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4. Würzburger Tagung zur Musiktherapie mit Experten und vielen interessierten Besuchern

21.09.2018 | fhws.de, Pressemeldung, FAS
Perspektiven der Musiktherapie: Autismusspektrumstörungen, schwere neurologische Erkrankungen, Inklusion und Angehörigenarbeit

Vom 14. bis 16. September fand an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt die 4. Würzburger Tagung zur Musiktherapie bei Behinderung und Demenz statt. Eröffnet wurde die Tagung vom Vizepräsidenten für Forschung der FHWS, Professor Dr. Jürgen Hartmann, und der Dekanin der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften, Professorin Dr. Dagmar Unz. Veranstaltungsorte waren die Hochschule und der Kulturspeicher Würzburg. Wissenschaftler, Kliniker und weitere Teilnehmer kamen aus Unterfranken, ganz Deutschland, der Schweiz, Slowenien, Großbritannien, Finnland, China, Südkorea und Australien. Neben den Vorträgen und Keynotes gab es die deutsche Premiere eines britischen Dokumentarfilms und erstmalig Absolventen-features von graduierten Musiktherapeuten der FHWS.

Fünfzehn Studierende des Masterstudiengangs Musiktherapie der FHWS präsentierten und diskutierten als letzten Schritt ihres Studiums Teile ihrer Masterarbeitsuntersuchungen. Dabei wurden mehrfach neue Arbeitsfelder der Musiktherapie vorbereitet und entwickelt. Dazu gehört die Angehörigenarbeit von Geschwistern krebskranker Kinder und von häuslich pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz. Beide Gruppen bewältigen täglich besondere Herausforderungen, bei denen musiktherapeutisch eine Stärkung und Unterstützung gegeben werden kann. Ein weiterer Bereich ist die Inklusion von Menschen mit Behinderung und ohne Behinderung in gemeinsamen Kirchenmusikmusicals, die so komponiert sind, dass beide Gruppen ihr musikalisches Können zusammen in ein Stück einbringen können. Die drei Hauptreferenten der drei Tage waren Lehrbeauftragte des Masterstudienganges der FHWS, die Professoren in Cambridge, Jyväskylä (Finnland) und Hamburg sind. Ihre Themen waren die Musiktherapie für Kinder mit Autismusspektrumstörung und ihre Familien, vibroakustische Musiktherapie für Menschen mit seltenen neurologischen Erkrankungen (schwere Muskel- und Schmerzerkrankungen) sowie der aktuelle Stand eines deutschen Ansatzes der Musiktherapie für Menschen mit Demenz.

Unterstützt von der Partneruniversität Anglia-Ruskin-University Cambridge wurde am ersten Abend die deutsche Premiere des britischen Dokumentarfilms „Operation Syncopation“ präsentiert, die der Regisseur dieses Films, Maxim Thompson, persönlich eröffnete. Der Film zeigt Interviews mit Familien, Menschen mit Autismusspektrumstörung und Therapeuten, die vor 16 Jahren in der Musiktherapie waren. Die Therapien und die Interviews werden im Film in Perspektiven gezeigt, die beide Zeiten miteinander verbinden sowie in Perspektiven, in denen Menschen mit Autismusspektrumstörung eine Situation wahrnehmen. Es kamen hundert Würzburger Interessenten, die beruflich oder familiär mit diesem Thema berührt sind. Nach dem Film schlossen sich viele Fragen an den Regisseur und die Musiktherapeutin dieser Therapien an.

Am Samstagabend präsentierten jeweils ein/e Absolvent/in der drei seit 2012 abgeschlossenen Jahrgänge des Master Musiktherapie der FHWS ihren beruflichen Werdegang. Vom dritten Jahrgang war aus Tokio eine Absolventin zugeschaltet, Eri Shimagaki, die die Musiktherapie in einem neu gegründeten Tagesförderzentrum für Kinder mit Autismusspektrumstörung aufbaut und leitet. Vom ersten Jahrgang berichtete ein Absolvent, Simon Bartenschlager, der jetzt in einer großen Heilpädagogischen Einrichtung in Oberbayern Fachdienstleiter ist und in der Einrichtung die Musiktherapie aufgebaut hat und durchführt. Vom zweiten Jahrgang stellte eine Absolventin, Jasmin Eickholt, ihren Weg von der praktischen musiktherapeutischen Ausübungen über Tätigkeit in Lehre und Forschung an der FHWS und weiteren Universitäten bis zur aktuellen Promotion an der University of Melbourne dar. Sehr eigenständig entwickeln diese Absolventen neue Institutionen, Interventionen und Forschungsbereiche der Musiktherapie. Die begleitende Musik während der Tagung wurde von Lehrenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden der FHWS von Klassik bis freie Improvisation an diesem Abend gegeben.