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„Neubau now“: 10 Jahre Sanderheinrichsleitenweg, das FHWS-Gebäude, um das sogar „Ritter“ fochten

18.10.2021 | fhws.de, Pressemeldung
Ein gewonnener Bürgerentscheid stellte die Weichen für den Bau des prämierten Hochschulgebäudes im Frauenland

Manchmal ist ein Gebäude ganz einfach ein Gebäude – und manchmal steht dahinter eine ganze Geschichte. So beim „SHL“ am Würzburger Sanderheinrichsleitenweg 20. Vor mehr als zehn Jahren noch ein bestellter Acker, werden in dem Doppel-L-Hochschulcampus nun seit zehn Jahren, seit Beginn des Wintersemesters 2011/2012, vor allem Studierende der Fakultäten Informatik und Wirtschaftsinformatik sowie der Gestaltung unterrichtet.

Zur Vorgeschichte des Neubaus

„Der Neubau kommt.“ So hieß es immer wieder. Prof. Erich Schöls, Dekan der Fakultät Gestaltung, erinnert sich: „Jahrelang bangte die Fakultät Gestaltung um das neue Gebäude, wurde mit diesem Satz vertröstet und dann doch wieder bestärkt. Einer guten und hoffnungsvollen Nachricht folgte stets eine ernüchternde“ - aus verschiedenen Gründen. Mit dieser Ungewissheit habe die Fakultät über etliche Jahre leben müssen. Sie lehrte verstreut im Stadtgebiet in zahlreichen Anmietungen. „Nicht wenige verloren zunehmend den Glauben an die Realisierung des Vorhabens“, sagt Schöls im Rückblick.

Zur notwendigen räumlichen Erweiterung der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt sollte das Grundstück im Frauenland am Sanderheinrichsleitenweg genutzt und bebaut werden. Es formierte sich jedoch eine Bürgerinitiative, die mit dem Slogan „Fachhochschule JA, am Alandsgrund NEIN“ dem Bau entgegentrat.

Während die Hochschule der Wissenschaft entsprechenden Raum bieten wollte, forderte die Bürgerinitiative Alternativen zum gewählten Standort. Beide Seiten formierten sich und informierten die Bürgerschaft Würzburgs in einem selten gekannten Ausmaß: Hierzu gehörten u.a. Infostände, Helferkonferenzen, Vor-Ort-Begehungen, Besuche und Statements von Politikern, Infoabende an Schulen, Vorlesungen auf dem Marktplatz, Kreide-Aktionen von Studierenden bis hin zu einem wortwörtlichen Ausfechten von Argumenten mit mittelalterlich gekleideten, fechtenden „Rittern“ auf dem Marktplatz.

Eine Entscheidung musste her - ein Bürgerentscheid sollte es richten. Würzburgs Bürgerinnen und Bürger waren aufgerufen, über die Zukunft zu entscheiden. Dekan Schöls: „Noch heute bin ich mehr als stolz auf meine Kolleginnen und Kollegen und die Studierenden, die damals auf die Straße zogen, um die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Würzburg in Gesprächen und Aktionen von der Notwendigkeit des neuen Hochschulgebäudes zu überzeugen. Tagelang wurde diskutiert, auf Straßen unterrichtet und gemeinsam für die Verwirklichung eines Traumes gearbeitet – alle gemeinsam.“

Die FHWS konnte die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen, der Neubau konnte starten. Nach der Dankesfeier des damaligen FHWS-Präsidenten Prof. Dr. Heribert Weber folgte am 11. September 2008 der Spatenstich auf dem Frauenland-Areal.

Architektur – Bedeutung und Beziehung zur Architektur

Architektur ist dann gelungen, wenn sich Menschen in ihr wohlfühlen, sie eine Beziehung zum Gebäude aufnehmen. Dies gelang. Prof. Dr. Peter Braun, Dekan der Fakultät Informatik und Wirtschaftsinformatik, erinnert sich: „Meinen Termin für die Probevorlesung im Berufungsverfahren hatte ich am 13.12.2011 schon am SHL, also kurz nach dem Einzug. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mit dem Auto um die Kurve am Sportzentrum gefahren bin und sofort begeistert war vom ersten Anblick des Gebäudes.“ Er hatte vorab noch keine Aufnahmen des SHL gesehen und war entsprechend positiv überrascht. Der vorherige Standort der Fakultät befand sich in der Münzstraße 19, einem in die Jahre gekommenen historischen Bau mit wenig Raum für die Bedürfnisse eines Hochschulbetriebes. Ganz anders der Neubau im Frauenland – das Gebäude begeistere damals wie heute Studierende, Mitarbeitende und Gäste – vor allem aus dem Ausland, so erläutert es Braun weiter: „Ich führe sehr gerne ausländische Delegationen durch das Gebäude, erzähle über die Geschichte und zeige mit großem Stolz die hervorragende Ausstattung der Hörsäle und Seminarräume und den Ausblick ins Grüne, vor allem im Hörsaal H.1.3.“

Es werden am SHL große Veranstaltungen durchgeführt wie z.B. Konferenzen, Tagungen, Hackathons und Barcamps, teilweise mit Gästen aus ganz Deutschland. Die Architektur werde immer wieder gelobt, das Gebäude wird pfleglichst von allen Hochschulangehörigen behandelt.

Auch Prof. Schöls unterstreicht diese Begeisterung für das Doppel-L-Gebäude: „Nun sind wir seit zehn Jahren in diesem architektonisch so gelungenen Gebäude und freuen uns Woche für Woche über eines der landesweit schönsten Fotostudios, über großartige Begegnungs- und Ausstellungsflächen und eine offene und dialogfördernde Atmosphäre. Für die Fakultät Gestaltung ist diese Architektur ein Statement, das auch in die Designausbildung einfließt. Die allgegenwärtige, funktionale Ästhetik bildet für die Studierenden den richtigen Rahmen für eine ganzheitliche kreative Ausbildung. Es ist bis heute eine große Freude, an einem so inspirierenden Ort mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten.“

„Der SHL“ stößt nach zehn Jahren bereits an seine Grenzen

Die Freude überträgt sich auch auf Studierende - die FHWS wächst und wächst. Nach zehn Jahren Bestand stößt „der SHL“ bereits an seine Grenzen. Prof. Braun: „Wir haben in diesem Semester über 1.100 Studierende. Während der Bauzeit im Jahr 2009 waren es noch unter 600 und zum Zeitpunkt des Einzugs schon ca. 750. Die Anzahl der Mitarbeitenden ist von damals 15 Professorinnen und Professoren beim Einzug im Jahr 2011 auf inzwischen 23 gestiegen und wird in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich noch auf 28 steigen; bei den wissenschaftlich Mitarbeitenden bzw. Mitarbeitenden in Projekten sind wir auf inzwischen 22 gewachsen.“ Daher komme das neue Gebäude für das FHWS-Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz und Robotik (CAIRO Center for Artificial Intelligence and Robotics) in der Zellerauer Franz-Horn-Straße sehr gelegen, um vor allem den Bereich der Künstlichen Intelligenz und Forschungsprojekte dorthin zu verlagern.