Studentinnen im Gespräch

Masterabsolvent Rafiq Iqbal zeigt auf, wie Indiens künftiger Energiemarkt durch Solar-Batterietechnik profitiert

21.03.2016 | Pressemeldung, FWiWi
Goldmedaille: Die in Würzburg entwickelte tragbare Solarsteckdose wurde mit dem Bundesinnovationpreis ausgezeichnet

Das verbindende Glied eines Unternehmers, eines Masterstudenten sowie eines neuen Produktes war Ebola: Als das Fieber in Afrika ausbrach, benötigten internationale Ärzteteams in entlegenen Gegenden dringend Strom zur Behandlung der Patienten. Ein mit einem Arzt befreundeter Unternehmer hielt sich zu der Zeit gerade auf einer Solarmesse auf und hatte die Absicht, mobile Solarsysteme zu kaufen und diese nach Afrika zu schicken. Doch der Markt gab entsprechende Produkte nicht her. So entstand vor zweieinhalb Jahren die Idee des heutigen Geschäftsführers des Würzburger Start-Up-Unternehmens „Axsol GmbH“, Jürgen Zinecker, mit vorhandener Technologie und neuer Umsetzung ein mobiles Energiespeichersystem inklusive integrierter Steckdose zu entwickeln.

Während eines Besuches des Würzburger German Indian Round Tables an der FHWS lernte der Unternehmer dessen Gründer, den Ingenieur und MBA-Studenten an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt im Masterstudiengang „International Business with Focus on Asia, Western Europe or Central and Eastern Europe“, Rafiq Iqbal, kennen. Beide Experten waren sich einig, dass dezentrale Energieversorgung die gebotene Variante für die Zukunft ist. Es entstanden viele gemeinsame Ideen zur Optimierung des solarbetriebenen E-Generators mit zwei besonderen Ergebnissen: Zum einen erhielt das Solar-Batterie-Backup-System „Arvey“ von Axsol die Goldmedaille des Bundespreises für Innovation, initiiert durch Sigmar Gabriel, Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Energie und überreicht von Bayerns Staatsministerin Ilse Aigner und Staatssekretärin Iris Gleicke (MdB). Zum anderen schrieb Rafiq Iqbal seine Masterarbeit mit dem Titel „Marketing strategy to enter the Indian e-generator market“ und integrierte darin die mobile Solarsteckdose für den indischen Markt nach dem Shared Value Prinzip des Harvard Professors Michael Porter: „Das Konzept des Shared Value“, so Harvardbusinessmanager.de, „beinhaltet Richtlinien und Praktiken, die die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens erhöhen und zugleich die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen der Gemeinschaft steigern, in der es tätig ist. Dabei konzentriert man sich darauf, die Verbindungen zwischen gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Fortschritt zu identifizieren und zu stärken.“

Iqbal geht in seiner Abschlussarbeit speziell ein auf die indische Situation: Auf der einen Seite verändere sich das Weltklima, auf der anderen Seite erhöhen sich die Leistungsanforderungen durch das starke Wachstum der Wirtschaft und Bevölkerung in Indien. Energie spiele eine entscheidende Rolle im Bemühen, Bildung und Beschäftigung gegen die Armut zu setzen. Es werde geschätzt, dass zwischen 250 und 350 Millionen Menschen der rund 1,28 Milliarden Einwohner ohne jeglichen Zugang zu Strom leben. Insbesondere ländliche Stromnetze existieren nur dürftig und über 100 Millionen Menschen haben keine Unterkunft. 60 Prozent des indischen Energiemarktes basiere auf Kohle, 18 Prozent würden in der Agrarwirtschaft weitestgehend mit Aggregaten auf Diesel-Basis erzeugt - Ergebnisse des Max Planck Instituts zeigten, dass Indien mit diesen Brennstoffnutzungen zu den größten Umweltverschmutzern weltweit zähle.

Es gäbe, so Iqbal weiter, verschiedene Ansätze für den Bau von Unterkünften für die arme Bevölkerung Indiens - die IKEA Foundation habe einen eigenen Ansatz entwickelt: das sogenannte „Better Shelter“, ein kleines Haus für fünf Personen, robust, einfach zu montieren, modular, flexibel und kosteneffizient. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) habe für seine weltweiten Operationen im letzten Jahr 30.000 Better Shelter bestellt, 10.000 Wohneinheiten wurden in 2015 bereits ausgeliefert. Diese einfachen Wohnmodule könnten standardmäßig mit dem solarbetriebenen E-Generator ausgestattet werden. Bestenfalls wäre die Produktion vor Ort, um nahe der Lieferkette Arbeitsplätze zu generieren. Der Stromzugang könnte auf Basis der Shared Value Strategie zum Wachstum einer nachhaltigen Wirtschaft Indiens beitragen. Sprich Mikro-Geschäftsmodelle, bessere Lebensbedingungen, reduzierte Umweltbelastung und somit Gesundheit und letztendlich Bildung kann forciert werden.

Mit Arvey wird ein neuer Energie-Verbreitungsansatz als kleinste Einheit eines Schwarms möglich. Nicht die großen Freiflächenanlagen, sondern Individuen mit eigenen einzelnen Einheiten je Wohneinheit können Eigenverantwortung erlangen. Daher sieht Iqbal die tragbare Steckdose nicht als Stromquelle, sondern vielmehr als Schlüssel für den Zugang zur modernen indischen Gesellschaft. Zum Hintergrund: Die Arvey Produktreihe lässt sich als mobiles Energiespeichersystem über verschiedene Energiequellen laden wie Solarpanele, Windräder oder Brennstoffzellen. Die Energie, gespeichert und abrufbar über eine Hochleistungsbatterie, kann, so Zinecker, emissions- und kostenlos sowie umweltfreundlich und leise genutzt werden.

Konzipiert ist die tragbare Steckdose für zwei Bereiche: Zum einen kann Arvey A für 2.000 Euro pro Gerät im Komfortbereich z.B. für Outdoor-Aktivitäten oder Außenarbeiten eingesetzt werden; zum anderen könnte die kostengünstigere Variante Arvey C nicht nur in Ländern wie Indien und Pakistan nachhaltig eingeplant werden, sondern auch für Flüchtlinge eine optimale Unterstützung sein, z.B. um Smartphones zu laden oder in den Wintermonaten Heizungen in den Unterkünften zu betreiben.

Weitere Informationen unter German Indian Round Table, Arvey sowie Axsol.