Eine Gruppe FHWS-Angehöriger aus der Vogelperspektive

Masterstudierende stellten zehn Ideen für eine Mainüberquerung per Rad an der Löwenbrücke vor

29.07.2019 | fhws.de, Pressemeldung, FAB
STADT AM FLUSS – Visionen für eine neue Mainquerung in Würzburg: Konzepte von Fuß- und Radwegbrücken mit Grünstreifen über einen Cubus bis hin zu Pylonbrücken wurden im Raatssaal der Stadt Würzburg vorgestellt

Es gibt ein altes Volkslied, in dem es heißt: „Es führt über den Main, eine Brücke von Stein, wer darüber will geh'n, muss im Tanze sich dreh'n.“ Ganz so einfach ist die Situation in Würzburg jedoch nicht: Um über die Mainbrücke aus Stein, genauer: die Ludwigs- oder im Volksmund auch Löwenbrücke zu gelangen, wäre ein munteres Tänzchen nur noch sehr bedingt möglich: Auf der 205 Meter langen Brücke aus dem Jahr 1895 drängen sich parallel Autos, Busse, zwei Straßenbahnlinien, Radfahrer sowie Fußgänger. Um die Verkehrssituation zu entlasten und Radfahrern mehr Raum zu verschaffen, wurden im Stadtrat fünf Vorschläge eingereicht und diskutiert - sie reichten von einer Radfahrer- und Fußgängerbrücke, kombiniert mit einer Seilbahn zur Festung, einer eigenen Brücke für Radfahrer und Fußgänger nahe der Löwenbrücke, einem an die Löwenbrücke angehängten Steg, einer Reduktion der Fahrstreifen auf der Brücke von drei auf zwei in Kombination mit einer Verlegung der Straßenbahngleise, um mehr Platz für Fußgänger wie Radfahrer zu schaffen bis hin zur Option, bei der Radfahrer auf beiden Gehwegen fahren können, während für die Fußgänger die Brücke verbreitert werden solle. Keine Variante überzeugte.

Nun wurden Studierende des Masterstudiengangs „Integrales Planen und Bauen“ an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt eingeladen, um ihre Ideen des Moduls Projektentwicklung II „Stadt am Fluss“ in einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Ratssaal der Stadt Würzburg vorzustellen. Ihre Aufgabenstellung lautete „Visionen für eine neue Mainquerung in Würzburg“, die sie im auslaufenden Sommersemester unter der Leitung der beiden Professoren Gunther Benkert sowie Christian Baumgart realisiert hatten.

Die zehn studentischen Teams skizzierten in je rund sieben Minuten in Kurzfassungen ihre Konzepte; anschließend hatten die Anwesenden die Möglichkeit für Nachfragen. Die Ideen zeigten eine große Bandbreite von der Lage der neuen Brücken über die Finanzierung bis hin zur geänderten Verkehrsführung und beinhalteten u.a. den Städtebau, die historische Struktur, Analysen, die Projektidee, Umfrageergebnissen und Statistikangaben, Kostenberechnungen und Möglichkeiten der Finanzierung sowie Apps. Besichtigen konnten Interessierte die Poster inklusive einem scanbarem QR-Code zum Booklet vorab sowie im Anschluss an die Präsentation in der Rathaushalle.

Team 1 (mit Stefanie Borell Sánchez, Eduard Obholz, Alexander Kovac) stellte den „Balthasar-Neumann-Steg mit studentischen Arbeitsplätzen“ vor. Mit einer leichten Glas-Stahl-Konstruktion schafft das Team nicht nur einen neuen Verkehrsweg, sondern darüber hinaus Aussichtsplattformen sowie Raum für neue Arbeitsplätze im unteren Part der neuen Brücke.

Team 2 (mit Julia Graber, Linda Reuchlein, Beatrice Seelbach) stellten ihre „Visionen für eine neue Mainquerung in Würzburg“ vor, bei dem es einen Radrundweg sowie eine Anbindung an einen Radschnellweg im Innenstadtbereich geben soll, bei dem sich Fußgänger sowie Radfahrer eine Brücke teilen und sich die Radfahrer kollisionsfrei über den Fußgängern bewegen können.

Team 3 (mit Margarete Herrmann, Franziska Höcker, Jessica Bauer) erläuterte ihre „Promenade über Wasser“. Mit einem Anschluss an die Leistenstraße an schon bestehende Radwege ermöglicht eine geschwungene Pylon-Balkenbrücke den eleganten Übergang über den Fluss.

Das vierte Team „green-connection“ (mit Sarah Trinschek, Florian Hein, Oswin Hennig) sieht eine Verkehrsfluss-Änderung vor am Ausgang des grünen Ringparks über den Fluss mit einer Trennung der Fußgänger und Radfahrer auf einer neuen Brücke, auf der ein linsenförmiger Grünstreifen zum Verweilen einlädt.

Team 5 “wue-net” (mit Stephan Radegast, Julia Alsheimer, Christina Körbel) plant als einziges Team keinen Neubau einer weiteren Brücke über den Main, sondern möchte überzeugen mit einem integrativen Gesamtkonzept, um Entlastung zu schaffen.

Team 6 verfolgt die Vision, “Copenhagenize Würzburg – Vision 2033” (mit Meltem Yigit, Daria, Shyian, Philipp Ludwig): Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 eine fahrradfreundliche Verkehrsführung zu schaffen und die schon bestehende Löwenbrücke mit einem erweiternden Radweg zu ergänzen.

Das Team 7 entwickelte die Idee einer „Burkardbrücke – Stadt am Fluss” (mit Sebastian Kübler, Lubna Sukhni, Nils Weiß). Auf Basis von Analysen, nach denen die Alte Mainbrücke mit Abstand am meisten von Fußgängern wie Radfahrern genutzt wird und es zu Unfällen kommt, möchten sie mit ihrer neuen Brücke die Festung besser anbinden durch einen zweiten Rundweg und weniger Ampeln.

Team 8 (mit Simon Gelbmann, Louis Nagler, German Perbach) plant, mit „facetta“, einem filigranen Radsteg, sowie einem Cubus mit drei Funktionsmöglichkeiten Stadt und Kultur aufzuwerten. Die Verkehrsführung müsste geändert werden, Optionen zum Ausruhen, Informieren, Musik, Kultur und Geschichte wären gegeben.

Team 9 (mit Georg Jelinek, Tamara Schowalter, Theresa Irmscher) verfolgt die Idee, neben der Alten Mainbrücke ihre „`Neue Mainbrücke` Würzburg“ zu konstruieren. Zwei bisherige historische Bestandsauflagen am Alten Kranen sowie in der Zellerau nutzend, ermöglicht ihr Konzept fünf Nutzungen.

Mit ihrem Konzept des “Main Twist - Stadt am Fluss” möchten die beiden Studentinnen Christina Wille und Julia Röding eine Brücke errichten zwischen der Alten Mainbrücke sowie der Friedensbrücke, die Radfahrer wie Fußgänger parallel nutzen können. Im Mittelbereich soll ein Netz Aufenthaltsqualität schaffen mit Ruhe und schönen Ausblicken.

Professor Gunther Benkert: „Das Thema wird im kommenden Wahlkampf wohl eine größere Rolle spielen werden, und so freut es uns, dass unsere Studierenden, die Fakultät und die Hochschule die Gelegenheit bekommt, einen Beitrag zu dieser Diskussionen in der Öffentlichkeit leisten zu können.“