Musiktherapie-Forschung: Ausbau der Internationalisierung und Weltkongress mit 2.300 Teilnehmern

14.07.2017 | Archiv, Pressemeldung, Pressemeldung FAS
Projekte, Forschung, Ehrungen und Austausch mit Melbourne / Australien sowie Tsukuba /Japan

Im Juli 2017 fand in Tsukuba (Japan) der 15. Weltkongress Musiktherapie statt, der besonders erfolgreich für die FHWS war. Gleich zwei Awards der Weltföderation für Musiktherapie gingen bei der Eröffnung an internationale Lehrende des Masters Musiktherapie der Hochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS). Der Award für Forschung ging an Felicity Baker von der University of Melbourne. Baker hat aktuell Forschungsprojekte im Gesamtvolumen von 1,5 Millionen Euro eingeworben. Es sind Projekte in den Bereichen TSW (Therapeutisches Songwriting), Musiktherapie bei Demenz, Musiktherapie und Identität sowie Musiktherapie in der Neurorehabilitation. Professorin Dr. Barbara Wheeler (USA) erhielt den Lifetime Award für ihre umfangreichen Leistungen im Aufbau von Studiengängen, Grundlagenwerken der Musiktherapie sowie ihres Standardbuches der Musiktherapieforschung. Sie wurde dabei explizit auch als Lehrende der FHWS geehrt.

Professor Dr. Thomas Wosch gab insgesamt vier Symposien, Round-Table und Vorträge zu neurowissenschaftlicher Forschung der musikalischen autobiografischen Erinnerung bei Demenz, zu Elementen der Musiktherapie für die Demenzpflege, automatisierter Diagnostik und Orff-Musiktherapie in Europa und Japan. Eine besonders wachsende Forschungstätigkeit zeigte der Weltkongress in den Elementen der Musiktherapie für die Altenpflege für professionelle Altenpfleger und für pflegende Angehörige. In diesem Bereich liegt der Kernpunkt der Forschung der FHWS von Thurn.

Einen besonderen Moment bildete, so Wosch weiter, auf dem Weltkongress der gemeinsame Vortrag von ihm, Eri Shimagaki und Dr. Melanie Voigt zu Orff-Musiktherapie in Japan und Europa. Shimagaki absolvierte 2016 den Würzburger Master Musiktherapie und baut seit Oktober 2016 die Musiktherapie in einem neu eröffneten sozialpädiatrischen Zentrum in ihrer Heimatstadt Tokio sehr erfolgreich auf. Dieser Vortrag fand hohes Interesse bei den japanischen Musiktherapeuten.

Die FHWS war mit einem Stand ihres Masterstudienganges vertreten und hatte das Treffen des IMTAC (International Music Therapy Assessment Consortium) auf dem Kongress organisiert. In vielen weiteren Gesprächen und Forschungsgruppentreffen wurden Projekte und Vorhaben besprochen und weiterentwickelt.

Nach der feierlichen Eröffnung des MWD-Song (Melbourne-Würzburg-Dementia Songwriting) Projektes der Universität Melbourne mit der FHWS im März sowie der anschließend begonnenen deutsch-australischen Zusammenarbeit wurde der internationale Austausch weitergeführt. Die FHWS-Dozentin Tabea Thurn war im Juni eine Woche zum Forschungsaufenthalt in Melbourne zur weiteren Projektplanung.

Die Woche begann mit Hospitationen im Royal Talbot Rehabilitation Center, einer Klinik für Neurorehabilitation. Neben der Neurologischen Musiktherapie wird dort die Methode des Music Therapeutic Songwriting (TSW) als coping-Strategie (Bewältigungsstrategie) angewendet. Dabei kommen IPads mit „Garage Band“ zum Einsatz, die auf schnellem und einfachem Weg das Arrangieren von Songs unterstützen.

Im weiteren Verlauf der Woche lernte Thurn zwei Senioren-Einrichtungen im interkulturellen Interventions- und Institutionsvergleich kennen. Die Gruppen- und Einzelmusiktherapie umfasst hier auch die Palliativmedizin. Thurn gab in mehreren Praxiseinrichtungen und in der großen Musiktherapieabteilung der Universität Melbourne Präsentationen zur deutschen Musiktherapie für Menschen mit Demenz mit anschließender Diskussion der Methodenunterschiede beider Länder.

Am Ende der Woche nahm Thurn an der Abschlussuntersuchung des ParkinSong-Projektes von Jeanette Templin (Post-Doc der Universität Melbourne) teil. In diesem Projekt wurden die Effekte der Teilnahme von Parkinson Patienten und ihren Pflegekräften an Singgruppen im Zeitraum eines Jahres zusammen mit Logopäden untersucht. Gemeinsam mit dem australischen Team wurden in der Woche die nächsten Schritte im MWD-Song (Melbourne-Würzburg-Dementia Song) Projekt diskutiert und geplant.