Studierende vor dem Haupteingang der FHWS in Schweinfurt

Studierendenbefragung: Wieviel institutionelles Vertrauen sollten Sozialarbeitende haben?

06.11.2018 | fhws.de, Pressemeldung, FAS
Online-Befragung an 37 Hochschulen zur politischen Orientierung und zum politischen Auftrag in sozialer Arbeit

Auf Einladung von Dr. Karin Lenhart-Roth vom Fachbereich V der Hochschule Hannover (Diakonie, Gesundheit und Soziales) stellte Professor Dr. Kulke in einem Vortrag Ergebnisse aus seinem aktuellen internationalen Forschungsprojekt zu Einstellungen zur Politik und zu einem politischen Auftrag Sozialer Arbeit dar. Kulke, tätig an der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, leitet ein Projekt der Sektion Politik Sozialer Arbeit der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit, für das eine Online-Befragung an 37 Hochschulen und Deutschland und Österreich zu den Themen politische Orientierungen und Partizipation, sozialpolitische Einstellungen und Einstellungen zu einem politischen Auftrag Sozialer Arbeit bei Studierenden der Sozialen Arbeit durchgeführt wurde.

Aus dieser Befragung, die von Juli 2017 bis April 2018 durchgeführt wurde, liegen für Deutschland Angaben von 3.467 Studierenden vor, zu geringen Teilen auch von anderen, der Sozialen Arbeit verwandten Fächern. Zu diesem Projekt war bereits an der Würzburger Fakultät eine Tagung durchgeführt worden (Fachtag_Soziale_Arbeit)

Die Ergebnisse dieser bundesweiten Studierendenbefragung zeigen, so Kulke, unter den Studierenden eine hohe Zustimmung zu einem politischen Auftrag Sozialer Arbeit. Innerhalb des Studiums zeige sich ein Anstieg des politischen Interesses nach dem Praxissemester und eine überdurchschnittliche Zufriedenheit (gemessen am European Social Survey) mit der Demokratie als Staatsform. Neben einer deutlichen politischen Linkstendenz zeigte sich die Partizipation verstärkt in Aktionen wie Petitionen, Foodsharing, Demonstrationen und Kundgebungen, auch wenn die Studierenden in allen Bereichen aktiver als die Gesamtbevölkerung seien. Ein weiterer interessanter Befund, so der Professor, sei, dass mit zunehmender Zufriedenheit der Demokratie die politische Aktivität abnehme.

An der Studie hatte sich auch die Hochschule Hannover mit 223 Studierenden beteiligt. Dank der dadurch gewonnenen sehr guten Datenlage konnte eine eigene Auswertung der Hannoveraner Daten vorgenommen und mit den Ergebnissen der Gesamtstudie verglichen werden. Die Studierenden der Sozialen Arbeit an der Hochschule Hannover befürworteten einen starken Sozialstaat und Umverteilung und seien tendenziell etwas kritischer gegenüber den sozialen und politischen Verhältnissen in Deutschland als Kommilitonen im bundesweiten Vergleich.

Knapp neunzig Prozent der Hannoveraner Studierenden befürworten den Satz „Soziale Arbeit hat einen politischen Auftrag.“ In der mit rund sechzig Zuhörenden gut besetzten Aula wurde nach dem Vortrag über die Ergebnisse und ihre Deutung diskutiert. Im Zentrum der Diskussion stand die Frage nach dem Vertrauen in politische Institutionen, das bei allen Befragten im Vergleich mit der Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich groß sei. Professor Kulke fragte, ob dies die Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung erleichtere oder ob es wichtig für die Soziale Arbeit sei, z.B. angesichts vieler fehlerhafter SGB II-Bescheide (Grundsicherung für Arbeitsuchende) auch den staatlichen und kommunalen Institutionen gegenüber misstrauisch und kritisch-aufmerksam zu sein.