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Das Institut für Medizintechnik Schweinfurt (IMES) vernetzt sich mit der chinesischen Industrie

14.08.2019 | fhws.de, Pressemeldung
Kullmann: Exzellente angewandte Forschung an Hochschulen im Austausch mit der Industrie und mit Anwendern

Zur Internationalisierung der angewandten Forschung und des Austausches von Studierenden und Mitarbeitern vernetzt sich das Institut für Medizintechnik Schweinfurt (IMES) mit klein- und mittelständischen sowie Großunternehmen der chinesischen Industrie. Exzellente angewandte Forschung an Hochschulen sei nur möglich im Austausch mit der Industrie und mit Anwendern, so der Leiter des IMES, Professor Dr. Walter Kullmann. Diese Aussage gelte nicht nur regional und national, sondern auch international und transkontinental. Aus diesem Grund besuchte Professor Kullmann verschiedene Einrichtungen der angewandten, industriellen und industrienahen Forschung und Entwicklung in China.

In Shenyang, dem „Ruhrgebiet des Orients“, wie es die Chinesen nach Angaben Kullmanns bezeichnen, besuchte dieser den „China-Germany Equipment Manufacturing Industrial Park (CGEP)“. Die Direktorin der Einrichtung, Hongju He, führte in einem multimedialen Vortrag in die Ideen des Industrieparks ein und präsentierte in einer Rundfahrt das Gelände mit ausgedehnten neuen Hightech-Fabrikanlagen. Der 48 Quadratkilometer große Industriepark (entspricht etwa der 1,3-fachen Fläche von Schweinfurt) wurde 2015 auf Initiative des chinesischen Präsidenten Xi Jinping und der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel gegründet, um Chinas Strategie „Made in China 2025“ und das deutsche Zukunftsprojekt „Industrie 4.0“ miteinander durch die Nutzung von Synergien zu verknüpfen. Chinas Wachstumsgeschwindigkeit und Deutschlands industrielle Qualität sollen in diesem Park gebündelt und zusammengeführt werden. Der größte bayerische Automobilhersteller und der größte Schweinfurter Automobilzulieferer sind dort mit ihren Werken vertreten.

Besonders interessierte sich Professor Kullmann als Leiter des Instituts für Medizintechnik für die medizintechnische Industrie. In Shenyang besuchte er das 2002 gegründete private Medizintechnik-Unternehmen Shenyang MasTech Medical Device. Mit 123 Mitarbeitern stellt die Firma in großen Reinraum-Anlagen sterile Spritzen und Komponenten für die Angioplastie (PCTA), d.h. für die minimalinvasive Aufdehnung von Herzkranzgefäßen unter radiologischer Kontrolle, her. In Entwicklungslabors werden neue Katheter-Techniken entwickelt. Die hergestellten medizintechnischen Produkte gehen zu dreißig Prozent in den Export und werden vom deutschen TÜV zertifiziert. Ausführliche Diskussionen mit der Geschäftsleitung und Entwicklungsingenieuren über Möglichkeiten von zukünftigen Kooperationen vervollständigten das Programm in der Firma.

Chinesische Firmen arbeiten mit Berufsakademien zusammen, die in Form von Vollzeiteinrichtungen innerhalb des eigenen Hauses sowohl das theoretische Studium, als auch die fundierte praktische Ausbildung anbieten. Professor Kullmann besuchte auf Vermittlung durch den MasTech-Präsidenten Jian Liu das Guidaojiaotong Polytechnic Institute (GPI) in Shenyang. Die Schwerpunkte der Ausbildung in dieser Berufsakademie umfassen Informatik, Design, Management und Ingenieurwissenschaften. Umfangreich ausgestattete Roboterlabors mit Industrierobotern von führenden internationalen Herstellern, voll funktionsfähige Lokführerstände für die Eisenbahnindustrie und großräumige Labors für das Bewegungs-Tracking von Menschen und technischen Objekten sind nur einige Beispiele. Die chinesische Berufsakademie, so Kullmann, interessiere sich sehr für die Kooperation mit deutschen Dozenten.

Der Besuch in einem Großunternehmen der Hightech-Industrie in der südchinesischen Metropole Shenzhen, der „Werkstatt der Zukunft“, bildete den Schlusspunkt möglicher zukünftiger Kooperationspartner. Professor Kullmann besuchte das Unternehmen Han’s Laser Technology Industry Group in Shenzhen. Der leitende Vizepräsident und technische Direktor (CTO), Professor Dr. Qitao Lue, führte in die Philosophie des Unternehmens mit mehr als 10.700 Mitarbeitern und 500.000 Quadratmetern Forschung und Entwicklung sowie Produktionsfläche für Laserstrahlquellen und Lasersysteme ein. Ein Schwerpunkt der Besichtigung und Diskussionen bildete die Anwendung von 3D-Drucksystemen der Firma in der Zahnmedizin. Die Herstellung von dentalen Kronen, Brücken, vollständigen Zahnprothesen, Zahnspangen und zahnärztlichen Führungsschienen sind nach digitaler Vermessung des Mundes in digitaler Produktion möglich.