Studierende vor dem Haupteingang der FHWS in Schweinfurt

In der neuen FHWS-Vortragsreihe „petitessen“ wurden Weinetiketten untersucht und präsentiert

22.06.2018 | fhws.de, Pressemeldung, FG
Professor Uli Braun und Julia Schuller zeigten die Historie sowie das Marketing rund um den Wein auf

Die neue Vortragsreihe „petitessen“ an der Fakultät Gestaltung der Hochschule Würzburg-Schweinfurt hatte in ihrer ersten Folge „Wein und Design“ zum Thema. Sie stellte zum einen anhand beispielhafter Etiketten die gestalterischen Entwicklungen der letzten zweihundert Jahre vor, präsentiert durch Professor Uli Braun mit seiner Publikation „Flaschenzettel, Etikett, Wine Label – Eine unvollständige Betrachtung“.

Wein ist in den Worten des Schriftstellers Robert Louis Balfour Stevenson „Poesie in Flaschen“. Dies bestätigt Professor Braun: „Der phonetischen Nähe von Wein und Design entspricht auch eine inhaltliche. Wein ist nicht nur ein Naturprodukt, sondern auch etwas Gemachtes, Geformtes. Im Produkt Wein sind seine historischen, kulturellen, technologischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge, deren Tendenzen und Entwicklungen ablesbar.“ Die äußere Erscheinung reflektiere dies in Form und Ausstattung der Flasche, insbesondere vor allem in der Gestaltung des Etiketts. Das Kulturgut Wein habe sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Lifestyle-Produkt entwickelt und fordere eine zeitgenössische Betrachtung: Uli Braun führte die Teilnehmer durch Orte und Zeiten, in denen Wein in seiner ästhetischen Dimension vom Etikett über die Vermarktung bis hin zur architektonischen Gestaltung der Produktions- und Verkaufsstätten reichte.

Nicht nur die Etiketten, auch die Architektur habe einen Wandel durchlebt: Noch bis ins 20. Jahrhundert waren die Produktions-, Lager- und Verkaufsgebäude von Weingütern meist Zweckbauten mit entsprechender, funktionaler Architektur. Erst in den 1980er Jahren, so Professor Braun weiter, habe – ausgehend vom achteckigen Kellerneubau des spanischen Architekten Ricardo Bofill für das Château Lafite-Rothschild – ein Umdenken eingesetzt. Eine unterstützende mediale Berichterstattung auch außerhalb der Weinfachpresse mit Aufnahmen von Weingütern motivierte Weinanbauer zu außergewöhnlichen Avantgarde-Gebäuden.

Die Gesamterscheinung einer Weinflasche werde maßgeblich vom Etikett bestimmt. Dieses diene jedoch nicht nur der inhaltlichen Identifizierung, sondern auch der visuellen Differenzierung und Wiedererkennung. Wie fast kein anderes Medium einer eng begrenzten Produktgattung sei das Weinetikett Spielfeld gestalterischer Auseinandersetzung und Experimente. Formale gestalterische Elemente beeinflussten wahrnehmungspsychologisch sowohl die Kaufentscheidung, als auch die Geschmackswahrnehmung, so habe er es feststellen können.

Diese Aussage kann auch die Hochschul-Absolventin, Designerin und Leiterin des Design-Büros „Strom von Quelle“, Julia Schuller, unterstreichen: Sie entwickelt und gestaltet Markenidentitäten im Bereich Wein-Marketing und bringt ihre Erfahrungen beim Entwickeln und Gestalten von Kommunikationslösungen für ihre Kunden aus der Weinbranche ein. Um am breit gefächerten Markt eine Marke zu werden, benötige das Unternehmen in seiner Darstellung eine moderne Unverwechselbarkeit, eine visuelle Klammer, etwas Einmaliges. Die Philosophie des Hauses müsse sich im gesamten Corporate Design wiedererkennen lassen: Dazu zählt ein individuelles und einzigartiges Konzept, eine zeitgemäße Gestaltung in Bezug auf das Logo, die Weinetiketten, die Imagebroschüre und die Geschäftsausstattung sowie eine zum Auftritt passende Website. So wird für jedes Weingut ein ganzheitliches Erscheinungsbild entwickelt, und die Geschichten ihrer Kunden und deren Produkte erlangen dadurch eine unverwechselbare Identität. Mit diesem Konzept überzeugt sie namhafte Winzer und Weinkunden.

Aktuell stünde die Herausgabe eines Buches in Kooperation mit dem Fotografen Stefan Bausewein zum Weinland Franken an mit Porträts einer, so Schuller, traditionsreichen und lebendigen Szene, die mit nationalen wie internationalen Preisen ausgezeichnet werde. Großformatige Bilder, persönlich geführte Interviews und anschauliche Kurztexte zeigen den authentischen Alltag in über 25 fränkischen Weingütern sowie die unterschiedlichen Arbeitsschritte vom Rebschnitt über die Traubenentwicklung bis hin zur Weinlese und Kellerarbeit.

Weitere Informationen zur Publikation „Flaschenzettel, Etikett, Wine Label“ (FHWS-Bibliothek) und zum Designbüro Strom von Quelle.