Studierende vor dem Haupteingang der FHWS in Schweinfurt

Randersackerer Straße 15: Villa Treutlein, Makarenheim, MAD-Dienststelle, FHWS, Villa Waltenberger

08.03.2018 | Pressemeldung
155 Jahre Villa: Die Hochschule Würzburg-Schweinfurt nutzt das historische Gebäude zu Lehr- und Forschungszwecken

Im Januar 2017 erbte die Hochschule Würzburg-Schweinfurt nach über zwanzigjähriger Nutzung die Villa in der Würzburger Randersackerer Straße 15. An dem Gebäude, so der Wunsch der vormaligen Besitzerin, Hella Waltenberger, sei eine Informationstafel anzubringen, die auf ihr Vermächtnis hinweise.

Das Haus mit Garten und Nebengebäuden, 1863 als Wohnhaus erbaut von Kaufmann Philipp Treutlein, spiegelt in seiner 155jährigen Geschichte Teile der regionalen Stadtgeschichte sowie der Reichs- bzw. bundesweiten Politik wider. Es wurde genutzt als Wohn-, Büro-, Verwaltungs- und Hochschulgebäude u.a. von zwei Familien, der Studentenverbindung Corps Makaria Würzburg, dem Militärischen Abschirmdienst sowie der Fakultät Gestaltung der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Haus und Garten wurden oft um- bzw. wiederaufgebaut aufgrund der charakteristischen Bedürfnisse der jeweiligen Hausbewohner bzw. als Folge eines Luftangriffes 1945. Heute nutzen es der Campus Weiterbildung sowie der Campus Sprache der Hochschule Würzburg-Schweinfurt für Lehrzwecke.

Ein kleiner historischer Rückblick

1863 erbaute der Kaufmann Philipp Treutlein außerhalb des Sandertores die, so schrieb es Hella Waltenberger, „Herrschaftsvilla in großem Garten“, ein unterkellertes Zweifamilienhaus im klassizistischen Stil.

Im Jahr 1908 erwarb das Corps Makaria Würzburg das Gebäude als künftiges „Makarenheim“. Oberstabsarzt a.D. Dr. med. O. Grimm beschrieb in der „Geschichte der Makaria zu Würzburg“ anlässlich des 50jährigen Stiftungsfestes 1913 das Anwesen als ein „auf einer Grasböschung völlig freistehendes, ganz in weiß gehaltenes zweistöckiges Wohnhaus“; „Hinter der Villa liegt noch ein etwas kürzerer Gartenraum und dahinter ein gut gepflegter Tennisplatz. Ersterer weist in der Mitte ein Springbrunnenbassin auf“.

Der Autor der Festschrift anlässlich des 150jährigen Bestehens des Corps 2013, Peter-Philipp Schmitt, gab Informationen über den weiteren historisch-politischen Verlauf: „Nach der von den Nationalsozialisten erzwungenen Suspension löste sich das Corps Makaria am 5. März 1936 auf. Ohne eine Perspektive auf ein Wiedererstehen der Corpsaktivitäten verkauften die Alten Herren 1936 das Haus an Ludwig Höret.“

Ludwig und Aenna Höret sowie deren zwei Kinder nutzten das Haus fortan als Wohnhaus. Die Tochter Hella Waltenberger, geborene Höret, schrieb: „Ich hatte das Glück, meine Kindheit in dem großen, naturbelassenen Garten zu verbringen.“ Bombenangriffe des zweiten Weltkrieges hinterließen später am Haus in der Randersackerer Straße 15 ihre Spuren: Hella Waltenberger erinnerte sich: „Am 16. März 45 ereilte auch uns das Schicksal, und das Haus brannte über uns ab, lediglich das stabile Kellergewölbe und der Notausgang retteten uns das Leben“. Der 150jährigen Festschrift des Corps Makaria-Guestphalia ist zu entnehmen, dass Ludwig Höret bereits im August 1945 einen Bauantrag einreichte zum Wiederaufbau des Gebäudes.

Im Zeitraum 1978 bis Ende 1994 nahm nach Angaben der Pressestelle des Militärischen Abschirmdienstes in der Randersackerer Straße 15 die „MAD-Stelle 61“ „Aufgaben im Rahmen der Spionage- und Sabotageabwehr sowie der Extremismus- und Terrorismusabwehr und Ermittlungen für die Sicherheitsüberprüfungen der Angehörigen der Bundeswehr wahr. Die Villa, die in diesen Jahren mittels besonderer Absicherungsanlagen unmittelbar mit dem Feldjägerdienstkommando in Veitshöchheim verbunden war, sollte bis in die 90er Jahre die Heimat der `militärischen Verfassungsschützer` in Franken bleiben.“

„Nach der Wiedervereinigung 1990“, so die Pressestelle des MAD weiter, „veränderte sich der Auftragsumfang für den MAD, und zahlreiche Dienststellen des MAD wurden aufgelöst. Dies traf auch die MAD-Stelle 61 in Würzburg. Ihr Zuständigkeitsbereich und das Personal gingen an die MAD-Stelle in Amberg über. Damit endete im Oktober 1994 die Geschichte der MAD-Stelle 61 in Würzburg und die Nutzung der Villa in der Randersackerer Straße 15 durch den Militärischen Abschirmdienst.“

1995 übernahm die Hochschule Würzburg-Schweinfurt nach monatelangem Leerstand die Villa. Hella Waltenberger: „Heute ist das Haus an die FH vermietet, und es gehen Studenten des Faches Kommunikations-Design aus und ein. Es sind kreative junge Leute, die zu schätzen wissen, welch schöne Studienumgebung sie haben und nennen das Haus nur noch unsere `Villa`.“ Und weiter: „Mit diesem Vermächtnis möchte ich zur finanziellen Ausstattung der FH beitragen. Ich schätze die FH und die Art der Ausbildung sehr hoch und möchte für die nachfolgende Generation meinen Beitrag leisten.“

Seit dem Mai 2017 ist die Hochschule Würzburg-Schweinfurt im Grundbuch eingetragen als Eigentümerin der historischen Villa.