Der Rundbau - Erkennungsmerkmal des Campus 1 am FHWS Standort in Schweinfurt

FHWS-Vortrag - „Zwischen Anpassung und Widerstand: Soziale Arbeit (der Kirchen) während der NS-Zeit“

Wissenschaftliches Symposium zum 70. Jahrestag des Endes der nationalsozialistischen Terrorherrschaft

Anlässlich des 70. Jahrestages des Endes der nationalsozialistischen Ära fand in der Berliner Gedenkstätte ein wissenschaftliches Symposium statt. Das Thema lautete „Zwischen Anpassung und Widerstand: Soziale Arbeit (der Kirchen) während der NS-Zeit“, bei dem auch Professor Dr. Ralph-Christian Amthor von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften einen Vortrag hielt.

Er referierte (zusammen mit der Professorin Dr. Birgit Bender-Junker von der Evangelischen Hochschule Darmstadt) zum Aspekt „Gesichter des Widerstands in Diakonie und Caritas: thesenartige Vorstellung aktueller Forschungsergebnisse“. Eingebunden ist es in sein sozialgeschichtliches Erinnerungsprojekt „Widerstand in der Sozialen Arbeit im Nationalsozialismus" (mit einer Laufzeit vom 1. Mai 2012 bis zum 1. Februar 2016) mit Kooperationspartnern, dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin, Professor Dr. Joachim Wieler, Hochschule Erfurt (1. Projektstufe) sowie Wissenschaftlern von Hochschulen für angewandte Wissenschaften, Universitäten und Instituten in Deutschland, Österreich und aus der Schweiz.

Das Symposium, zu dem die vier Institutionen - das Diakoniewissenschaftliche Institut Heidelberg, die Diakonie Deutschland, der Deutsche Caritasverband sowie das Berliner Institut für christliche Ethik und Politik - eingeladen hatten, „möchte einerseits die Anpassung (kirchlicher) Sozialarbeit an die NS-Ideologie thematisieren, andererseits einen Beitrag zur Würdigung besonders jener Personen leisten, die im Feld der Sozialen Arbeit Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben.“

Die Zeit des Nationalsozialismus`, so die Initiatoren, habe sich mit ihren Verbrechen auch auf jene Menschen erstreckt, die aufgrund ihrer krankheits- oder behinderungsbedingt geschwächten Lebenslage eigentlich besonderer Fürsorge und Unterstützung bedurft hätten. Es gehöre zum schweren Erbe Sozialer Arbeit und sozialer Professionen, dass sie sich – ähnlich wie Teile der Medizin und Pflege – in hohem Maße für Maßnahmen der sogenannten ‚Rassenhygiene‘ instrumentalisieren ließen, diese mit ihrer damaligen dominanten Professionslogik mit ermöglichten und vorantrieben. Auch die kirchlich getragenen Einrichtungen des Fürsorge- und Gesundheitswesens seien vor dieser Instrumentalisierung nicht gefeit gewesen.

Am Abend fand eine gleichnamige Gedenkveranstaltung im Deutschen Historischen Museum statt, bei der die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, Grußworte sprach und Professor Dr. Micha Brumlik vom Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg einen Vortrag hielt zum Thema „Dienst am Volk oder Bekenntnis zum Glauben – Das Dilemma christlicher Sozialarbeit im NS-Staat“.

Das sozialgeschichtliche Erinnerungsprojekt „Widerstand in der Sozialen Arbeit im Nationalsozialismus" von Professor Amthor befasste sich in Projektstufe 1 auf Basis umfangreicher Recherchen und eines Aufrufes im Mai 2012 mit der Veröffentlichung von zahlreichen Portraits von Sozialpädagogen, Sozialarbeitern und Dozenten, die Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleitest hatten (erschienen in den Heften 11/2012 bis 12/2013 der Fachzeitschrift „Soziale Arbeit"). In der zweiten Projektstufe geht es um weiterführende sozialgeschichtliche Analysen zum Widerstand in der Sozialen Arbeit während der Jahre 1933 bis 1945 – sie werden veröffentlicht im Rahmen eines Sammelbandes (voraussichtlich im Frühjahr 2016).

Weitere Informationen unter Erinnerungsprojekt "Widerstand in der Sozialen Arbeit im Nationalsozialismus".