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Nach dem „Willkommen!“ folgt das „Wie?“: Sozialraumorientierung für Flüchtlinge in Thüngen

04.02.2016 | Pressemeldung, FAS
Masterarbeit „Aktiver Umgang mit der Asylbewerbersituation in der Gemeinde Thüngen“ von Johanna Hartl wird prämiert

Johanna Hartls Masterarbeit mit dem Thema „Sozialraumorientierung in der Praxis - Aktiver Umgang mit der Asylbewerbersituation in der Gemeinde Thüngen“ ist ausgezeichnet und mit 1.500 Euro dotiert worden von der Gesellschaft der Förderer und Freunde der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt e.V. Sie entstand in Kooperation mit Gabriele Kimmel, Geschäftsführerin der Caritas Main-Spessart, der zum damaligen Zeitpunkt als Wohlfahrtsverband zwölf Ausweichunterkünfte mit insgesamt 220 Plätzen betreute, u. a. denjenigen in Thüngen.

Nach dem „Willkommen!“ kommt das „Wie?“: Die Caritas stellte fest, dass „eigenständig zunächst kein merklicher Kontakt zwischen Bevölkerung und Asylbewerbern entsteht“ – als Chance sieht sie ein dreijähriges Projekt zur sogenannten „Sozialraumorientierung“, einem Ansatz, bei dem es nicht darum geht, Menschen über pädagogische Maßnahmen zu verändern, sondern Lebensbereiche so zu gestalten und Verhältnisse zu schaffen, die es den Personen ermöglicht, im neuen Leben besser zurechtzukommen.

Wissenschaftlich begleitet und konzeptionell unterstützt wurde das Vorhaben im unterfränkischen Thüngen, einem Ort mit 1.350 Einwohnern und etwa dreißig Flüchtlingen, in den ersten zehn Projektmonaten (von April 2014 bis Anfang Februar 2015) von Johanna Hartl. Im Zuge ihres Masterstudiums „Soziale Arbeit“ an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt hatte sie ein Semester in Italien verbracht und dort unmittelbar die Flüchtlingsthematik kennengelernt.

Mit der Caritas hielt sie vier Ziele fest: das Schaffen einer Grundakzeptanz in der Bevölkerung unter Einbeziehung aller leitenden Funktionäre vor Ort, der Aufbau eines ehrenamtlichen Arbeits- bzw. Helferkreises, die Planung gemeinsamer Aktivitäten zwischen Einheimischen und Asylbewerbern sowie die Kompetenzerweiterung der Flüchtlingsberater.

Die Ausgangssituation: Seit Öffnung der Unterkunft sind kontinuierlich etwa 25 bis dreißig Flüchtlinge unterschiedlicher Herkunft im ehemaligen Gasthof in Thüngen untergebracht mit hoher Fluktuation. Daneben stellen sich die unterschiedlichen Sprachen, schlechte Busanbindungen, zu wenige Einkaufsmöglichkeiten und fehlende Arbeitserlaubnisse als Schwierigkeiten heraus. Zudem stellen u.a. das Landratsamt Main-Spessart mit der Betreuung während des Asylverfahrens, die Regierung von Unterfranken mit der Deckung der Bedürfnisse zum Lebensunterhalt, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit der Durchführung des Asylverfahrens, der Flüchtlingsberater der Caritas bei individuellen Einzelberatungen sowie zur Unterstützung bei Anträgen und die Verwaltungsgemeinde z.B. bei der Ausgabe von Geldleistungen eine prägende Rolle im Alltag der Asylsuchenden dar.

Die Absolventin formulierte das Fazit in ihrer knapp achtzigseitigen Masterarbeit: Es sei zwar schwierig, „das Erreichen von Zielen zu garantieren, die von außen und nicht aus dem Sozialraum heraus formuliert werden“. Doch sei das Kooperationsprojekt in kürzester Zeit sehr gut angelaufen: „Alle Entwicklungen entstanden aus den Ideen der Akteure des Sozialraumes heraus, und die Koordination und Anleitung durch die Verfasserin und die Hauptamtlichen der Caritas konnte immer mehr reduziert werden. Von Seiten der Ehrenamtlichen in Thüngen wird ein beeindruckendes Engagement gezeigt.“ Dieses Engagement der Bürger ist vom Landkreis Main-Spessart mit dem erstmals verliehenen Integrationspreis des Landkreises gewürdigt worden.

Professor Dr. Ulrich Gartzke, der die Masterarbeit betreute, lobte die passgenauen Konzepte und Maßnahmenpläne für das Zusammenwirken der professionellen Kräfte sowie der Ehrenamtlichen vor Ort sowohl für die Asylbewerber, als auch für die Bevölkerung, die die Absolventin ausgearbeitet habe und die als Best-Practice-Beispiel übernommen werden könnten: „Dass die von ihr entwickelten Konzepte nachhaltig sind, zeigt sich auch darin, dass die `Runden Tische` und die Zusammenarbeit vor Ort immer noch Bestand haben. Ebenso enthält die Arbeit Hinweise, wie ein aktiver Umgang mit der Asylbewerbersituation in anderen Gemeinden gestaltet werden kann.“ Er bedankte sich für die Kooperationsmöglichkeit und die gute Zusammenarbeit mit dem Caritasverband.

Weitere Links und Informationen u.a. unter Markt Thüngen, Schüler drehen Flüchtlingsdoku und der Filmbeitrag "Second Chance" von Karlstädter Schülern unter Second Chance