Blick in die sog. Aula, den größten Hörsaal am Standort Schweinfurt

Corona: Studierende verstehen sich als Kultur-Dolmetscher mit ihrer Initiative „Jibbern“

02.06.2020 | fhws.de, Pressemeldung, FAS
Die Kultur des Miteinanders ist ein Prozess, kein Status Quo

Osama Albernawi und Basel Asideh verstehen sich als Kultur-Dolmetscher. Sie möchten Sicherheit vermitteln, Verständnis und Einblicke. Albernawi studiert an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt im 6. Semester Maschinenbau, Asideh ebenfalls im 6. Semester Soziale Arbeit. Sie leben seit 2015 in Deutschland und engagieren sich in vielen Bereichen der Nichtregierungsorganisationen und kommunalen Einrichtung in Würzburg und weiteren Regionen wie z.B in der Diakonie, im Fortbildungsinstitut Diözese Würzburg, beim World Wide Fund For Nature (WWF), bei den Maltesern sowie bei Aktionen für und mit Kindern, dem Verein für kulturelle Zusammenarbeit „Vivovolo e.V.“ oder dem Team „Working between Cultures“. Beide absolvierten 2017 die Ausbildung zum Jugendintegrationsbegleiter. Dort gehört es zu ihren Tätigkeiten, für Menschen mit Migrationshintergrund zu vermitteln und zu beraten, sich in Organisationen einzubringen und vorzuschlagen, welche Projekte hilfreich sein könnten. Sie halten Vorträge, Workshops und begleiten Menschen mit Migrationshintergrund. Mit diesen Erfahrungen kamen beide Studierende auf die Idee, die Initiative „Jibbern“ 2020 zu gründen, die sich für die gemeinschaftliche Gestaltung interkulturellen Zusammenlebens in Deutschland einsetzt.

Wie kann man sich das Kultur-Dolmetschen vorstellen? Die beiden Gründer übersetzen nicht im Wort-zu-Wort-Bereich, sondern sie vermitteln vielmehr zwischen verschiedenen kulturellen Systemen und bauen Verständigungsbrücken zwischen Personen unterschiedlicher Herkunft auf. Dieses Ziel verfolgt auch ihre Initiative „Zusammen gegen corona-Würzburg“: Es begann im März mit Beginn der Pandemie: Sie übersetzten anfänglich mit einem von der Initiative organisiertem Team von ehrenamtlichen Helfern (Kilze Mohammed Amin, Kawa Essa, Matin Khalaph und Mohammad Eskandarani) die wichtigsten Nachrichten über das Virus und die Ausgangsbeschränkungen sowie die behördlichen Regelungen ins Arabische. Die Studierenden nutzten hierfür deutsche, verlässliche Quellen wie z.B. die Tagesschau, das Gesundheitsamt oder die Weltgesundheitsorganisation. Daraus wurde mehr, und die Initiative hat sich weitere Aktionen überlegt:

Aktion: Wir helfen von Zuhause

Wegen der Corona-Krise kann man die Behörden, Jobcenter und Krankenkassen etc. momentan nur per Telefon oder Mail erreichen. Das ist eine Herausforderung für viele Menschen, die noch nicht gut Deutsch sprechen, keine Email benutzen oder Anträge onlinestellen können. Das 17-köpfige Team hilft den Menschen, denen dies schwerfällt.

Aktion: Behelfsmasken für Alltagshelden

Zusammen mit den Maltesern und „wue-care“ hat „Jibbern“ eine Nähgruppe gebildet, die Behelfsmasken für sogenannte Alltagshelden und soziale Einrichtungen (z.B. Alten- und Pflegeheime oder Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete) näht.

Module des Studiums für den Einsatz in der Praxis

Module, die Asideh und Albernawi in der Theorie im Studium erlernt haben, helfen ihnen sehr im Einsatz in der Praxis: So können sie beispielsweise Elemente der Gesprächsführung, der Kommunikation und Sprachsensibilisierung optimal einsetzen in den ehrenamtlichen Tätigkeiten, ebenso wie Strukturen und die Fähigkeit des praktischen Problemlösens eines Ingenieurs im Rahmen verschiedener Praxis-Projekte.

„Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft“ Die Schwerpunkte ihrer vielfältigen Tätigkeiten als Kultur-Dolmetscher sehen die jungen Akademiker in der sprachlichen und kulturellen Vielfalt. Die Kultur des Miteinanders sei ein Prozess, kein Status Quo: „Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft.“

Weitere Informationen: Jibbern 

working between cultures 

Wichtige Corona Informationen auf Arabisch

Main Post Die Kultur des Miteinanders ist ein Prozess