Blick in die sog. Aula, den größten Hörsaal am Standort Schweinfurt

Sieben Wirtschaftsinformatikstudenten geben einem Patienten mit ihrem „FIPS“ Lebensqualität zurück

22.06.2018 | fhws.de, Pressemeldung, FIW
Dank des „full integrated patient systems“ sind Handlungen selbstständig ausführ- und steuerbar

Sieben Wirtschaftsinformatik-Zweitsemesterstudenten der Hochschule Würzburg-Schweinfurt haben sich zusammengefunden, um ein außergewöhnliches Projekt parallel zum Studium ehrenamtlich zu realisieren: Es handelt sich um einen älteren Mann und Patienten, der nach einem Unfall vom Hals ab gelähmt ist und während seiner langen Klinikaufenthalte vor allem auf akustische Signale einer Pfeife angewiesen ist, wenn er beispielsweise den Fernseher einschalten, abends das Licht ausmachen oder telefonieren möchte und dafür immer Hilfe von außen benötigt. Bestmögliches selbstbestimmtes Handeln sowie ein höheres Maß an Lebensqualität zu schaffen, war das Ziel der Studenten.

Sie informierten sich eingehend beim Patienten und dessen Familie sowie der Klinik über Bedürfnisse und Möglichkeiten und entwickelten auf dieser Basis unter dem Namen „FIPS“ ein „full integrated patient system“. Dieses beinhaltet u.a. einen klinikunabhängigen, eigenen Internetzugang, einen Fernseher, ein Telefon, eine Peripherie, ein Alexa-System sowie ein Harmony Hub als Steuerungsmodul. Die Kosten wurden zusammengestellt und möglichst niedrig gehalten, um die Familie bzw. ggf. auch weitere Nutzer nicht über Gebühr zu belasten. Es folgten zahlreiche Testläufe, immer auch im Hinblick darauf, die Befehlsketten möglichst kurz und anwenderfreundlich zu gestalten.

Nicht alles lief auf Anhieb wie gewünscht, so die Studenten: Als z.B. der Fernseher eine längere Zeit lief, schaltete er irgendwann auf Standby-Modus. Der Hub ging jedoch davon aus, dass der Fernseher weiterhin lief – und ließ sich entsprechend nicht neu anschalten. Auch die Akzeptanz des Klinikpersonals musste erst gewonnen werden: Eine Mitarbeiterin meinte, sie würde das Patientenzimmer nur dann aufsuchen, wenn ihre Privatsphäre geschützt und Alexa abgeschaltet sei.

Als nächster Schritt steht nun der Einbau der Systeme in das Patientenzimmer auf dem Programm. Der Patient erhielt zu Beginn eine Tafel mit den kurzen, einprägsamen Befehlen, um Alexa zu starten und beispielsweise die Order zu übermitteln, dass er einen Anruf tätigen oder abends Nachrichten vorgelesen haben möchte. Ebenso wurde die Familie mit step-to-step-Anleitungen über die Angebote informiert. Einen weiteren Wunsch würden die Studenten gern noch umsetzen: Da das Klinikzimmer zur Südseite liegt und sich im Sommer sehr aufheizt, möchten sie das Anwählen einer Jalousie oder eines Ventilators ins System integrieren.

Nachdem das siebenköpfige Team eine hervorragende, effiziente Zusammenarbeit und Erfolge erarbeitet hat, wird es sein selbstentwickeltes Patientensystem auf einer Pflegemesse vorstellen. Darüber hinaus könnten sich die Studenten auch vorstellen, mit diesem Konzept als Startup-Unternehmen auf den Markt zu gehen.