Bei Klick auf die Grafik "50 Jahre FHWS" erfolgt die Weiterleitung zur Unterseite "50 Jahre FHWS"

FHWS-Studierende bringen die Themen Assistenz und Aphasie multimedial in die Öffentlichkeit

03.02.2022 | fhws.de, Pressemeldung, FAS
Das Teilhabegesetz schafft für Menschen mit Behinderungen mehr Selbstbestimmung – fünf Projekte zeigen Optionen auf

Das Thema Krankheit und Behinderung kann jeden erreichen – Studierende des Vertiefungsbereichs „Soziale Arbeit und Behinderung“ haben in einem Service-Learning-Seminar mit zwei Trägern der Behindertenhilfe zusammengearbeitet. Entstanden sind multimediale Präsentationen, die die Themen Aphasie, den Verlust des Sprechvermögens oder Sprachverstehens, sowie die Angebote der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) von Assiston e.V. verständlich und öffentlich machen. In einer Abschlussveranstaltung präsentierten die Studierenden der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt ihre Resultate. Geleitet wurde das Seminar von Prof. Dr. Dieter Kulke.

Aphasie – Kommunikationsgruppe und Video

Ein studentisches Trio hat für das Zentrum für Aphasie und Schlaganfall Unterfranken in Bad Brückenau eine Kommunikationsgruppe eröffnet, durchgeführt und abschließend evaluiert. Die Gruppe wurde online für Menschen mit Aphasie an fünf Terminen angeboten, um die Kommunikation anzuregen. Angesiedelt zwischen Selbsthilfegruppe und Sprachtherapie, soll es zu keinem hierarchischen „Schüler-Lehrer-Modus“ kommen, sondern zu einem professionell konzipierten und angeleiteten „spielerischen“ Miteinander. Die Ziele des Angebots:

  • die seelische Belastung zu minimieren
  • das soziale Netzwerk zu erweitern
  • Anerkennung vermittelt zu bekommen
  • den Selbstwert zu steigern
  • Autonomie und Stärke zu gewinnen und
  • die Sprache zu optimieren.

Die Teilnehmenden der Kommunikationsgruppe hatten nach den Sitzungen die Möglichkeit, anzugeben, inwieweit ihnen das studentische Angebot zugesagt hat. Die Kommunikationsgruppe wird nach Abschluss des Seminars vom Zentrum für Aphasie und weitergeführt. Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit soll die Zusammenarbeit zwischen Zentrum für Aphasie und FHWS Arbeit und fortgesetzt und die Arbeit der Kommunikationsgruppen für Menschen mit Aphasie auf ihre Wirksamkeit und Bedeutung für die Teilnehmenden weiter erforscht werden.

Die zweite studentische Gruppe realisierte einen Videopodcast „Der Aphasie eine Stimme geben“, der während dem „Aphasie 4.2“-Online-Kongress vom 25. bis 27. März 2022 gezeigt wird. Aus drei Perspektiven heraus – der des Aphasikers Matthias Reimund, der Angehörigen Beate Steffens sowie des Leiters der Berufsfachschule für Logopädie Würzburg, des Diplom-Logopäden Markus Heinzl Mania. In zwanzig Minuten erläuterten die Interviewten, welche Auswirkungen die Aphasie haben kann, welche Therapien zum Einsatz kommen, welche positiven Effekte die Sprachbeeinträchtigung haben kann. Matthias Reimund hat für sich herausgefunden: „Die Langsamkeit tut gut.“ Der Link zu dem Video ist ab Kongressbeginn auf der Seite des Kongresses eingestellt (Aphasie Unterfranken).

Heino Gövert und Ursula Peichl, beide Sozialpädagogen im Zentrum für Aphasie und Schlaganfall Unterfranken, haben die Zusammenarbeit mit den Studierenden sehr begrüßt und würden sich auch in der Zukunft auf Kooperationsprojekte mit der Hochschule freuen.

Assistenzstammtisch, Budget und öffentliche Präsenz

In einem zweiten Projekt mit der EUTB von Assiston e.V. haben sich drei studentische Teams mit folgenden Aspekten wissenschaftlich auseinandergesetzt:

  • der Gründung eines Assistenzstammtisches zum Austausch und zur Diskussion rund um die Themen Assistenz und persönliches Budget
  • der Erarbeitung und multimedialen Aufbereitung von Infomaterial zum persönlichen Budget, auch in einfacher Sprache, sowie
  • der Präsenz der Organisation im Rahmen eines Fundraisingprojekts auf der dafür spezialisierten Plattform www.betterplace.org und auf Social-Media-Kanälen

Für alle drei Projekte wurden zunächst auf wissenschaftlicher Grundlage Konzeptionen erarbeitet, die dann in die Praxis bzw. konkrete Medieninhalte umgesetzt wurden (siehe hierzu Assiston).

Zum Hintergrund:

Das Bundesteilhabegesetz sieht für Menschen mit Behinderungen bis 2023 viele Verbesserungen vor. Es werden mehr Möglichkeiten der Teilhabe und eine umfassendere Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen geschaffen. Menschen mit Behinderungen, die Eingliederungshilfe beziehen, können mehr von ihrem Einkommen und Vermögen behalten. Ein wichtiger Baustein des Bundesteilhabgesetzes ist die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB), die neu in das SGB IX aufgenommen wurde. Sie unterstützt und berät Menschen mit Behinderungen, von Behinderung bedrohte Menschen, aber auch deren Angehörige unentgeltlich zu Fragen der Rehabilitation und Teilhabe. In Würzburg wird EUTB neben Assiston e.V., von dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund e.V., der Blindeninstitutsstiftung (Teilhabeberatung Sehen Plus), dem Integrationsfachdienst Würzburg sowie von WüSL - Selbstbestimmt Leben Würzburg angeboten.

Auch werden die Möglichkeiten der Teilhabe am Arbeitsleben, an Bildung und der sozialen Teilhabe optimiert. So können Assistenzleistungen wie beispielsweise die Begleitung für sehbehinderte Personen in Anspruch genommen werden. Das umfassende Gesetzespaket tritt in vier zeitversetzten Reformstufen bis 2023 in Kraft und ist noch nicht sehr bekannt. Um es besser kennenzulernen sowie deren Vorteile zu nutzen, steht künftig ein Stammtisch für Assistenznehmende, Assistenzgebende und Interessierte zur Verfügung. Dort soll neben einem Austausch und einer Vernetzung auch individuelle Fragen beantwortet werden können (Kontakt: info[at]assiston.de).

Die Kooperationsprojekte sind durch die Koordinationsstelle Service Learning zustande gekommen. Im Rahmen von Service Learning Projekten erschließen sich die Studierende neue Erfahrungsräume und übernehmen gesellschaftliche Verantwortung. Währen des Ehrenamts können sie ihr Wissen anwenden, vertiefen und reflektieren. Gleichzeitig decken die Studierende durch das Engagement einen Nutzen der zivilgesellschaftlichen Organisation ab. Neben der Stärkung des fachlichen Wissens hilft Service Learning auch bei der Erweiterung verschiedener Schlüsselkompetenzen, Berufsbefähigung und Befähigung zu bürgerschaftlichen Teilhabe der Studierenden.

abitur-und-studium: FHWS-Studierende bringen die Themen Assistenz und Aphasie multimedial in die Öffentlichkeit

Kontakt: Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften

Prof. Dr. Dieter Kulke

Tiepolostr. 6

97070 Würzburg

dieter.kulke[at]fhws.de