Hochschulgebäude am Sanderring 8 a in Würzburg

Fünf FHWS-Studierende der Fakultät Gestaltung wurden mit Preisen beim Art Directors Club ausgezeichnet

Gold und „Studenten des Jahres“ für den „Fluchtatlas“, Silber für das Projekt „VAKZ“

Zum 31. Mal suchte der Art Directors Club für Deutschland (ADC) im Rahmen seines Kreativwettbewerbs die besten Kommunikationsideen – fünf Studierende der Hochschule Würzburg-Schweinfurt wurden ausgezeichnet mit dem Titel „Student des Jahres“ für den „Fluchtaltas“ bzw. mit dem Silbernagel des adc für „VAKZ“.

Über die Auszeichnung als „Student des Jahres“ kann sich das Team mit den Studentinnen Yvonne Moser, Lilli Scheuerlein und Laura Markert freuen: Sie überzeugten die Juroren mit der Semesterarbeit "Fluchtatlas": „Die Arbeit zeigt das Thema Flucht wie einen Atlas, den wir aus der Schule kennen. Der Fluchtatlas macht deutlich, dass da jemand ein Thema auf charmante und wirklich handwerklich gelungene Art übersetzt", so der ADC.

In einem kleinen Interview geben die Studentinnen einen Einblick in ihre Arbeit: War der Fluchtatlas ein einmaliges Projekt zu dem Thema, oder folgen weitere Projekte zu diesem aktuellen Thema? „Wir haben schon darüber nachgedacht, die Zahlen unserer Info-Grafiken nochmals zu aktualisieren, da sich die Lage im letzten Jahr, wie wir alle wissen, nochmal stark zugespitzt hat. Die Eindrücke und Gefühle, die wir durch großformatige Fotografien vermitteln, sind allerdings zeitlos.“

Wie war das Echo der Leser? Habt Ihr Feedback bekommen – auch von Medienvertretern? „Bisher lag er auf drei Ausstellungen. In Würzburg, Hamburg und Berlin und hat dort viele Menschen erreicht, die anschließend auf uns zukamen. Viele Betrachter lobten die berührenden Bildwelten, den Überblick über die Gesamtheit des Themas, der subtile Umgang mit Gestaltungselementen. Menschen zu berühren, Empathie zu schaffen und über ein wichtiges, allgegenwärtiges Thema aufzuklären, das waren unsere wichtigsten Ziele. Glücklicherweise haben die Leser genau die Dinge am Atlas geschätzt, die uns wichtig waren. Der schönste Kommentar kam von einer Jurorin des ADC-Awards, die nach der Preisverleihung auf uns zukam und meinte, dass die ganze Juri Gänsehaut hatte, als sie den Atlas durchgeblättert haben.“

Was haben die Vor-Recherchen, Gespräche, Aufnahmen etc. bei euch ausgelöst? „Die persönlichen Gespräche mit den Flüchtlingen haben uns sehr berührt. Nach den Treffen waren wir meistens sprachlos, bedrückt oder entsetzt. Zu realisieren, dass die Geschichten, die wir hörten, leider keine Einzelschicksale sind, sondern Millionen von anderen Menschen das gleiche durchleiden, war erschreckend. Wir wussten, dass beides im Atlas gezeigt werden muss, Einzelschicksale und das Ausmaß. Jetzt, wo wir sehr viel über dieses Thema wissen, sind wir noch offener gegenüber Flüchtlingen und sensibler gegenüber der öffentlichen Berichterstattung und vor allem ‚Gegnern‘ geworden.“

Gab es für Euch eine ethische Grenze dessen, was Ihr für darstellbar haltet? „Ja, es gab definitiv eine ethische Grenze. Wir haben schon ziemlich früh beschlossen, dass wir keine abbildenden Portraits von den Flüchtlingen zeigen wollten. Die Flüchtlinge waren auch verständlicherweise nicht bereit dazu, da sie – sofern ihr Asylverfahren noch nicht abgeschlossen war – in einer ständigen Angst leben. Ebenso wenig wie Kriegs- oder Elendsbilder. Reportagefotografie in den Heimatländern wäre für uns eine Grenze gewesen. Aber da eine Reise dorthin ohnehin unmöglich war und wir natürlich kein fremdes Bildmaterial benutzen wollten, haben wir Alternativen gefunden, die dem Betrachter die Leiden noch viel näher bringen können.“

Sind manchmal weniger Worte deutlich mehr als viele? „Einerseits ja. Es war eines unserer Ziele, dem Leser einen Überblick zu bieten, den er fassen kann. Deshalb haben wir auch sehr visuell gearbeitet, gespickt mit Zitaten oder prägnanten Fakten. Manchmal braucht es allerdings erklärende Texte, um jemandem bisher unbekannte Informationen zu erklären. Verständlichkeit und gleichzeitig das Gefühl von Vollständigkeit waren bestimmten Textlängen und Schreibstil. Inhalte auf den Punkt zu bringen: Kurz und ehrlich.“

Mit einem Silbernagel des adc wurde das Projekt „VAKZ“ der Studentinnen Julia Pleinert und Ricarda Schuhmann ausgezeichnet. Das Projekt beschreibt in fünf Stationen Themen rund um Keime, Bakterien und Viren. Die erste Station zeigt unterschiedlich gestaltete Skulpturen mit Keimen auf Alltagsgegenstände und deren Auswirkungen auf den menschlichen Körper, die zweite Station gibt Informationen zu Krankheiten und ihrer Geschichte. Die dritte Station zeigt in Diagrammen die Vielzahl von Krankheiten auf und ihre Todesopfer. Die vierte Station präsentiert den Betrachtern förderliche Bakterien auf dem menschlichen Körper, die fünfte Station zeigt auf ästhetische Weise die Mikrostruktur von Bakterium.

Beide Projekte entstanden im Kurs „Visual Translation“ bei Professor Christoph Barth.

Weitere Informationen zum “Fluchtatlas“ unter Fluchtatlas, zu „VAKZ“ unter VAKZ.