Der Rundbau - Erkennungsmerkmal des Campus 1 am FHWS Standort in Schweinfurt

„Sanierungsstau“: Studierende der Uni und FHWS zeigen neue Präsentationen für die Museumsobjekte

Das Ziel: Exponate, die ihre Wertigkeit behalten, erreichen durch neue mediale Möglichkeiten Zugang zu den Besuchern

Die Ideenwerkstatt-Beschreibung mag mit „Interdisziplinäres und praxisorientiertes Projektseminar `Objekte erleben: Benutzerzentrierte Vermittlung und Gestaltung im Museum`“ ein wenig theoretisch klingen - die 25 Studierenden der Julius-Maximilians-Universität sowie der Hochschule Würzburg-Schweinfurt konnten hingegen in Kooperation mit dem Mainfränkischen Museum mit viel Kreativität, Spontaneität und konkreten Ideen agieren.

Fünf Arbeitsgruppen haben sich exemplarisch bisherigen Museumsobjekten gewidmet und diese mit neuen Möglichkeiten, altersadäquat, multimedial, im Kontext und interaktiv dargestellt. Studierende des Masterstudiengangs Informationsdesign unter der Leitung von Professorin Claudia Frey (FHWS), der „Mensch-Computer-Systeme & Human-Computer-Interaction“ unter der Leitung der Diplom-Psychologin Diana Löffler sowie des Masterstudiengangs Museumswissenschaft unter der Leitung der Professoren Dr. Guido Fackler und Petra Maidt M.A. entwickelten neue Vermittlungsideen für die Projekte „Menschenzahnkette“ (6. Jahrtausend v. Chr.) , „Bozetti“ (18. Jahrhundert), das historische „Weinkeltern“, das Würzburger „Stadtmodell“ (1525) und Tilman Riemenschneiders „trauernde Maria aus Acholshausen“ (1505). Im Anschluss an die Präsentationen hatten die Teilnehmer und Gäste die Möglichkeit zum Austausch, darüber hinaus wurde ein neuer Film zum Keltern erstmalig gezeigt.

Die Arbeitsgruppe „Menschenzahnkette“ fand mit dem ursprünglichen Fund von 29 menschlichen, jungsteinzeitlichen Zähnen auf einem Teller nur unzureichende sowie ungesicherte Objektbeschriftungen vor, der Kontext fehlte ebenso wie Beifunde aus der Grube, aus der die Zähne geborgen wurden. Nach umfangreichen Recherchen zu den Objekten konzipierten die fünf Studierenden einen multimedialen und interaktiven Medientisch, bei dem große wie kleine Besucher – diese mit herausziehbaren Hockern – einen Gesamtzusammenhang herstellen können zu den menschlichen Zähnen. In Vitrinen sowie einem Mitmach-Medium werden sie u.a. über Langhäuser und die sogenannte Bandkeramik aus der Zeit ca. 5.000 bis 2.000 v. Chr. informiert.

Ziel des hochschulübergreifenden Projektes ist es, so Professor Dr. Guido Fackler, neue mediale und zielgruppenspezifische Vermittlungs- und Gestaltungswege zu entwickeln, neue Medien einzubinden, um unsichtbare Bedeutungsdimensionen „sichtbar“ zu machen, mit neuen Gestaltungsideen das Interesse der Besucher zu wecken. Darüber hinaus lernen die Studierenden unterschiedliche interdisziplinäre Methoden, Herangehensweisen und Praxisfelder kennen, sie präsentieren einer interessierten Öffentlichkeit ihre Ergebnisse und lernen dabei, im Team im Bereich der Museumsarbeit zu agieren.

Die Museumsleiterin Dr. Claudia Lichte informierte, daß sich das Museum in einem „Sanierungsstau“ befinde: Seit der Zerstörung im Krieg seien die Exponate erstmals 1947 wieder gezeigt worden, seitdem habe man die Präsentation nicht grundlegend aktualisiert. Sie sei erfreut, daß mit den beiden kooperierenden Hochschulen eine neue Ära eingeleitet werden könne mit neuen Konzepten und ansprechenden, vermittelnden Medien, wobei die Exponate ihre Wertigkeit behielten.