Blick in die sog. Aula, den größten Hörsaal am Standort Schweinfurt

Das Ziel: eine vernetzte, verlässliche, finanzierbare Logistik auf allen Verkehrswegen bereitzustellen

27.09.2016 | Pressemeldung, FWiWi
Das Institut für angewandte Logistik feiert sein zehnjähriges Bestehen mit Vorträgen zu Innovationen im Güterverkehr

Das Institut für angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg-Schweinfurt veranstaltete im Rahmen seines zehnjährigen Jubiläums mit 52 Teilnehmern einen Vortragstag zum Thema „Innovationen in Güterverkehr und Logistik“. Im Fokus standen das Forschungsvorhaben des Instituts „Entwicklungsprojekt LKW-Verkehr auf neuen Schienen“ (ELANS) sowie zwei weitere Projekte – der Import-Export-Seismograph sowie das Schweizer Konzept Cargo sous terrain.

Einleitend referierte Vizepräsident Professor Dr. Jürgen Hartmann zum Thema „Entwicklungslinien der Forschung an der FHWS – wie eine Hochschule den Wissenstransfer lebt“. Die Hochschulen für angewandte Wissenschaften seien an der Schnittstelle Wirtschaft – Wissenschaft optimal aufgestellt: Professoren wie Lehrbeauftragte bringen gelebte Praxiserfahrungen in die Lehre ein; rund 85 Prozent der Abschlussarbeiten entstünden in und mit der Industrie und Wirtschaft; der Wirtschaftsbeirat stärkt die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Unternehmen, um nur einige Punkte zu nennen. Die FHWS verfüge über neunzig Labore sowie sechs Institute mit den Forschungsschwerpunkten „Energietechnik und Energieeffizienz“ sowie „Mensch und Mobilität“ und könne jährlich wachsende Drittmittel für Projekte einsetzen.

Professor Dr. Ulrich Müller-Steinfahrt, Leiter des Instituts für angewandte Logistik, gab einen kleinen historischen Rückblick: Im Jahr 2006 habe die FHWS – im Zuge der Initiative des Bundesministeriums für Bildung die Forschung an Fachhochschulen zu fördern – das Institut gegründet „als eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung, die alle Forschungsaktivitäten der Hochschule im Bereich Logistik bündelt und disziplinen- und fakultätsübergreifend Forschungs- und Industrieprojekte durch wissenschaftliche Mitarbeiter und Fachexperten aus dem Professorenkreis bearbeitet.“

Nach der Aufbau- und Entwicklungsphase stehe das Institut heute vor einer Neuausrichtung mit thematischen Konzentrationen. Ziel ist es, Netzwerkpartnerschaften zu stärken und Projekte im Sinne einer Verbundforschung zu realisieren. Drei Tätigkeitsschwerpunkte sieht Müller-Steinfahrt in der anwendungsorientierten Forschung: zum einen die Nachhaltigkeit, Umwelt und Logistik, des Weiteren Entscheidungsunterstützungssysteme für die Logistik sowie das Prozessmanagement in Unternehmen. In einem Ausblick auf zukünftige Aktivitäten wünsche er sich u.a. die Etablierung des „Logistics Innovation Days“ als eine jährliche offene Veranstaltung des Instituts. Ein großes Arbeitsfeld sieht er außerdem im Reverse Chain Management, der Rücknahme- und Rückführlogistik, sowie in dem Feld der Digitalisierung in der Logistik.

Anschließend folgte eine Vortragsreihe mit vier Kurzreferaten zum „Entwicklungsprojekt LKW-Verkehr auf neuen Schienen“ (ELANS): Das auf zwei Jahre angesetzte Vorhaben wird gefördert von der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr mit 150.000 Euro. Dem Kooperationsteam gehören die Spedition Geis Eurocargo GmbH, Gauff Rail Engineering aus Nürnberg, das CERSS Kompetenzzentrum Bahnsicherungstechnik aus Dresden, die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg sowie SPL Powerlines Germany GmbH aus Forchheim an mit dem Initiator und Ideengeber, Dipl.-Ing. Wilhelm Köhler unter Leitung von Professor Dr. Christian Bauer vom IAL.

Das Konzept ELANS sieht eine Verlagerung des Güterverkehrs von vielbefahrenen Autobahnen auf neue, neben den Autobahnen zu errichtende Güterbahnsysteme vor. Diese neuen Bahnstrecken sollen unabhängig vom vorhandenen DB-Netz eingesetzt werden, die Züge fahren nach Bedarf, nicht nach Fahrplan und erreichen durch den Einsatz moderner Verladetechnologie sowie weitestgehender Automatisierung eine im Vergleich zur Autobahn deutlich höhere durchschnittliche Reisegeschwindigkeit sowie Reiseweite und ein hohes Maß an Verlässlichkeit, so Bauer. Aus dem Abschlussbericht, den das Team Frau Veronika Birkhold von der Obersten Baubehörde übergab, gehe hervor, dass das neue Bahnsystem technisch wie wirtschaftlich machbar sei. ELANS verbinde die im „Masterplan Güterverkehr und Logistik 2008“ der Bundesregierung aufgeführten Maßnahmen der Verknüpfung von Verkehrsträgern, der Effizienzsteigerung der Verkehrswegenutzung, der Trennung von Personen- und Güterverkehr, der Verringerung des Schadstoffausstoßes sowie der Weiterentwicklung von Umschlagtechniken.

Entsprechend dem Veranstaltungstitel „Innovationen im Güterverkehr – ein Werkstattbericht aktueller Projekte“, stellten Professor Dr. Christian Kille von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt sowie Dr. Sven-Erik Jacobsen sowie Roland-Bigler-Schibler aus der Schweiz zwei weitere Konzepte vor: den „Import-Export-Seismographen als Orientierungsrahmen für die Gestaltung intermodaler Güterverkehre“ sowie „Cargo sous terrain – innovative Güterlogistik im Zeitalter der Digitalisierung“, bei dem Waren unterirdisch transportiert werden.

Zum Abschluss der Veranstaltung gratulierte die fränkische Weinkönigin Christina Schneider den Mitgliedern des IAL sowie allen Teilnehmern zum runden Geburtstag und dankte für die gute Zusammenarbeit in verschiedenen Projekten. Die fränkische Weinwirtschaft mit ihren Herausforderungen spielt seit der Institutsgründung eine entscheidende Rolle: So zählen Forschungsaspekte wie die „Weinfest-Logistik“ oder die „Bocksbeutel-Logistik“ ebenso zum Katalog wie beispielsweise die Entwicklung eines nachhaltigen Weindorfes mit neuen Selbstversorgungsdienstleistungen am Beispiel von Sommerach mit umweltbewusstem Wein-Tourismus und einer positiven Ökoeffizienz.