Multimediale Zugänge zu Ausstellungsstücken herstellen: Trug Christus einen Cowboyhut?

05.10.2021 | fhws.de, Pressemeldung, FKV
Bachelorarbeit an FHWS: Jonas Roth entwickelt Handy-App für das Museum für Franken, die Wissen und Spaß verbindet

„Kulturelle Bildung ist eine der besten Investitionen in die Zukunft unseres Landes“. Diesem Statement der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ ist nichts hinzuzufügen. Darum möchte das Museum für Franken sein interaktives und digitales Vermittlungsangebot stets so erweitern, dass die Menschen auch wirklich Spaß daran haben, Neues zu lernen.

Jonas Roth, Absolvent des Studiengangs „Geovisualisierung“ an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS), weiß aus persönlicher Erfahrung, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Oft werden Museen von Jugendlichen als langweilig empfunden oder bieten keine multimedialen Zugänge zu den Ausstellungsstücken. Gerade deshalb wollte er sich in seiner Bachelorarbeit auf die Suche nach neuen Wegen der Vermittlung machen.

Der erste Anstoß war vom Museum für Franken selbst gekommen. „Die Museumspädagoginnen Juliane Gieb und Veronika Genslein wollten neue Wege bei der Präsentation der Exponate gehen“, berichtet FHWS-Dozent Stefan Sauer. Im Gespräch sei daraufhin die Idee einer Augmented-Reality-Anwendung (AR) für Smartphone oder Tablet entstanden, bei der die reale Welt mit computergenerierten Objekten, Audios und Filmen angereichert wird.

„Erstellen einer AR-App für das Museum für Franken“ lautete der Titel der im Dezember 2020 ausgeschriebenen Bachelorarbeit. Erklärtes Ziel war es, „der jüngeren Generation auf zeitgemäße Art Kultur- und Geschichtswissen zu vermitteln“ und dabei auszutesten, wie sich neue Technologien und Museumspädagogik verbinden lassen. Zu Beginn der rund sechs Monate dauernden Entwicklungsarbeit erstellte Jonas Roth ein Konzept und klopfte die Rahmenbedingungen fest. Im zweiten Schritt wählte er sieben Exponate aus und trug Informationen zusammen. Die Erstellung der Anwendung und die Einbindung von Audios, Videos, Texten und 3D-Modelle war der aufwändigste Teil der Arbeit; neben Programmier-Kenntnissen war hier ein hohes Maß an Kreativität und Detailüberlegungen gefragt, denn: „Nur eine anwenderfreundliche und abwechslungsreiche App wird am Ende auch von Nutzerinnen und Nutzern akzeptiert“, resümiert Stefan Sauer. Im letzten Schritt bereitete Roth die Anwendung für Android und IOS auf.

Die Nutzung ist denkbar einfach und kurzweilig zugleich: Per Smartphone oder Tablet werden über am Objekt angebrachte Marker die hinterlegten Infos abgerufen. Beim Ölbild „Streitende Kinder mit Puppe“ etwa fällt das Streitobjekt beim Klick auf die Puppe herunter, und die kaum wahrnehmbare Fliege – Symbol für die Vergänglichkeit des Augenblicks – beginnt umherzufliegen. Für das „Maintal bei Miltenberg“ hat Roth den Malerstandort ausfindig gemacht und zeigt eine aktuelle Landschaftsaufnahme. Zum barocken Krummhornbläser ertönt Barockmusik, und bei der verlorenen Kopfbedeckung des „Christus auf dem Palmesel“ kann man zwischen 3D-Modellen wie Krone, Cowboyhut, Heiligenschein und Dornenkranz wählen. Besonders angetan hat es Jonas Roth der Würzburger Ratstisch von Tilman Riemenschneider: In der AR-App ist der Tisch wieder drehbar, die Wappen dienen als Andockpunkte für historisches Wissen. „Hier habe ich gemerkt, dass die Arbeit etwas mit mir gemacht hat“, sagt der 22-Jährige: „Historische Dinge müssen nicht langweilen, sondern können hochinteressant sein.“ Am meisten Spaß hatte er beim Umsetzen kreativer Spielereien und dem Austesten der gebauten Funktionen.

Die beiden Betreuer, Stefan Sauer und Prof. Dr. habil. Mark Vetter, haben die Arbeit mit 1,0 benotet. „Jonas Roth hat sich weit über das normale Maß hinaus engagiert, viel Zeit und Mühe investiert und die Anwendung mit viel Liebe zum Detail gestaltet“, begründet Sauer. Besonders hoch rechnet er dem Absolventen an, dass er auch den Bedürfnissen der potenziellen Kunden gerecht wurde. Für Roth bedeutete die Kooperation eine Bereicherung, weil „auf diese Weise noch mehr Ideen auf den Tisch kamen“. Der erfolgreiche Absolvent wird zunächst an einem Forschungsprojekt der FHWS mitarbeiten und dann den neuen Masterstudiengang „Geodatentechnologie“ an der FHWS absolvieren.

Das Museum für Franken zeigte sich vom Ergebnis begeistert. Ab Dezember soll die App im Playstore erhältlich sein. Ob die Applikation ausgebaut und erweitert wird, hängt von der Resonanz des Publikums ab. Doch da ist Stefan Sauer zuversichtlich und visiert bereits die nächsten Projekte rund um den Festungsberg an. (Anja Legge)

Kontakt: Hochschule Würzburg-Schweinfurt

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