Eine Gruppe FHWS-Angehöriger aus der Vogelperspektive

Wertemanagement: Christliche Spiritualität als Ressource der Unternehmenskulturgestaltung

25.07.2017 | Pressemeldung, FWiWi
Forschungskreis mit wissenschaftlichem Austausch unter Würzburger Beteiligung zu Gast in Bethel

Zum dritten Mal tauschten sich Wissenschaftler aus den Bereichen Ethik, Theologie, Pflege, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften im Fachgespräch zu „Unternehmenskultur in Einrichtungen und Unternehmen mit konfessioneller Trägerschaft“ aus. Austragungsort war diesmal das IDM - Institut für Diakoniewissenschaft und Diakoniemanagement in Bethel bei Bielefeld.

Der Würzburger Wirtschaftsethiker Professor Dr. Harald J. Bolsinger, Hochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS), präsentierte aus Managementperspektive erstmals ein neuartiges Stufenmodell zur multirationalen Nutzung von Spiritualität als Ressource in der Unternehmenskulturgestaltung säkularer Organisationen: „Intrinsische Motivation zu unternehmenspolitisch erwünschtem Verhalten kann durch die Respektierung und Berücksichtigung der individuellen Rückbindung an philosophische und theologische Quellen für werteorientiertes Verhalten eine positive Verstärkung erfahren“, erläuterte er seinen Ansatz ganzheitlichen Wertemanagements und verwies auf die diesbezüglich ungehobenen Ressourcen in Unternehmen. In einem in Zusammenarbeit mit Markus Warode (IUNCTUS) gestalteten Workshop erarbeitete Bolsinger mit den Teilnehmern ein Portfolio von Instrumenten mit werteverstärkenden Effekten aus dem konfessionellen Umfeld zur gezielten Übertragung in säkulare Organisationen.

Professorin Dr. Beate Hofmann (IDM) stellte den aktuellen Stand eines Forschungsprojektes zu diakonischer Unternehmenskultur vor. Nach zahlreichen Befragungen kristallisierte sich dabei heraus, dass das typisch Diakonische zwar in Riten, Seelsorge, Kapellen u.a. ausgemacht werde, dieses aber für die gelebte Kultur als weniger wichtig angesehen werde. Was den Gehalt des spezifisch Christlichen in der Organisationskultur begründen kann und wie dieses Merkmal in Befragungen wissenschaftlich belastbar zu ermitteln ist, war anschließend Gegenstand eines Streitgesprächs. Die Hypothesen reichten von einer persönlichen lebendigen Beziehung mit Jesus Christus über die Gestaltung menschlicher Beziehungen untereinander ohne Bezug auf Jesus bis hin zur einfachen Mitgliedschaft in einer Mitgliedsvereinigung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland e. V. als Indikatoren für die Motivation zu christlicher Organisationskultur.

Einen ersten Einblick in das Organisationskulturforschungsprojekt „WIND – Werte, Innovation, Diversity“ gab Michael Zirlik: Diakonie Neuendettelsau und Caritas Nürnberg realisieren dieses Projekt gemeinsam mit Laufzeit bis April 2019, gefördert durch das Programm „Rückenwind“ des Europäischen Sozialfonds (ESF).

Thema bei dieser Begegnung war auch die Weiterentwicklung des Forschungskreises hin zu einem Netzwerk mit wissenschaftlichen Akzenten christlich geprägter Unternehmenskulturen. Dazu lädt Bolsinger im November 2017 in Kooperation mit dem Wilhelm Löhe Ethikinstitut zu einem virtuellen Treffen auf Basis der Digitalisierungsinfrastruktur der FHWS zu einem WebcastWorkshop ein. Der Forschungskreis wurde 2015 auf Initiative des Wilhelm Löhe Ethikinstituts in Fürth gegründet. Die FHWS ist seitdem kontinuierlich mit dem Würzburger Wirtschaftsethiker Harald Bolsinger beteiligt.