Hochschulgebäude am Sanderring 8 a in Würzburg

Perspektiven der Fotografie zwischen Apparaten und Algorithmen sowie dem Wissen um Wirkungsweisen

16.11.2017 | Pressemeldung, FG
Dreidimensionale Fotografie, digital integriert, als Möglichkeit neuer Erkenntnisse und Kommunikationsform

Die Organisatoren des Symposions, Marcus Kaiser, Dr. Christian Bauer und Professor Uli Braun von der Fakultät Gestaltung an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, luden ein zum Symposion „Perspektiven der Fotografie“ mit sechs Referenten sowie einer abschließenden Podiumsdiskussion. Fotografie sei eine weit verbreitete Kulturtechnik und mittlerweile allgegenwärtig. Es stelle sich die Frage, worin die Aufgaben der Fotografie als Bildmedium in der heutigen Gesellschaft bestehen können und welche Rückschlüsse sie daraus für das Studium an Hochschulen im Bereich von Kunst und Design ziehen könnten.

Marcus Kaiser stellte in seiner Begrüßung fest, dass Fotografien überall verfügbar und abrufbar seien; es gäbe eine Tendenz zur Bildkommunikation, in der Fotografie mehr als ein Tauschobjekt als eine Information fungiere, dies führe dazu, dass sich Klischées und Stereotypen verfestigen können. Ziel des Symposions sei es, Fotografie als Bildmedium neu zu interpretieren. Die sechs Referenten nähmen zu drei Themenschwerpunkten Stellung: zum einen zur Fotografie im Kontext von Wissenschaft und Kultur, dann zum Aspekt der Fotografie als Auseinandersetzung mit neuen Technologien und zum dritten zur Fotografie als ein Experimentieren mit Bildern und deren Wirkungsweisen.

Zwei Referenten spiegelten die wissenschaftliche Kontextualisierung der Fotografie: Der Ethnologe und Fotograf Christoph Naumann-Zimmer ging in seinem Vortrag „Fotografie als physisch-sensorischer Prozess ästhetischer Forschung“ u.a. ein auf ein Fotografieren im Gehen in Langsamkeit. Seine „Wahrnehmungsspaziergänge“ beispielsweise entlang der Autobahn A3 ermöglichten es ihm, die Fotografie als forschendes und analytisches Medium einzusetzen. Die Fotografie sei komplex, schon in den zwanziger Jahren habe es die Metapher der Bilderflut gegeben. Der schulpolitische Ansatz, den Umgang mit visuellen Medien und einem Wissen um die Wirkungsweise als Schulfach einzuführen, habe sich bis heute nicht durchgesetzt.

Peggy Buth, Professorin für Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, hielt ihren Vortrag zum Thema „Politic of Selections. Vom Nutzen der Angst“. Sie arbeite crossmedial, Fotografie stelle hierbei Historisches interpretierend dar. Für ihr zweibändiges Künstlerbuch „Desire in Representation“ habe sie collagenhaft das umfangreiche Dokumentationsmaterial des 1907 eröffneten Königlichen Museum für Zentralafrika in Belgien zusammengestellt mit Bildern, Berichten, Zitaten und historischen Dokumenten, um die Erzähltechniken des Museums sowie die damit verbundene Konstruktion von Geschichte zu untersuchen.

Zum technischen und kulturhistorischen Kontext von Fotografie referierten Mario Donick sowie Dr. Gerhard Schweppenhäuser. Donick, Kommunikationswissenschaftler, Dozent und Autor, ging in seinem Vortrag „Ausbruch aus dem Gegebenen: Wirkdimensionen virtueller Fotowelten“ der Frage nach, inwiefern dreidimensionale Fotoaufnahmen den Eindruck von Präsenz erzeugen könnten. Professor Dr. Gerhard Schweppenhäuser hielt anschließend einen Vortrag zum Aspekt „Zwischen Allegorie und virtueller Realität. Revisionen des Realismus“: In der sozialen Porträtfotografie des 20. Jahrhunderts und in der Profilbild-Kultur des 21. seien philosophische Realismusbegriffe ästhetisch in Erscheinung getreten - ein Problem aus der Tradition des philosophischen Universalienrealismus. Der Vielfalt der besonderen, individuellen Erscheinungen liege ein „negatives Allgemeines“ zugrunde.

Den sozialen, aber auch experimentellen Kontext von Fotografie stellten Julian Röder und Adam Broomberg dar. Während der Fotojournalist Röder mit „Licht und Angst“ die persönliche Entwicklung vom dokumentarischen Stil zu einer inszenierten und konzeptionellen Fotografie skizzierte mit der Schlüsselfrage: Erfordert Unabbildbarkeit Konstruktionen als Antwort?, gab der Künstler und Professor für Fotografie in Hamburg, Adam Broomberg, mit „Bandage the knife, not the wound” („Bandagiere das Messer, nicht die Wunde“) Einblicke in verschiedene konzeptionelle und visuelle Strategien des Künstlerduos „Broomberg & Chanarin“ und deren konsequente Versuche, das Wesen der Fotografie zu analysieren.

Abschließend erfolgte eine Podiumsdiskussion aller Referenten zur Frage der Verortung der Fotografie in der Gesellschaft, u.a. unter dem Aspekt, ob die dreidimensionale Fotografie, digital integriert, sich zukünftig als eine Möglichkeit neuer Erkenntnisse und Kommunikationsform eigne.