhochschulen statt. Aufgrund der Hygieneregeln wurden diese Vorlesungen online realisiert. Dabei wurden neben dem Vorlesungsformat auch Laborführungen und Videoanalyse-break-out-sessions zum aktuellen Fallmaterial von den internationalen Partner*innen eingebaut. Die FHWS-Studierenden zeigten sich interessiert an den Musiktherapie-Laboren der Universität Jyväskylä. Mit Interesse folgten Studierende und Lehrende der Anglia-Ruskin-University Cambridge den neuesten standardisierten Entwicklungen zum Music Therapy Assessment (Diagnostik), die von der FHWS vorgestellt wurden. Die FHWS unterstützt diese Entwicklungen auch als Mitglied des Internationalen Musiktherapie Assessment Konsortiums IMTAC (IMTAC). Die Formate können den direkten Austausch zwar nicht ersetzen, jedoch für einzelne Zwecke durchaus Beiträge leisten.