Bei Klick auf die Grafik "50 Jahre FHWS" erfolgt die Weiterleitung zur Unterseite "50 Jahre FHWS"

Innovation aus der Region: Das TTZ-EMO forscht an der Mobilität von Morgen

10.03.2021 | fhws.de, Pressemeldung, FE

Interessiert man sich für zeitgemäße und nachhaltige Mobilitätskonzepte, kommt man um das 15.000-Einwohner-Städtchen Bad Neustadt an der Saale kaum herum. Vor zehn Jahren entstand hier die „erste Modellstadt Elektromobilität“ – und mit dem „Technologietransferzentrum Elektromobilität“ (TTZ-EMO) wenig später das erste Institut für Elektromobilität in Bayern. Eine fruchtbare Kooperation, von der die regionale Industrie ebenso profitiert, wie die Forschenden an der FHWS.

Einsatzbereitschaft aus Politik, Wirtschaft und Forschung

Das Technologietransferzentrum ist eins von acht Instituten der FHWS – und doch weder in Würzburg, noch in Schweinfurt angesiedelt. „Zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts gab es in Bayern einen allgemeinen Trend, auch kleinere und mittelgroße Städte an die Fachhochschulen anzubinden“, erinnert sich der Institutsleiter Professor Ansgar Ackva. Dazu kam eine akute regionale Sorge um wegfallende Arbeitsplätze – begründet in der Produktionsverlagerung eines großen Unternehmens. Ein Technologieunternehmen mit Zukunftsperspektive sollte hier Ausgleich schaffen. Die steigende Relevanz der Elektromobilitätsforschung führte schließlich zu einem großen Gemeinschaftsprojekt, das gleichermaßen von der Politik, wie von der Wirtschaft gefördert wurde. Die FHWS schließlich konnte eine Anbindung an den Hochschulbetrieb und an die lokale Industrie sicherstellen. „Das TTZ-EMO wird von einem Konsens aller Beteiligten getragen, dass man diese Einrichtung zum Erfolg führen will“, betont Professor Ackva. Ohne den Willen und die Einsatzbereitschaft von Politikern, Unternehmen und Hochschule wäre das Projekt undenkbar.

Wissenschaftstransfer als Triebfeder

Der permanente Transfer zwischen Forschung und Praxis ist dabei die entscheidende Triebfeder: Die Industrie profitiert vom aktuellen Status Quo der Forschung, während die Wissenschaft aktuelle und gesellschaftlich relevante Fragen zugetragen bekommt, die es zu bearbeiten gilt. Gerade in der Anfangszeit des Instituts kamen entscheidende Forschungsimpulse häufig aus der Wirtschaft. Ein konkretes Beispiel wurde 2013/2014 zusammen mit einem lokalen Automobil- und Industriezulieferunternehmen realisiert. In produktiver Zusammenarbeit entstand so ein sogenanntes „Vehicle to Grid“-System: Durch den Anschluss des Fuhrparks an ein lokales Stromnetz können die elektronischen Fahrzeuge bei Bedarf sowohl Energie an das Stromnetz abgeben, als auch aufnehmen. So können temporäre Stromspitzen abgefangen und der Strombedarf insgesamt reduziert werden. In Japan sind solche Systeme bereits gängige Praxis – in Europa wird ihre Verbreitung ab 2025 erwartet.

Das TTZ-EMO lebt also gleichermaßen von den Ideen der Forschenden, wie den Impulsen aus der Wirtschaft. Außerdem beteiligt sich das Institut an den Förderrichtlinien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi). So werden Forschungsimpulse des Bundes am Technologietransferzentrum in konkrete Lösungsvorschläge ausgearbeitet.

Beitrag zu einer nachhaltigen Gesellschaft

Mit Projekten wie „Vehicle to Grid“ leistet die Elektromobilitätsforschung auch einen Beitrag zu insgesamt ressourcenschonender Energienutzung: „Es ist unstrittig, dass die Elektromobilität ein Weg zu nachhaltiger Mobilität ist“, so Professor Ackva, schließlich lasse sich durch die Elektromobilität der CO2-Fußabdruck maßgeblich reduzieren. Allein der energetische Nutzungsgrad sei mit 80-90% weitaus besser, als die maximalen 30% klassischer Verbrennungsmotoren. Dabei sind die aufwändigen Pumpsysteme, Raffinerien und Transportwege in der Erdölförderung nicht einmal eingerechnet. Außerdem reduziert die Elektromobilität erheblich den Straßenlärm, insbesondere in den Innenstädten.

Trotzdem sind einige Fragen zur Zukunft der Elektromobilität nicht abschließend gelöst – ein Grund, warum auch Themen wie Batterierecycling und Batterie-Lebensdauerverlängerung auf der Agenda des TTZ-EMO stehen.

Praxisnahes Studieren

Auch die Studierenden der FHWS profitieren von den praktischen Arbeiten am Technologietransferzentrum. Neben den Möglichkeiten für ein Praxismodul und die Bachelorarbeit ist besonders der Masterstudiengang Elektroinformationstechnik stark in die Arbeitsgruppen am Institut eingebunden: Im Master Research Programm wird ein Großteil der Arbeitszeit genutzt, um über drei Semester an einem konkreten wissenschaftlichen Thema zu arbeiten. Die Studierenden werden damit schrittweise zu vollwertigen Mitarbeitenden am Institut – und haben so schon einmal die Möglichkeit, sowohl wissenschaftliche wie auch reichlich praktische Erfahrungen zu sammeln.

Dieses Angebot wird bereits gut angenommen und trotzdem wünscht sich Professor Ackva eine noch größere Zahl, insbesondere auch weiblicher, Studierender: „Elektromobilität ist ein enorm zukunftsträchtiges Thema und ich würde mich sehr freuen, wenn mehr junge Menschen, insbesondere auch junge Frauen, diese Richtung wählen würden.“

Denn am TTZ-EMO haben Studierende der FHWS die Möglichkeit, ein wichtiges Zukunftsthema mit gesellschaftlicher Relevanz aktiv mitzugestalten. Professor Ackva ist sich sicher: Die Forschung an der Elektromobilität wird auch in den kommenden Jahren nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben. Dies zeigt sich auch daran, dass das TTZ-EMO im kommenden Jahr weiter ausgebaut wird - eine zusätzliche Forschungsprofessur wird die Arbeit am Institut künftig unterstützen.

Weitere Informationen unter TTZ-EMO

Kontakt:

Technologietransferzentrum Elektromobilität

Hochschule Würzburg-Schweinfurt

Poststraße 31

97616 Bad Neustadt / Saale

0931 3511-6701

ttz-emo@fhws.de