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Hochrangige Vertreter des Club of Rome diskutieren beim 1. Runden Tisch des Würzburg International Business Forum

28.02.2022 | fhws.de, Pressemeldung, FWiWi
Rund dreißig internationale Teilnehmende tauschen sich über das Thema Nachhaltigkeit und Finanzregulierung aus

Wie können Finanzen dem Leben dienen? Dieser Frage haben sich rund dreißig Mitglieder des 1. Runden Tisches des Internationalen Wirtschaftsforums gestellt: „Nachhaltigkeit und Finanzregulierung: Was wir brauchen, damit das Weltfinanzsystem zu einem positiven Wandel beiträgt“. An der Veranstaltung nahmen Mitglieder der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, des Weltethos Institutes Tübingen sowie des Club of Rome teil.

Moderiert wurde der Round Table von Prof. Dr. Rainer Wehner (Co-Vorsitzender des Vorstands, Internationales Wirtschaftsforum Würzburg, FHWS), die Eröffnungsrede und Zusammenfassung erfolgte durch Prof. Dr. Emin Akcaoglu (Co-Vorsitzender des Vorstands, Würzburg International Business Forum & Manisa Celal Bayar University, FHWS).

Im ersten Beitrag referierte Carlos Alvarez Pereira (Mitglied, Exekutivausschuss, Club of Rome) zum Aspekt „Jenseits unserer blinden Flecken: Wie können die Finanzen dem Leben dienen?“ Das Finanzwesen sei zum wichtigsten Mechanismus geworden, durch den eine Beziehung zur Zeit hergestellt werde. Was heute als Finanzkapital geschätzt werde, spiegele eher die Machtverteilung innerhalb und zwischen Gesellschaften wieder als das benötigte Erbe, das für kommende Generationen die herausfordernde Zukunft zu bewältigen hilft. Gleichzeitig stütze sich die moderne Wirtschaftstätigkeit auf einen ständig wachsenden Umfang von Schulden. „Können wir das schuldengenerierte Wachstum als Reichtum betrachten?“, so fragt Alvarez Pereira. Sie hätten zu einer starken Ausbreitung der „Rentenökonomie" geführt und zur Zunahme der Ungleichheit als strukturelles Merkmal der Gesellschaften beigetragen. Heute werde die individuelle Kapitalanhäufung und nicht mehr die Qualität der Beziehungen als wichtigster Mechanismus für den künftigen Wohlstand angesehen: „Diese Kultur ist selbstzerstörerisch.“ Es sei an der Zeit, sich von dieser Illusion zu lösen und Kapital als ganzheitliche Hinterlassenschaft für zukünftige Generationen neu zu verstehen.

Im zweiten Vortrag von Prof. Dr. Harald Bolsinger (Vorstandsmitglied und Direktor für Regierungspolitik der Forschungsgruppe Finanzen und Wirtschaft am Weltethos-Institut; FHWS) stand die „Nachhaltigkeit und Finanzregulierung“ im Fokus. Ein echtes Nachhaltigkeits-Mainstreaming im globalen Finanzsektor sei die Voraussetzung für einen ökonomischen Paradigmenwechsel hin zur Gemeinwohlorientierung, die die physischen und moralischen Prinzipien des menschlichen Lebens respektiere. Im Bankwesen müsse Investitions- und Anlagepolitik grundsätzlich sichtbar und normativ eingehegt werden, um den destruktiven Tanz um das Goldene Kalb des Finanzkapitals zu durchbrechen. „Wir brauchen eine neue Sichtweise auf Kapital, um das menschliche Leben auf diesem Globus in all seinen Facetten zu sichern - weg vom isolierten Blick auf Geld und pekuniäre Aspekte allein, hin zu einem ganzheitlichen kulturellen Erbe unter Achtung der Prinzipien des menschlichen Lebens“, so Bolsinger weiter.

„Wie sehen und schätzen wir Werte?“ Diese Frage stellte Dr. Ndidi Nnoli Edozien (Vorsitzende des Vorstands der Forschungsgruppe Finanzen und Wirtschaft, Weltethos-Institut, Tübingen & Mitglied des Exekutivausschusses, Club of Rome). Die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen gehe über das Finanzmanagement hinaus: Nachhaltigkeit ermutige Unternehmen, auch die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Tätigkeit zu berücksichtigen, wenn sie auf Wertschöpfung abzielen. In der heutigen Gesellschaft bestehe eine Diskrepanz zwischen dem Wert, den der Einzelne durch seine Arbeit in der Gesellschaft schafft (Handeln), den gemeinsamen Werten oder Überzeugungen des Einzelnen (Denken) und der Art und Weise, wie Gemeinschaften von Menschen und Unternehmen handeln (Kultur). Dies werde durch die Art und Weise geprägt, wie die Regierungen regulierten, und angesichts einer Krise, die ein völliges Umdenken erfordert, stellt sich die Frage: Wer reguliert den Regulierer?

Zur Frage der „Nachhaltigkeit und Haushaltsordnung“ referierte Prof. Dr. Wimboh Santoso (Vorsitzender, Indonesische Finanzdienstleistungsbehörde). Die Weltwirtschaft habe sich im Zuge der Pandemie verändert - angefangen vom Verlust von Menschenleben, Arbeitsplätzen und Unternehmen bis hin zu einer wirtschaftlichen Verlangsamung, die sich auf die Länder auswirke. Die wichtigste Auswirkung der Pandemie sei die Beschleunigung des digitalen Wandels. Ein neuer Wirtschaftsmotor sei für den Aufschwung erforderlich mit entsprechenden Maßnahmen der Regierungen, um die Erholung der Wirtschaft zu unterstützen. Neben den klein- und mittelständischen Unternehmen fördere die Regierung auch die Entwicklung der grünen Wirtschaft als eine weitere neue Quelle des Wirtschaftswachstums, die nachhaltig und umweltfreundlich sei. Sein Wunsch: „Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, müssen die Regierung und die damit verbundenen Institutionen durch geeignete Vorschriften und politische Maßnahmen ständig aktiv mitwirken.“

Der Dekan der Fakultät, Professor Dr. Axel Bialek über die Ergebnisse: „Es ist ein echter Erfolg, derart hochkarätige internationale Forscherinnen und Forschern zu diesem drängenden Thema im neuen digitalen Format an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften vereinen zu können!“ Das Würzburg International Business Forum zeige damit, „dass es trotz der Pandemiebeschränkungen in der internationalen Forschungslandschaft einen bedeutsamen Platz eingenommen hat.“

Weitere Informationen unter Internationales Wirtschaftsforum Würzburg, Weltethos-Institut und Club of Rome

abitur und studium: Hochrangige Vertreter des Club of Rome diskutieren am 1. Runden Tisch Würzburg International Business Forum