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Die Energie sollte nach Möglichkeit erneuerbar sein – Gastvortrag im Rahmen des Unternehmerforums

29.11.2019 | fhws.de, Pressemeldung, FWiWi
In den nächsten zwei Jahrzehnten sieht der Experte eine Vervierfachung der regenerativen Stromproduktion voraus

Im Rahmen der „Gastvorträge aus der Praxis in Unternehmensführung“ der Fakultät Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt referierte Matthias Taft, Vorstand der BayWa renewable energy AG, vor 210 Studierenden zum Thema „Strategien des BayWa Konzerns bei Erneuerbaren Energien“. Eingeladen hatte Professor Dr. Notger Carl.

Das Bewusstsein für den Klimawandel sei in der Bevölkerung, an den Hochschulen und bei den Studierenden angekommen – innerhalb dieser Woche finden in den Universitäten und Hochschulen sogenannte „Public Climate Schools“ statt mit verschiedenen, interdisziplinären Veranstaltungen. Professor Dr. Carl erläuterte einleitend, dass Deutschland ein besonders großer Klimasünder sei. So befänden sich unter den zehn Kohlekraftwerken mit dem höchsten CO2-Ausstoß sieben davon in Deutschland. Auch sei der Strom, der aus Kohle produziert wird in Deutschland mit 36 % besonders hoch, nur in Polen, Tschechien und Bulgarien würde mehr Strom aus Kohle produziert werden. Gerade hier müsse die Politik endlich reagieren.

Erneuerbare Energie aus Windkraft, Photovoltaik, Biogas etc. könnten den ökologischen Wandel vorantreiben, so der Gastreferent Taft. Dazu brauche es neben einer tatkräftigen und mutigen Politik auch Unternehmen, die dieses Vorhaben umsetzten.

Eine signifikante Reduktion der Stromentstehungskosten um 47 Prozent je Kilowattstunde habe man bei Photovoltaik-Anlageprojekten in den Jahren 2012 bis 2018 erreichen können - in den nächsten Jahren werde mit einer weitergehenden Kostenreduktion auf zwei bis drei Cent je Kilowattstunde gerechnet. Dass dieser Strompreis nicht 1:1 bei den Endkunden ankomme, sondern bei ca. dreißig Cent pro Kilowattstunde liege, sei auf die enormen Steuern und Umlagen, die mit den Produktionskosten an sich jedoch nichts zu tun hätten, zurückzuführen, so Taft.

Auch bei der Windkraft habe man die Kosten senken können vor allem aufgrund des Baus höherer Windräder und dem Einsatz größerer Rotorblätter. Die Stromproduktionskosten lägen aktuell bei vier bis fünf Cent pro Kilowattstunde. Damit, so der Energie-Experte, seien die Kosten dieser regenerativen Energiequellen wesentlich niedriger als bei der Kohleverstromung oder der Kernkraft, zumal die Renaturierungs- bzw. Entsorgungskosten bei Kohle- und Atomkraftwerken noch nicht einmal eingerechnet seien.

Einschränkend müsse man jedoch konstatieren, dass die Installation von Onshore-Windanlagen (Anlagen im Binnenland) in diesem Jahr fast zum Erliegen gekommen sei: Gründe seien Klagen u.a. wegen Lärmbelästigung und Sorgen um den Artenschutz. Auch die neue Abstandsvorschrift, die de facto in Bayern zu einem Abstand von ca. zwei Kilometern zu Ortschaften führe, habe zum Stillstand des Windkraftausbaus geführt. Taft weiter: Als Konsequenz dieser Änderungen seien in den letzten Jahren mehr als 30.000 Arbeitsplätze in der Windkraftbranche weggefallen. Dies seien fast so viele Arbeitsplätze wie die Kohleindustrie insgesamt beschäftige.

Wie sieht der Trend für die Zukunft aus: Der Referent gab an, Experten schätzten, dass sich weltweit die regenerative Stromproduktion in den nächsten zwei Jahrzehnten vervierfachen werde. Zum Ausbau tragen auch neue Ideen bei. So könne es eine Mehrfachnutzung von Flächen z.B. parallel mit Pflanzungen und einem Photovoltaikdach geben. Speicherkapazitäten könnten massiv ausgebaut werden. Eine Kostenreduktion sei realisierbar durch eine Optimierung der Prozesse. Der Strom könne direkt vermarktet werden durch sogenannte „Power Purchase Agreements“ (direkte Energielieferverträge zwischen Produzenten und Abnehmern).

Neue Finanzierungsmodelle könnten den Ausbau erneuerbarer Energien unterstützen, beispielsweise wenn Bürger Anteile an solchen Finanzierungen übernehmen und dafür eine Verzinsung erhalten. So könnten Städte z.B. ihre Schul- und Verwaltungsgebäude mit Photovoltaikanlagen, die von den Bürgern der Stadt mitfinanziert werden, bestücken. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil wäre neben der Finanzierung auch die höhere Akzeptanz in der Bevölkerung. Schließlich leistet der Bürger dadurch auch einen Beitrag zum Klimaschutz.