Hochschulgebäude am Sanderring 8 a in Würzburg

Die FHWS beteiligt sich am Projekt „Inklusives Museum am Dom“

31.05.2019 | fhws.de, Pressemeldung, FAS
Erläuternde Texte in verständlicher Sprache, Audio- bzw. Videoguides mit Gebärdensprachvideos für alle Besucher

Aus einer Zusammenarbeit im Rahmen der 1. Würzburger Inklusionswochen ergab sich für die Studierenden des Bachelor Soziale Arbeit im Vertiefungsmodul Soziale Arbeit und Behinderung an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt unter der Leitung von Professor Dr. Dieter Kulke die Möglichkeit, bei einem Projekt „Inklusives Museum“ mit der Museologie und mit der Psychologischen Ergonomie der Universität Würzburg zusammenzuarbeiten. Simone Doll-Gerstendörfer, Dozentin der Museologie sowie freiberuflich tätig mit dem Büro „menschmuseum - Inklusive Kulturprojekte" und Stephan Huber, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Psychologischen Ergonomie, veranstalteten ein Seminar „Klartext Kunst! Inklusive Methoden der Kommunikation und Vermittlung für das Museum am Dom“. In diesem Seminar mit Studierenden der Studiengänge Museologie, Lehramt und Mensch-Computer-Systeme sollen Exponate des Museums am Dom im Würzburg einen inklusiven Kontext gestellt werden, so dass sie auch für Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen zugänglich sind. Hierzu fand zunächst eine Datenerhebung, eine Begehung des Museums am Dom mit sehbeeinträchtigten sowie intellektuell beeinträchtigten Personen statt. Hier wurde mit beeinträchtigten Teilnehmern, die über den Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund und die offene Behindertenarbeit des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Schweinfurt gewonnen wurden, eine Begehung des Museums mit Beobachtung und Befragung durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Begehung wurden auf einem Studientag im Museum am Dom präsentiert. Die Aufgabe der Sozialen Arbeit bestand darin, ihre Expertise zum Thema Behinderung und die Erfahrungen mit und Kontakte zu beeinträchtigten Menschen in die Begehung und den Studientag einzubringen.

Auf dem Studientag wurden, ausgehend von den Begehungsprotokollen und qualitativen Interviews mit den beeinträchtigten Menschen, zunächst möglichst umfassend die Barrieren, wie auch Möglichkeiten zu ihrer Überwindung systematisch erfasst. Aspekte, die dabei berücksichtigt werden müssen, sind z.B. erläuternde Texte in verständlicher Sprache zum besseren Verstehen der Kunst oder Audio- bzw. Videoguides mit Gebärdensprachvideos. Darüber hinaus wurde eine virtuelle Plattform zum Austausch unter Museumsbesuchern vorgeschlagen. Anschließend stellte Stephan Huber in seinem Vortrag „Den Besucher im Blick: Contextual design im Museum“ einen im User Experience Design weit verbreiteten Designprozess vor, der im Kontext des Museums am Dom interessant sei, so Professor Kulke. Kulke informierte in seiner Präsentation „Disability Studies“ über verschiedene Modelle von Behinderung und über einen kulturwissenschaftlichen Blick auf Darstellungen behinderter Menschen im Film. Svenja Gaube vom Deutschen Technikmuseum Berlin zeigte in ihrem Vortag „Herausforderungen, Chancen und Grenzen digitaler Strategien: „Inklusion packen wir in die App!““ auf, welche Möglichkeiten ein Museum zur inklusiveren Ausrichtung hat.

Inklusion ist ein weites Feld – und reicht selbstverständlich auch in die Kulturlandschaft. Das Ziel von Inklusion nach der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ist, dass Sondereinrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen zunehmend abgeschafft werden und sich gerade die Regeleinrichtungen und normalen Angebote so öffnen und Barrieren abbauen, dass sie ebenso für Menschen mit Beeinträchtigungen zugänglich werden – und nicht nur für diese, sondern für alle Bevölkerungsgruppen. Im Zuge der stärkeren Berücksichtigung von Vielfalt und Diversität sind dabei alle Bevölkerungsgruppen angesprochen: Menschen mit Beeinträchtigung und Menschen mit Fluchterfahrung, Menschen mit Migrationshintergrund, alte Menschen, junge Menschen und weitere.

Die Forderungen der Behindertenrechtskonvention richten sich an alle öffentlich zugänglichen Einrichtungen, auch an Museen und Galerien, die eine möglichst breite Teilhabe an kulturellen Angeboten ermöglichen. In vielen Fällen sind deren Exponate hinter diversen Barrieren verborgen. So sind leider immer noch einige Museen nicht barrierefrei nach DIN 18 040, so dass Rollstuhlnutzer keinen oder nur einen erschwerten Zugang haben. Für sehbeeinträchtigte Menschen kann eine ungenügende Ausleuchtung oder das Fehlen von Hilfsmitteln wie Tastmodellen ein großes Hindernis sein. Und intellektuell beeinträchtigte Menschen können sich mit der Erschließung der Kunst schwertun, wenn wichtige Hintergrundinformationen zu Kunstwerken und zum Museum in kryptischen und schwer verständlichen Texten versteckt oder gar nicht vorhanden sind.

Zentral für das Gelingen des Projektes ist die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit Museum am Dom mit seinem Leiter Michael Koller, das jetzt schon eine ganze Reihe inklusiver Maßnahmen wie z.B. Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen anbietet. Die Ergebnisse des Projektes sollen in einzelnen Maßnahmen anhand von zwei, drei konkreten Kunstwerken umgesetzt werden. Alle Leser sind eingeladen, sich ab Herbst von der Barrierefreiheit und dem immer inklusiveren Charakter des Museums zu überzeugen.