Studierende der FHWS, c Jonas Kron

Ein FHWS-Professor gibt Anleitungen zur Online-Kommunikation mit hauseigenen Bordmitteln

26.03.2020 | fhws.de, Pressemeldung, FIW
Einsatz von Schaumgummimatten, Wäscheklammern und Kleiderbügeln zur guten Übertragung von Ton und Bild

„Aktuell“, so Dr. Mario Fischer, Professor für e-Commerce an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS), „kommen auf viele Kolleginnen und Kollegen ungewohnte Herausforderungen zu. Plötzlich sollen sie Vorlesungen `streamen`, aufzeichnen oder interaktive Meetings mit den Studierenden machen. Und das alles im Home-Office. Da ich seit Jahren mit diesen Techniken arbeite, wurde ich gebeten, ein paar Tipps zu geben. Einige der einfacher umzusetzenden Hinweise wären die folgenden:“

Die Anleitungen, die Fischer vorschlägt, sind nicht nur für Professoren geeignet, sondern können von allen ausprobiert werden, die aktuell vom Home-Office aus Kommunikation betreiben möchten oder müssen.

Fischer: „Ein kleiner Hinweis sei vorweg erlaubt. Es geht im Kern darum, dass unsere Studierenden jetzt jeden Tag mehrere solcher - wie auch immer gearteter - Remote-Veranstaltungen absolvieren müssen. Setzt man ungeeignete Technik ein, wirkt das auf die Zuhörenden/Zuschauer schnell ermüdend. Kommen dann an einem Tag mehrere Stunden auf sie zu, in denen ein krächzender Ton und ein wackeliges Bild übertragen werden, kann das ganz extrem auf die Aufmerksamkeit und damit auf den Lernerfolg drücken. Das will natürlich niemand. Daher geht es im Folgenden nicht um übertriebenen Technikeinsatz, sondern um gewissen Notwendigkeiten, will man den Lernerfolg in der aktuell schwierigen Phase ein wenig optimieren bzw. steigern.

Wer eine gesonderte Webcam zur Verfügung hat, sollte sie, wenn möglich, über ein kleines Stativ oder einen selbstgebastelten Halter direkt vor den Bildschirm stellen, auf dem Videokonferenzen laufen oder man seine Vorlesung aufzeichnet. Das hat einen enormen Vorteil, der auf die Zuhörer/Zuschauer motivierender wirkt und sie länger durchhalten lässt. Man schaut nämlich aus Sicht des Gegenübers in die Kamera und damit schaut man sein Publikum `an`. Die in Notebook verbauten Kameras oben im Rahmen erzeugen den gegenteiligen Effekt. Der Sprecher schaut immer nach unten und nie in die `Augen`. Das ist auch der Grund, warum unsere innere Einstellung oft gegen virtuelle Konferenzen rebelliert. Es ist auf Dauer unangenehm, wenn einen niemand ansieht.

Zudem haben externe Cams ein deutlich besseres Bild in der Übertragung, sie bieten mehr Schärfe und Kontrast. Die schlechte Nachricht: Wer noch keine gesonderte Webcam hat, kann aktuell keine kaufen, da sie weltweit ausverkauft sind. Ein wichtiger Hinweis: Hier sind viele Betrüger am Werk, die Lagerbestände vorgaukeln und diese zu horrenden Preisen verkaufen.

Nun zum Ton: Das in Notebook eingebaute Mikrofon ist denkbar ungeeignet. Man kann damit ein paar Videokonferenzen machen, aber für Menschen, die einem gespannt und konzentriert zuhören sollen, ist das die schlechteste aller Lösungen. Wer ein - wie auch immer geartetes - externes Mikro zur Verfügung hat, sollte versuchen, dieses anzuschließen. Der Ton ist sehr wichtig und wird in der Regel deutlich unterschätzt. Sind zusätzlich weniger visuelle Reize gesetzt, weil man, statt im Hörsaal zu sitzen, nur auf einen kleinen Bildschirm schaut, wird die Stimme entsprechend wichtiger. Man sollte auf Nebengeräusche achten und alles, was nebenher Lärm macht oder machen könnte, nach Möglichkeit abschalten. Das Problem: In Sprechpausen regelt die Software die Empfindlichkeit des Mikros schnell hoch, das Nebengeräusch wird hörbar, und wenn man dann erneut spricht, kommt die Übertragung deutlich zu laut zum Empfänger. Die Software regelt es zwar schnell wieder runter, aber diese ständige Laut-Leise-Beschallung stört die Zuhörer nach einiger Zeit sehr. Noch dazu, wenn das eingebaute Mikro verwendet wird. Startet dann noch zusätzlich der Lüfter des Notebooks (Tipp: Alle anderen Programme schließen, v. a. den Browser und Outlook), wird die Tonübertragung ein Desaster.

Als externes Mikro kann man eines mit USB-Anschluss verwenden. Das ist sofort installiert und problemlos zu handhaben. Für Podcasts gibt es hier mittlerweile eine große Auswahl. In der Regel sind auch Billig-Mikros besser als das Eingebaute. Hier gilt (in etwa): Je teurer das Mikro, desto besser der Klang. Es gibt auch Mikros mit analogem Anschluss, die man über einen Analog/Digitalwandler an den Rechner anschließt. Hier sind Kondensatormikrofone empfehlenswert. Diese erzeugen - sofern sie nicht zu weit weg stehen - den besten Klang bzw. sie nehmen sie Schallwellen optimaler auf. Auf Soft- oder Hardware, die die Stimme verbessern, gehe ich nicht näher ein - das würde den Rahmen sprengen. Diese Geräte-Software hilft z.B., Zisch- oder Plopplaute herauszufiltern, komprimiert die Stimme (schneidet Spitzen ab) und expandiert sie wieder ohne die Volumenspitzen. Damit wird der Mittelteil verstärkt, und man erhält am Ende eine laute, feste und druckvolle Stimme - ideal für die Zuhörer.

Das Sprechen bzw. Aufzeichnen in normalen Räumen kann schnell zu unerwünschten Hall- und Störeffekten führen, die sich unangenehm bemerkbar machen. Hier hilft eine einfache Schaumgummi-Matte, die man z. B. mit Wäscheklammern hinter das Mikrofon klemmt und es damit quasi ein wenig `einhüllt`. Diese kleine Maßnahme schluckt unerwünschten Schall. Einen wirksamen Ploppschutz (`Plopps` werden beim Öffnen des Mundes erzeugt, wenn Worte mit einem P beginnen) kann man sich z.B. mit einem Drahtkleiderbügel bauen. Einfach einen Kreis formen, eine (Fein)Strumpfhose darüber spannen und vor das Mikro platzieren. Der Stoff hält die störenden Laute recht wirksam ab, lässt aber alles Wesentliche durchklingen. Wenn ein Raum zu stark hallt und man keine Ausweichmöglichkeit hat, hilft es, beispielsweise eine oder mehrere Decken aufzuhängen, die die Schallreflektionen schlucken. Jeder Gegenstand mit einer nicht extrem glatten Oberfläche schluckt Schall – also einfach in den Raum stellen, was reinpasst. Es gilt die Regel: Je weniger darinsteht, desto ungeeigneter ist er.

Wer viele Fakten in seinen Vorlesungen hat und diese (verständlicherweise) ablesen muss, kann einen sogenannten Teleprompter einsetzen: Hier wird auf einer Seite eine Kamera (es ginge sogar ein Handy) montiert, auf der anderen Seite legt man ein Tablet ein. Mit einer Software wird der Text dann auf dem Tablet gespiegelt, man sieht diesen Text dann über einen halbdurchlässigen Spiegel – schaut dabei aber direkt in die Kamera. Man kennt diesen Effekt z.B. von Nachrichtensprechern. Den Text kann man über eine Fernbedienung in beliebiger Lesegeschwindigkeit mitlaufen lassen bzw. weiterblättern. Diese Vorrichtungen gibt es schon für unter 200 Euro.

Bei Livestreams sollte man zwischendrin innehalten und eine kleine Pause einlegen, um abzufragen, ob die Inhalte angekommen sind. Je nach genutzter Plattform können die Teilnehmer z.B. auch virtuell die Hand heben. Generell sollten diese ihre Cams und auf jeden Fall den Ton abschalten, um die Übertragungskapazität zu schonen und Störgeräusche zu eliminieren. Daher ist es wichtig, nachzufragen, ob alles klappt bzw. verstanden wurde. Viele solcher Interaktionen halten die Aufmerksamkeit oben. Wenn alle zwei oder sogar vier Vorlesungsstunden auf einen Vortrag starren müssen, ist das anstrengend. Und am Ende merkt man nicht mehr, ob noch jemand zuhört.

Ein letzter Tipp für den optimalen Ablauf: Jede virtuelle Vorlesung, ob nun erst abgefilmt oder live übertragen, zieht mehr Hirnleistung und braucht deutlich mehr Aufmerksamkeit beim Zuschauer. Wenn man im Hörsaal gewohnt ist, dass man im Mittelpunkt steht und einem (fast) jeder zuhört, muss man sich remote erst mal diese Präsenz erkämpfen. Daher sollte man kleine Einheiten produzieren und bei Livestreams viele Pausen machen. Ich empfehle mind. alle dreißig Minuten eine Pause einzulegen. Jetzt geht es nicht darum, exakt den gleichen Stoffumfang wie im Hörsaal anzubieten. Wir müssen als Dozierende mehr Rücksicht auf die Aufnahmefähigkeit unserer Zuhörer nehmen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass man die Qualität von Bild und Ton nicht unterschätzen sollte. Was für kurze Videokonferenzen taugt, ist für einen dauerhaften bzw. längerfristig laufenden Einsatz nicht unbedingt gleich tauglich. Natürlich haben wir alle eine Sondersituation. Wer sich mit Computertechnik nicht so gut auskennt, hat vielleicht in der Familie oder im Bekanntenkreis jemand, den man fragen kann und die/der telefonisch weiterhelfen kann.“